Pfälzerwald / Familie
Lost Place: Stellwerk-Skelett gibt weiter Rätsel auf
Ein Leser hatte die Sache ins Rollen gebracht: Er wandte sich an die RHEINPFALZ-Redaktion und fragte, was es mit der auffälligen Ruine am Bahndamm auf sich habe. Tatsächlich ist fast allen Redaktionsmitgliedern das besagte Bauwerk bekannt – versteckt liegt es schließlich nicht. Die erste naheliegende Vermutung: Die Bahn könnte weiterhelfen. Auf eine entsprechende Presseanfrage folgt jedoch Ernüchterung: Es liegen keine Unterlagen oder verlässlichen Informationen zu dem Bauwerk vor. Also fragen wir doch mal unsere Leserinnen und Leser – und siehe da: Eine wahre Flut von E-Mails, Anrufen und Hinweisen über Instagram geht ein.
Viele kennen das Bauwerk – und sind fasziniert davon. Als „Entladestation für Kies und Schotter“ beschreibt es ein Leser, als „ehemalige Verlade- beziehungsweise Abladestation der Deutschen Bahn“ ein anderer. Auf einer Karte im Internet sei der Ort mit „Füllrumpf“ gekennzeichnet, ein Hinweis auf das Verladen von Schüttgut. Doch es gibt auch andere Theorien: Es könne sich um Überreste einer früheren Bekohlungsanlage für Dampflokomotiven handeln, mutmaßt ein Schreiber. Auch die Vermutung, es handele sich um ein Relikt aus dem Bergbau, taucht auf.
Flugabwehr oder Streugut-Silo?
Häufig wird ein Zusammenhang mit dem nahegelegenen Westwallbau vermutet. Vielleicht sei es ein „Wasserspeicher“, ein „Umschlagsilo für Streugut“ oder diente dazu, „Kohle auf Transporter umzuladen“. Möglich sei auch eine „Flugabwehrstellung aus dem Zweiten Weltkrieg, um den Bahnhof vor feindlichen Tieffliegerangriffen zu schützen“. Spannende Theorien gibt es viele, doch die meisten Zuschriften und Gespräche deuten in eine Richtung: Es handelt sich um ein Stellwerk, das nie fertig gebaut wurde. Diese Version wird laut Aussagen aus dem Ort schon seit Jahrzehnten in Winden erzählt. Eine Tafel mit Informationen direkt vor Ort oder eine Internetseite mit Hintergrundwissen wäre für interessierte Passanten sicherlich hilfreich, so die Anregung eines RHEINPFALZ-Lesers, der schon häufig an dem Betonskelett vorbeigekommen ist.
Doch was sollte darauf stehen? Es fehlt an jeglichen schriftlichen Dokumenten oder handfesten Quellen zu dem „Lost Place“-Bauwerk. Weder in Unterlagen wie der Ortschronik, im Heimatmuseum oder in alten Ratsprotokollen wird man fündig. „Soweit ich weiß, muss es sich um einen begonnenen Stellwerksbau aus dem Dritten Reich handeln“, fasst Windens Ortsbürgermeister Stefan Moschko (CDU) zusammen. Der Bau sei wohl im Laufe des Krieges eingestellt worden, so zumindest die mündlichen Überlieferungen.
