Winden
Mysteriöses Bauwerk am Bahndamm: Es sollte ein Stellwerk werden
Jahrzehntelang war es kaum sichtbar, zugewachsen und vergessen. Doch seitdem die Deutsche Bahn 2021 am Bahndamm zwischen Winden und Landau Rodungsarbeiten durchführen ließ, ist es plötzlich wieder da: ein massives, rohbetoniertes Bauwerk, das wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkt. Und es wirft Fragen auf. Wer hat es gebaut? Wozu diente es? Und warum wurde es nie fertiggestellt?
Zunächst war die Deutsche Bahn selbst keine Hilfe. Auf Anfrage der RHEINPFALZ hieß es, dass keine aussagekräftigen Unterlagen vorhanden seien. Doch ein Leseraufruf brachte zahlreiche (Hobby-)Historiker und -Historikerinnen auf den Plan. Dutzende Theorien kursierten: von einer Verladestation für Schüttgut bis hin zur Flugabwehrstellung oder einem Relikt des Westwallbaus. Einzig an schriftlichen Belegen mangelte es. So konnte auch Ortsbürgermeister Stefan Moschko (CDU) keine Unterlagen in den Ortchroniken dazu finden. Doch nun scheint sich das Rätsel endlich zu klären.
Fund im Generallandesarchiv
Christoph Roland Foos aus Winden hat sich auf eigene Faust auf die Suche nach Antworten gemacht. Im Generallandesarchiv Karlsruhe wurde er fündig. Dort liegen Original-Planunterlagen aus den Jahren 1937 bis 1942, die das geheimnisvolle Bauwerk eindeutig als Teil eines umfangreichen Umbaus des Bahnhofs Winden identifizieren. An exakt der Stelle, an der heute die Ruine steht, war in den Plänen ein Stellwerk vorgesehen als Ersatz für das bestehende Bauwerk aus dem Jahr 1899.
Die Pläne zeigten eine massive Erweiterung der Gleisanlagen, umfangreiche Grundstückskäufe sind dokumentiert. Der Bau des neuen Stellwerksfundaments war offenbar bereits begonnen worden, dann jedoch durch den Fortgang des Zweiten Weltkriegs gestoppt.
Nie fertiggestellt
Nach dem Kriegsende wurde das Projekt jedoch nie fertiggestellt. Stattdessen blieb die bestehende Stellwerk-Ruine bis heute stehen. In den alten Bauplänen sind Details zu erkennen: Der Betonsockel war als Unterbau konzipiert, auf den später das eigentliche Stellwerksgebäude hätte gebaut werden sollen. Die Ausführung war vermutlich bewusst massiv, da der Bahndamm in diesem Bereich gleichzeitig verbreitert werden sollte.
Parallel zur regionalen Debatte, ausgelöst durch zwei Artikel in der RHEINPFALZ, wurde über das mysteriöse Bauwerk auch im Online-Forum von Open Street Map (OSM) diskutiert. Ein User hatte auf einer Karte den Bau als „Füllrumpf“ eingetragen, ein Begriff aus der Bahntechnik für Verladeeinrichtungen von Schüttgut wie Kies oder Kohle. Diese Bezeichnung stützte sich laut Einträgen im Forum auf Aussagen älterer Ortsbewohner und -bewohnerinnen und sorgte in der Folge für rege Diskussion.
Inzwischen ist jedoch klar: Für eine Schüttgutverladung fehlt es an bestimmten baulichen Merkmalen. Die Bezeichnung „Füllrumpf“ ist mittlerweile auch aus der Online-Karte verschwunden.