Leimersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Messdiener: Mädchen dürfen an den Altar

In anderen Pfarrgemeinden im Bistum sind Mädchen längst Ministrantinnen.
In anderen Pfarrgemeinden im Bistum sind Mädchen längst Ministrantinnen.

In Leimersheim konnten bislang nur Jungs Messdiener werden. Das ist bistumsweit einzigartig. Bald sollen auch Mädchen den Altardienst übernehmen. Die Entscheidung von oben hatte die jungen Leute vor den Kopf gestoßen. Denn sie waren mitten in einem Findungsprozess, wie es mit der kirchlichen Jugendarbeit im Dorf weitergeht.

Die Diskussion darüber, ob Mädchen Ministranten werden sollen, sei im Dorf immer mal wieder aufgeflammt, erzählt Noah Danner (23). „Das Thema beschäftigt uns schon länger als ich Messdiener bin.“ Die Pfarrgemeinde St. Gertrud ist die letzte im Bistum Speyer, in der es nur männliche Messdiener gibt. Mit knapp 40 jugendlichen und jungen Erwachsenen gehört sie trotzdem zu den größeren Ministrantengruppen innerhalb der Diözese.

Schon 2003 haben Mädchen im Ort als Gegenbewegung eine eigene Jugendgruppe gegründet: Die Bunten Fische (Bufis) bereiten Gottesdienste vor, halten Gruppenstunden und übernehmen andere liturgische Aufgaben, aber eben nicht den Dienst am Altar. „Wir sind nicht verfeindet“, betont Dominique Pfadt. Viele Veranstaltungen gestalten beide Gruppen jetzt schon gemeinsam – das Sternsingen beispielsweise, Ferienlager oder Fronleichnam. „Es ist ein Nebeneinander“, sagt die 20-Jährige aus dem Leiterkreis der Bufis. „Jetzt rücken wir ein bisschen enger zusammen.“

Mädchen und Jungs werden künftig den Altardienst gemeinsam übernehmen.
Mädchen und Jungs werden künftig den Altardienst gemeinsam übernehmen.

Anfang des Jahres habe Pfarrer Michael Kolb den Pfarreirat darüber informiert, dass künftig in Leimersheim auch Mädchen Messdiener werden können. Diese Entscheidung habe die Jugendgruppen vor den Kopf gestoßen, sagen die Vertreter unisono. Denn die Jungs und Mädchen hatten ein Jahr zuvor selbst einen Prozess über die Zukunft der christlichen Jugendarbeit angestoßen. Gleichstellung spielte eine wichtige Rolle. „Nach dem ersten Treffen war klar, dass wir Mädchen dienen wollen“, sagt Paula Rihm (17). Das kontroverse Thema, das jahrelang immer wieder „beiseite“ geschoben wurde, wurde endlich angepackt. Es gab mehrere moderierte Treffen, die jungen Gläubigen wähnten sich auf gutem Weg.

Druck von Eltern und aus Speyer

„Es darf Mädchen in der heutigen Zeit nicht mehr verwehrt werden, am Altar zu dienen“, sagt die Pastoralreferentin Annika Bär, die stellvertretend für die Pfarreileitung spricht. Dem Pfarreirat brenne das Messdiener-Thema ebenfalls schon länger auf den Nägeln. In den anderen drei Gemeinden der Pfarrei sind Mädchen längst Ministranten. Zunehmend mehr Eltern hätten gefragt, warum ihre Töchter in Leimersheim nicht dienen dürfen. Auch das Bistum habe die Pfarrei aufgefordert, sich zu positionieren. „Man hat keinen Fortschritt gesehen“, meint Bär im Hinblick auf den Prozess der Jugendlichen. Das Ziel sei nicht klar erkennbar gewesen. Das Problem sieht sie aber vor allem in der Kommunikation der Beteiligten miteinander: „Es wurden Fehler gemacht, weil wir nicht genügend im Austausch waren.“ Die Stimmung sei gekippt, weil die Entscheidung nicht gemeinsam getroffen wurde. Letztlich habe sie aber wie ein „Dynamo“ gewirkt und die Umbrüche beschleunigt.

„Die Entscheidung war in unserem Sinn“, sagt Paula Rihm. „Aber wir hätten es gern von uns heraus geschafft.“ Auch die Messdiener hadern nicht damit, dass künftig Mädchen neben ihnen stehen. „Für mich war klar, dass in den nächsten Jahren eine Gleichstellung von Mädchen und Jungen am Altar kommen wird“, sagt Oberministrant Nils Kuhn (17). Am Ende sei eine Lösung gefunden worden: „Wir können unser geschlechtsspezifisches Angebot halten und gemeinsam Altardienst machen.“ Beide Gruppen nehmen weiterhin am dörflichen Leben teil, beide halten an speziellen Angeboten für Mädchen und Jungs unterschiedlichen Alters, etwa Gruppenstunden, fest. Vielleicht sei es die Angst davor gewesen, beide Gruppen zu vermischen, gewachsene Strukturen und Schutzräume zu zerstören, weshalb die Jungs so lange unter sich geblieben sind, vermuten die Bufi-Frauen.

Die Jugendgruppen engagieren sich im dörflichen Leben, hier eine Lichtershow in der Kirche der Messdiener.
Die Jugendgruppen engagieren sich im dörflichen Leben, hier eine Lichtershow in der Kirche der Messdiener.

Noah Danner klingt beinahe erleichtert: „Der Außendruck ist jetzt weg“, sagt der 23-Jährige. In zahllosen Diskussionen über die ausschließlich männlichen Messdiener in Leimersheim sei er immer in der Rechtfertigungsposition gewesen, gerade bei überpfarreilichen Treffen. „Ich glaube, dass wir gut zusammenarbeiten können“, sagt er über den gemeinsamen Altardienst.

Aufnahmefeier im November

Nun beginnt die Anlernphase für die Mädchen. Im November ist die Aufnahmefeier für die neuen Messdiener und Messdienerinnen. 15 Mädchen und junge Frauen wollen mitmachen. Auch Dominique Pfadt will Messdienerin werden. Schon nach der dritten Klasse, nach der Kommunion, sei das ihr Wunsch gewesen. „Der Dienst für Gott, so unbegreiflich das für viele ist, so selbstverständlich ist es für mich. Aus meiner Überzeugung, aus meinem Glauben heraus“, sagt die 20-Jährige.

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