Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Augenhöhe

Messsdiener bereiten in der katholischen Kirche die Liturgie vor.
Messsdiener bereiten in der katholischen Kirche die Liturgie vor.

Mädchen dürfen dienen. Die Entscheidung ist richtig. Der Weg dahin war heikel.

Die Leimersheimer Messdiener sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Mädchen kamen da nicht rein. Das klingt für woke Ohren erstmal rückständig. Andere Gemeinden im Bistum Speyer machen beim Ministrantendienst längst keinen Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern. Es ist aber nicht die einzige Besonderheit: In vielen Dörfern bekommt man Messdiener nur in der Kirche oder beim Austragen des Pfarrbriefs zu Gesicht. In Leimersheim sind sie im Dorfleben präsent. Sie treffen sich zu Gruppenstunden, stellen Kino-Nächte und Lichtshows auf die Beine, nehmen an Fasching und Festen teil. Vergangenes Jahr haben die Messdiener den Jugend-Engagement-Preis Rheinland-Pfalz gewonnen. Alles falsch gemacht, scheinen sie bisher nicht zu haben.

Sie sind eine große Gruppe mit starkem Zusammenhalt, in der die jungen Neuen von vielen Älteren profitieren und aus der Männerfreundschaften hervorgehen. Das Konzept hat Erfolg, es ist ein Generationenvertrag. Umso verständlicher sind Ängste vor Veränderung.

Den Altar müssen sich die Jungs künftig mit Mädchen teilen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum das anders sein sollte. Die Entscheidung war überreif. Beide christliche Jugendgruppen im Ort führten Gespräche über die Gleichstellung, wollten sich auf Umbrüche vorbereiten, es behutsam angehen. Das zeigt, wie emotionsgeladen und wie wichtig ihnen das Thema ist. Irgendwann musste die Entscheidung getroffen werden. Das letzte Wort hatte der Pfarrer, es ist sein gutes Recht. Weitere Gespräche mit den jungen Leuten wären allerdings geschickter gewesen, als sie mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren. In der Kommunikation gab es wohl Versäumnisse auf allen Seiten.

Unterm Strich können alle mit dem Ergebnis zufrieden sein. Die Messdiener sind zeitgemäß aufgestellt. Jungen und Mädchen begegnen sich auf Augenhöhe. Die Jugendgruppen werden nicht auseinandergerissen und haben weiterhin Angebote, wo Jungs und Mädchen unter sich bleiben können. Auch das ist wertvoll.

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