Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nicht jeder Schulwunsch ist erfüllbar

Die IGS Kandel hat nach Jahren endlich einen Neubau - und deutlichen Zulauf.
Die IGS Kandel hat nach Jahren endlich einen Neubau - und deutlichen Zulauf.

In den Sekretariaten und bei Schulleitern herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb: Die Anmeldungen der künftigen Fünftklässler liegen auf dem Tisch. Nicht jedes Kind wird seine Wunschschule besuchen können. Einige Familien müssen noch bangen.

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Wörth musste Kinder rauslosen. Es ist keine Überraschung. Auch im vergangenen Jahr wollten deutlich mehr Kinder an die Schule als es Plätze gibt. Die meisten Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz dürfen nur 112 Kinder aufnehmen. Gibt es mehr Anmeldungen, entscheidet das Los. Das ist gesetzlich geregelt. „124 Schüler haben sich angemeldet, 90 Prozent können genommen werden“, sagt Schulleiter Jörg Engel auf Anfrage. In diesen Tagen sollen die Briefe an die Familien rausgehen. Es müsse schnell gehen, denn „alle, die abgelehnt sind, müssen sich an einer anderen Schule anmelden“.

Weil in Wörth nicht alle unterkamen, rechnet Melanie Müller, Leiterin der IGS Kandel, noch mit Anmeldungen an ihrer Schule in den nächsten Tagen. Am Mittwoch waren 111 Kinder angemeldet und noch ein Platz frei. „Wir werden diese Woche abwarten, wie sich das entwickelt.“ Wenn es am Ende mehr als 112 Interessenten gibt, könnte es zu einem Losverfahren kommen. „Ich muss mich dann rückversichern, wie wir das korrekt machen“, sagt die IGS-Leiterin. Als es noch keine anderen Gesamtschulen im Kreis gab, sei in Kandel häufiger ausgelost worden. „In den letzten Jahren war das nicht nötig.“ Im Schnitt wollten um die 100 Fünftklässler an die Schule, an der wegen Bauarbeiten jahrelang in Containern unterrichtet wurde. Der Neubau wurde vor wenigen Wochen offiziell übergeben, die Schule gehört nun zu den modernsten im Kreis. Ob die nagelneuen Räume ein Grund für den größeren Zulauf spielen? „Das mag schon sein“, antwortet Melanie Müller. So viel Ansturm wie beim Tag der offenen Tür im November habe es laut Kollegium jedenfalls lange nicht gegeben. Und einige Kinder hätten bei der Anmeldung nicht nur das Fächerangebot gelobt, sondern gesagt, „dass ihnen das Haus so gut gefallen hat“.

Geschwister haben Vorteile

An der IGS in Rülzheim ist das Losverfahren nichts Neues. 127 Kinder wollten diesmal hierher. Absagen wurden bereits verschickt: „Die Eltern wissen schon Bescheid“, sagt der stellvertretende Schulleiter Bernhard Feit. Beim Losverfahren werden bestimmte Kriterien berücksichtigt: Schüler aus dem Kreis Germersheim haben Vorrang. Auch ob ein Geschwisterkind schon an der Schule ist, fließe mit ein. „Für Eltern spielt es eine ganz große Rolle, dass ihre Kinder nicht in zwei verschiedene Richtungen fahren müssen“, so Feit. Wohnortnähe sei allerdings kein Kriterium.

Die IGS Wörth orientiert sich ebenfalls an diesen beiden Aufnahmekriterien. Wie die Auslosung ablaufen muss, regelt die übergreifende Schulordnung des Landes: Die Schule muss einen Ausschuss aus Lehrern und mindestens einem Vertreter des Elternbeirats bilden. In Wörth waren es drei Elternvertreter, berichtet Jörg Engel. Im Losverfahren wird nach drei Leistungsgruppen differenziert, damit stärkere und schwächere Schüler angemessen berücksichtigt werden. Aufgrund der gymnasialen Oberstufe an IGSen werden Kindern mit besseren Noten von der Anzahl her höhere Chancen bei der Auslosung eingeräumt. Sie dürfen aber maximal die Hälfte aller Fünftklässler ausmachen. Ausschlaggebend für die Gruppenzuteilung ist die Notensumme der Fächer Mathematik, Deutsch und Sachunterricht der Viertklässler zum Halbjahr.

Täglich kommen Nachzügler

„Wir sind nicht voll“, sagt Ingo Lücking, stellvertretender Leiter der IGS Rheinzabern. Täglich kommen aktuell fünf, sechs neue Anmeldungen. Darunter seien Kinder, die an anderen Schulen abgelehnt wurden, aber auch Nachzügler, die es zuvor nicht woanders probiert hatten. Genaue Zahlen lägen deshalb noch nicht vor. „Wir bewegen uns auf dem Niveau des Vorjahres“, so Lücking. Da wurden letztlich 71 Fünftklässler eingeschult. Drei Klassen können wohl auch diesmal gebildet werden. Und diese hätten bis dato auch noch Platz für Kinder, die während des Schuljahrs, besonders in der Jahrgangsstufe 6, an die IGS Rheinzabern wechseln. Das sind laut Lücking nicht wenige: Fast jede Stufe wachse im Lauf der Zeit um 20 Schüler.

Großen Zulauf haben wieder die beiden Gymnasien im Landkreis – wobei das Europa-Gymnasium Wörth diesmal keine sieben Klassen wie im Vorjahr bilden muss. Das wäre, so hatte Schulleiter Holger Hauptmann im November gegenüber der RHEINPFALZ angegeben, wegen der Raumproblematik wohl auch sehr schwierig geworden. Das EGW ist nicht auf eine dauerhafte Siebenzügigkeit ausgerichtet. „Wir nutzen die Raumkapazitäten komplett aus und bilden sechs Klassen, die vollständig bis auf den letzten Platz belegt sind“, teilt Hauptmann mit. Es sei möglich gewesen, „gerade so alle Kinder aufzunehmen“. Bei den Anmeldungen seien mit allen Eltern und Kindern Gespräche geführt worden.

Sechs Klassen am Goethe

„Bevölkerungszuwachs in den Gemeinden merkt man auch in den Schulen“, sagt Martin Stein, Konrektor am Goethe-Gymnasium Germersheim. Das Interesse künftiger Fünftklässler sei nochmal größer geworden. „Alle, die die Voraussetzungen für die Schule erfüllen, können wir aufnehmen“, so Stein. Es würden aber auch Schüler, die diese nicht erfüllen, an die Realschule geschickt. „Wir können sechs Klassen anbieten“, sagt Stein. Um die 160 Anmeldungen liegen derzeit vor. Und täglich kommen auch hier noch neue im Sekretariat dazu – darunter Kinder, die in Landau abgelehnt wurden. Hier haben am Eduard-Spranger-Gymnasium, an der Maria-Ward-Schule und der Montessori-Schule nicht alle einen Platz ergattert.

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