Wörth
Migrationsbeirat organisiert Martinsfest
Am Freitagabend erinnern Kinder in vielen Orten mit Laternenumzügen an den römischen Soldaten und späteren Bischof, der seinen Mantel teilte und einen Bettler vor dem Erfrieren rettete. Seit einigen Jahren ploppt bundesweit hier und da die Diskussion auf, am 11. November statt „Sankt Martin“ ein „Lichterfest“ oder ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ zu feiern. Man fürchtet ansonsten nicht-christliche Kinder und familien mit Migrationshintergrund auszugrenzen. Für Nebihe Tacioglu-Allert gibt es an dem Namen nichts zu rütteln: „Hinter dem Fest steht eine Geschichte und das ist nun mal die von Sankt Martin“, sagt sie. Tacioglu-Allert ist Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration (BMI), den es in Wörth seit einem Jahr gibt.
„Sankt Martin bleibt Sankt Martin und Weihnachten bleibt Weihnachten – in meiner Welt. So wurde ich erzogen.“ Ihre Familie stammt aus Antiochia in der Türkei, sie ist in der Nähe von Freiburg aufgewachsen und lebt seit acht Jahren in Wörth. Integration bedeute nicht, alles vollständig verinnerlichen zu müssen, aber offen für alles zu sein. Ihre Aufgabe als Vorsitzende des Migrationsbeirats sieht sie darin, in der Gesellschaft zu wirken und Menschen zusammenzubringen – auch bei dem morgigen Fest. „Martin hat nicht als Christ geteilt, sondern als Mensch“, sagt die zweifache Mutter. „Ich denke nicht in Schubladen. Was ich mache, ist immer für alle.“ In identitätspolitischen Debatten gehe es häufig um Ablehnung statt um das Miteinander, bedauert Nebihe Tacioglu-Allert. „Wir leben hier alle gemeinsam, wir teilen unseren Alltag und sollten auch das Fest gemeinsam feiern - so wie es heißt.“
Der Heilige Martin ist ein Botschafter der Solidarität und Nächstenliebe. Teilen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, Hilfsbedürftige zu unterstützen ist für die Organisatorin der Wörther Feier der Grundgedanke des Tags. Deshalb steht ein Spendenbus der städtischen Tafel im Bürgerpark, wo die Umzüge der Kitas mit verschiedenen Wegstrecken enden. Hier können Winterkleider, gut erhaltene Spielsachen haltbare Lebensmittel abgegeben werden. Dringend benötigt würden auch Windeln und Hygieneartikel für Frauen.
Es ist das erste Mal, dass vier Kindergärten ein gemeinsames Fest im Park feiern. Zuvor hatten die Kitas ihre Feiern im Alleingang organisiert. „Ich komme aus dem Markgräflerland und kenne es nur so, dass die Kitas gemeinsam zum Festplatz oder in die Kirche laufen“, erzählt die 37-Jährige. „Das hat mir gefehlt hier.“ Ihre beiden Kinder besuchen selbst noch die Kita und sie kennt die aktuell großen Personalnöte der Einrichtungen. So sei die Idee für das gemeinsame Fest entstanden. Um die Kitas zu entlasten und damit die Stadt zusammenrückt. „Wörth braucht das gerade“, meint Tacioglu-Allert auch im Hinblick auf die zurückliegenden zwei Corona-Jahre. Mehrere Vereine und kirchliche Gruppen sind in die Bewirtung eingespannt, und das Deutsche Rote Kreuz parkt einen Krankentransportwagen vor Ort, um Einblick in seine Arbeit zu geben. Bürgermeister Dennis Nitsche liest die Martinsgeschichte, die eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung mit ihrem Sohn szenisch umsetzen.
Info
Die Laternenumzüge der Kindergärten Don Bosco, Amadeus, Oberlin und Friedenskita beginnen um 17 Uhr. Gegen 17.30 Uhr treffen sich alle zum bewirteten Fest im Bürgerpark. Die Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration organisiert es in Kooperation mit der Partnerschaft Demokratie und Leben und der Stadtverwaltung. Es werden Martinslieder gesungen und Pfarrer Walter Riegel begleitet mit seiner Band.