KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Mit neuer Führung ins 110. Jahr

Der Betrieb läuft weiter (von links): Bianca Nuß, Andrea Frank, Daniel Scherrer, Rosel Butscher und Ulrich Butscher.
Der Betrieb läuft weiter (von links): Bianca Nuß, Andrea Frank, Daniel Scherrer, Rosel Butscher und Ulrich Butscher.

Der Chef hört auf, doch die Firma Butscher Haustechnik wird es weiter geben. Ein langjähriger Mitarbeiter übernimmt die Nachfolge als Geschäftsführer. Für die Belegschaft ändert sich nichts.

Nach 47 Arbeitsjahren will Ulrich Butscher zum Jahresende in Rente gehen. Doch seine Firma, die Ulrich Butscher Haustechnik in Kandel, wird es weiter geben. Dafür hat der zweifache Handwerksmeister gesorgt. Zwar gibt es innerhalb der Familie, Butscher hat zwei erwachsene Töchter, die in anderen Branchen ihre „Traumberufe“ gefunden haben, keinen Nachfolger. Sein langjährige Mitarbeiter Daniel Scherrer wird Geschäftsführer in der neu gegründeten „Butscher Haustechnik GmbH“.

Mit Sören Reuther aus Offenbach steigt in diese ein weiterer Investor ein. Ihm gehört auch die Firma Sören Reuther (Beiner Heizungs- und Lüftungsbau) in Offenbach. Während sich Reuther vor allem um den Standort in Offenbach kümmern wird, übernimmt Daniel Scherrer die Geschäftsführung in Kandel.

Nichts ändern wird sich für die bisherigen Mitarbeiter von Butscher Haustechnik. Alle werden übernommen zu den bisherigen Konditionen, wie uns Ulrich Butscher in einem Gespräch mit DER RHEINPFALZ versichert. Auch die Jahre der Betriebszugehörigkeit werden voll angerechnet, da gebe es keine Abstriche. Kürzlich habe er in einer Betriebsversammlung die zukünftige Strategie und Unternehmensgestaltung erläutert. Auch alle Verträge mit den Kunden und Zulieferern laufen weiter. Fahrzeugpark, Inventar und das Logo von Butscher bleiben gleich, ebenso der Standort in der Marktstraße 11 bis 13. Allerdings mietet die neue GmbH das Firmengelände von ihm, sagt Butscher.

Großvater gründet Firma 1911

Seit 1985 hat er den traditionsreichen Kandeler Handwerksbetrieb geführt. In dritter Generation übrigens. Angefangen hatte alles schon 1911 mit dem Spenglermeister Karl Butscher. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg dessen Sohn Ottmar in die damalige „Flaschnerei“ ein. Dazu kam die Gas- und Wasserinstallation. Nach seiner Ausbildung in einem anderen Betrieb und einigen Jahren, in denen er viel Erfahrung auch im Ausland sammeln konnte, übernahm 1985 dann Ulrich Butscher die Firma.

Er hatte sich zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer ausbilden lassen, so hieß der Beruf früher. Bald legte er die Meisterprüfung ab, und auch als Gas- und Wasserinstallateur erwarb er den Meistertitel. Schließlich, so sagt er heute, wollen die meisten Bauherren die Gewerke gemeinsam vergeben. Und auch für die Ausbildung des Nachwuchses war dies ganz wichtig. Insgesamt, so Ulrich Butscher, hätten sicher rund 50 junge Menschen in seinem Unternehmen eine Berufsausbildung erfahren und ihren Weg gemacht.

Firma kerngesund

Der staatlich geprüfte Techniker in der Fachrichtung Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik ist stolz darauf, eine nach seinen Worten „kerngesunde“ Firma in die Hände seiner Nachfolger übergeben zu können. Schon längere Zeit habe er mit dem Gedanken gespielt, so der heute 63-jährige, der mit Sören Reuther einen Investor gefunden hat, der bereits einen eigenen Haustechnik-Betrieb führt. Und den er natürlich ebenso wenig im Regen stehen lassen möchte wie seinen bisherigen Mitarbeiter Daniel Scherrer. Der habe nicht nur bei Butscher gelernt und einige Jahre als Geselle gearbeitet, ehe er vor einiger Zeit bereits seine Meisterprüfung ablegte. Und wenn er helfen könne, dann sei er gerne zur Stelle, so Ulrich Butscher.

Mehr Zeit für Frau und Harley

Er geht mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ in die Rente. Schließlich habe man viel Herzblut in das renommierte Kandeler Unternehmen investiert und sei so gut aufgestellt, dass die Aufträge schon ins Jahr 2022 gesichert seien. Nicht zu sprechen von den vielen Wartungsverträgen, die alle übernommen werden. Ulrich Butscher freut sich aber auch, zusammen mit seiner Frau Rosel die jetzt gewonnenen Freizeit nutzen zu können. Beide wandern gerne, meist im Pfälzerwald, aber oft auch in Österreich. Der begeisterte Fasenachter ist Mitglied im Elferrat der BiKaGe.

Seine Augen leuchten, wenn er von den Ausfahrten mit „seiner“ Harley-Davidson schwärmt. Das ging bisher nur spätabends oder sonntags, ansonsten ging der Betrieb ja immer vor. Mit einer, allerdings vor Ort gemieteten, Maschine dieses Typs habe er schon die amerikanische Westküste bereist bis hinunter nach Mexiko, sei über die Golden-Gate-Bridge gefahren und schon 2010 über die berühmte „Route 66“ gerauscht.

Sowieso sei er begeisterter USA-Fan, verständlich auch, weil eine seiner Töchter längere Zeit dort gelebt habe. Leider seien auch seine Reisepläne für 2020 ins Wasser gefallen, und ins Flugzeug steige er erst wieder, wenn dort keine Masken mehr getragen werden müssen. Mehr Zeit für sich und seine Frau gewinnen und weniger Verantwortung tragen müssen, das ist die Hoffnung von Ulrich Butscher, der einen erfolgreichen und renommierten Kandeler Handwerksbetrieb nicht einfach schließt. Er ist vielmehr davon überzeugt, dass die Butscher Haustechnik GmbH mit den beiden Geschäftsführern eine gute Zukunft haben wird. Denn gute Handwerker seien gegenwärtig so gefragt wie nie!

Ulrich Butscher geht in Rente. Sein Nachfolger macht weiter.
Ulrich Butscher geht in Rente. Sein Nachfolger macht weiter.
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