Wörth
Nicht jedes Handy funktioniert für Badetickets
Die Stadtwerke setzen beim Eintrittskartenverkauf weiterhin auf Online-Tickets, auch wenn die aktuelle Corona-Bekämpfungsverordnung dies für öffentliche Einrichtungen wie den Badepark nicht mehr als notwendig vorsieht.
Die Bilder und Reaktionen gleichen sich: Den Stadtwerken gelingt bei ankommenden Badegästen eine nette Überraschung. Die kleine Familie, die anhand der Beschriftung ihrer Tragetaschen und eines Trikots des Fußballklubs Racing Strasbourg unschwer als Besucher aus dem Elsass zu identifizieren ist, setzt erst einmal ermattet ihr Gepäck ab. Wie selbstverständlich zückt die Tochter ihr Handy und warten die Eltern geduldig ab. So geht es hier an diesem frühen Wochenendnachmittag öfters zu. Für viele Besucher des Freibads beginnt der Badespaß mit großen Augen und entschlossenem Wischen auf ihren Handys. Immerhin sind ausreichend Mitarbeiter von Bad und Sicherheitsdienst gleich zur Stelle, wenn es Probleme und Fragen gibt. Und wenn gar nichts geht und man gut zu Fuß ist, können 500 Meter entfernt an der Hallenbadkasse noch analoge Tickets gekauft werden. Zumindest dienstags, donnerstags sowie samstags und sonntags. Allerdings jeweils nur von 10 bis 14 Uhr.
Roaming ist ein Problem
„Wir haben nicht gewusst, dass wir auch nach Corona noch E-Tickets brauchen“, sagt Frank aus Hagenau, der ebenfalls mit seiner Familie angerückt ist. Der Freund der Tochter kümmere sich. Er könne dies nicht, weil sein Mobilfunkvertrag kein Roaming im Ausland vorsehe, sagt er. Dass es hier so gar keine Möglichkeit gebe, noch ein normales Ticket zu kaufen, findet er „schade“. Immerhin geht es für all jene, die ein Online-Ticket gebucht haben, zügig voran. Selbst beim Ankommen größerer Menschenmengen lösen sich Schlangen rasch auf und kommen die Leute schnell hinein.
Georg Werling, Chef der Stadtwerke, blickt zufrieden auf die Abläufe. Vor ein paar Tagen habe er auf der anderen Rheinseite im Rheinstrandbad vorbeigeschaut und dort „eine Hundert-Meter-Schlange“ beobachten können. In Karlsruhe könne man noch bar bezahlen und käme es beim Einlass eben entsprechend zu Verzögerungen, sagt er.
Doch auch in Wörth hat es zuletzt geholpert, wie Besucher der RHEINPFALZ berichteten. So hätten noch am Pfingstwochenende im Vorfeld der Einlassanlage keine Hinweisschilder gestanden, sodass Besucher ohne Online-Ticket nach entsprechendem Anstehen erst direkt am Eingang erfahren haben, dass sie ein Online-Ticket benötigen und erst mal nicht hineinkämen. Vor allem die Tatsache, zum Hallenbad laufen zu müssen und hier am Bad noch nicht einmal eine Kasse geöffnet zu finden, sorgte bei vielen für Unmut. Werling hält diesen kalten Entzug des Publikums für unumgänglich, „um unser Ziel des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bei uns zu implantieren“. Alleine die Geldwerttransporte hätten Kosten in Höhe von 10.000 Euro im Jahr verursacht. Allgemein würde das Handling des Bargeldwechsels entfallen.
Kein Rückschritt geplant
Und Tanja Gerloff, Betriebsleiterin Bäder bei der Stadt Wörth, legt sich für den Fall, dass man weiterhin eine Bargeldkasse anbieten würde, fest: „Dann bucht niemand mehr online.“ Gerling wiederum zitiert aus Statistiken, die gerade noch 6 Prozent der Tageskartenkäufe in analoger Form anzeigten, während 94 Prozent online buchen würden. Zudem sei Wörth „Modellprojekt Digitale Stadt Rheinland Pfalz und hat entsprechende Fördermittel erhalten. Und da sollen wir jetzt nach 2 Jahren ausschließlichem Online-Verkauf wieder einen Rückschritt machen?“
Dennoch würde Situation in der kommenden Woche nochmals auf mögliche Verbesserungen analysiert. Zum Beispiel, dass von den Saisonkarten 36 Prozent per Barzahlungen über den Tresen gegangen seien. Letztendlich hoffen Georg Werling und Tanja Gerloff auf den Gewöhnungseffekt ihrer Gäste, denen Gerling grundsätzlich ein Lob aussprechen möchte: „Die sind variabel, das funktioniert, man kriegt es hin.“