Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Kardex-Produkte „Made in Bellem“ sollen auf Weltmarkt

In der Ausstellungshalle konnten die fertigen Lagersysteme, die Shuttles besichtigt werden, die vor Ort beim Kunden bis zu 30 Me
In der Ausstellungshalle konnten die fertigen Lagersysteme, die Shuttles besichtigt werden, die vor Ort beim Kunden bis zu 30 Meter hoch sind.

Bei der Feier des 75. Jubiläums des Schweizer Herstellers intelligenter Lagersysteme an seinem südpfälzischen Standort gab es viel Positives zu hören. Etwa dass der Standort mit Millioneninvestitionen weiter gestärkt werden soll.

Das Bellheimer Metallwerk, das seit 15 Jahren unter Kardex Produktion Deutschland GmbH firmiert, ist schon deutlich länger im Bierdorf präsent als die 75 Jahre, die am Samstag mit einem großen Fest mit buntem Programm für Mitarbeiter, deren Angehörige, Geschäftspartner und Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Werksgelände gefeiert wurde. Die Anfänge reichen laut Standortleiter Frank Hornberger zurück bis ins Jahr 1880. Damals habe die Annweiler Unternehmerfamilie Ullrich beschlossen, in Bellheim eine Fabrik zur Herstellung von Blechwaren und dem Emaillieren von Blechen zu bauen. Bereits 1910 seien am Standort über 300 Menschen in Lohn und Brot gewesen und es sei ein Umsatz von über drei Millionen Mark erwirtschaftet worden.

Schon viel investiert

Mittlerweile zähle das Werk mit über 80.000 Quadratmetern Fläche für Produktion und Logistik 460 Beschäftigte inklusive Azubis und erwirtschafte einen Nettoumsatz von über 100 Millionen Euro pro Jahr. In den vergangenen neun Jahren sei das Werk mit hohen Investitionssummen modernisiert worden, sagte Hornberger. Demnach ist 2014 die Lackieranlage auf umweltfreundlichen Pulverlack umgestellt und zwei Jahre später unter anderem ein Biegezentrum in der Kleinteil-Fertigung angeschafft sowie in das erste Salvagnini-Stanzbiegezentrum für die Tablar-Fertigung investiert worden. Tablare sind die Regalböden aus Blech, die in die von Kardex Remstar in Bellheim produzierten intelligenten Lagersysteme eingebaut werden. Die Tablare lassen sich dank moderner Technik von oben nach unten, aber auch seitlich in den sogenannten Shuttles bewegen. Diese sind laut Hornberger nach wie vor die Cash-Cows, die Geldbringer, das Hauptprodukt der Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich in der Schweiz. 2018 sei dann in die roboterunterstützte Punktschweißzelle für die Herstellung der Lagerwinkelplatten investiert worden. Im Folgejahr sei das zweite Salvagnini-Stanzbiegezentrum für die Tablar-Fertigung mit erweiterter Lötzelle gekauft worden.

Aktuell wird in ein neues Versandzentrum mit Büroflächen in einer Größenordnung von über zehn Millionen Euro investiert, sagte Hornberger. Nach erheblichen Startschwierigkeiten und Behördenauflagen habe der Bau erst mit einer zweijährigen Verzögerung Anfang diesen Jahres begonnen werden können. „Die Arbeiten liegen aktuell im Plan und die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2024 vorgesehen.“

Standort soll wachsen

Nach Hornbergers Rückblick auf die Firmengeschichte (ein ausführlicher Bericht folgt) und seinen Ausführungen zur Gegenwart trat der neue, seit Juni amtierende Vorstandsvorsitzende der Kardex AG, Jens Hardenacke, ans Mikrofon auf der in einem großen Zelt hinter dem Werkstor aufgebauten Bühne. Er sprach über die Zukunft des Werks, und die soll, da es eines der wichtigsten in der Gruppe sei, rosig sein. Kardex ist Teil einer Industrie, „die wächst und weiter wachsen wird“, zeigte sich der CEO optimistisch. Deshalb investiere Kardex sehr viel, derzeit gegen den allgemeinen Trend.

Hardenacke machte aber auch deutlich, dass die Unternehmen in Asien und den USA, wo er in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen Führungserfahrungen gesammelt hat, viel Unterstützung erfahren würden. Weshalb sich manche fragten, warum sie in Europa beziehungsweise Deutschland investieren sollen. Zwar wolle Kardex mit seinen insgesamt über 2000 Beschäftigten hier investieren und „auch Bellheim soll wachsen“, aber dazu werde Hilfe benötigt. „In den nächsten Tagen werden wir dazu vertiefende Gespräche führen“, sagte er an die Vertreter der Politik gewandt. Vor ihm saßen Verteidigungsstaatssekretär Thomas Hitschler (SPD), Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart und Landrat Fritz Brechtel (beide CDU) sowie Bellheims Verbands- und Ortsbürgermeister Gerald Job und Paul Gärtner (beide FWG).

Kampf um Platz Eins

Der ebenfalls aus der Schweiz angereiste Divisionsleiter von Kardex Remstar, Urs Siegenthaler, wies darauf hin, dass zwei Drittel der Wertschöpfung des Unternehmens in Bellheim erzielt würden. Der Mittelständler sei weltweit in mehr als 30 Ländern tätig. „Wir sind nicht mehr überall die Nummer Eins, wollen uns aber zurückkämpfen.“

Betriebsratsvorsitzender Hans Glang erinnerte unter dem Beifall der Zuhörer daran, dass es „die Einsatzbereitschaft gerade dieser Mitarbeiter ist, der es zu verdanken ist, dass das Unternehmen so erfolgreich ist“. Die Mitarbeiter seien motiviert, seien stolz auf das Unternehmen und gingen gern in „ihre“ Kardex. Er machte keinen Hehl aus seiner Freude über den angekündigten Ausbau des Standorts.

Kurzen Draht zur Verwaltung nutzen

Landrat Brechtel betonte, dass die Kommunen weiter bestrebt sind, mit Kardex gut zusammenzuarbeiten, gerne auch über den „kurzen Draht“. Dennoch könne manches dauern, da Abstimmungen mit anderen Behörden zu treffen seien. In den vergangenen Jahrzehnten sei die Bürokratie gewachsen, „die es einzudämmen gilt. Und wenn dann auch noch die Energie wieder günstiger wird...“

Bürgermeister Job sagte, er sei stolz darauf, dass Produkte „Made in Bellem“ international vertreten sind. Dem Standortleiter Hornberger attestierte er, viele Ideen zu haben, die er verwirklichen möchte. Er, Job, „sehe ein Projekt, das mehr ins Verkehrsministerium geht. Da werden wir unsere Kontakte zu Andy Becht nutzen“. Becht (FDP) ist Staatsekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Mainz.

Umbauen und verdichten

Am Rande des von der Band Monosonic mit rockigen Klängen musikalisch begleiteten Festakts war zu erfahren, dass Kardex sich weiterhin einen direkten Anschluss an die unweit des Werksgeländes verlaufende Südumgehung wünscht. Zumal das Werk ausgebaut werden soll, was möglicherweise mehr Lkw-Verkehr mit sich bringt. Es war von einer Kapazitätsausweitung um 1000 Maschinen pro Jahr die Rede, derzeit würden rund 4000 produziert, und einer neuen Technikhalle. Das könnte Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro nach sich ziehen. Da der Platz auf dem nur schwer erweiterbaren Gelände knapp sei, gelte es umzubauen, zu verdichten und die Effizienz zu steigern. Zudem sollen, wie schon länger geplant, die Werkszufahrt verändert und der Parkplatz davor neu angelegt werden.

Antwort auf Energiefrage gesucht

Beim Werksrundgang war zu hören, dass Kardex mit seinem großen Energiebedarf die gestiegenen Kosten sorgen. Momentan werde noch viel Gas eingesetzt. In der Schweiz gebe es derzeit schon Infrarot-Lösungen, was angesichts der hohen Strompreise zwar noch nicht wirtschaftlich sei, aber in Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien eine Option für die Zukunft.

Auf die hohen Energiekosten angesprochen, sagte Divisionsleiter Siegenthaler, dass es gut wäre, wenn es in der Nähe ein Unternehmen mit viel Abwärme gäbe, an das man sich anschließen könnte, um sie zu nutzen. „Da sind in Bellheim zwei Projekte am Anlaufen“, sagte Ortsbürgermeister Gärtner, woraufhin Siegenthaler erwiderte: „Her damit!“

Nach dem Rundgang durch die Werkshallen hatten die Mitarbeiter ihren Angehörigen noch einiges zu erzählen.
Nach dem Rundgang durch die Werkshallen hatten die Mitarbeiter ihren Angehörigen noch einiges zu erzählen.
Vor dem Einbau in die Lagersysteme müssen Bleche in Form gebracht werden.
Vor dem Einbau in die Lagersysteme müssen Bleche in Form gebracht werden.
Eine neue Biegeblechanlage.
Eine neue Biegeblechanlage.
Gespannt lauschen die Gäste den Erklärungen der Kardex-Mitarbeiter zu Maschinen und Produktionsabläufen.
Gespannt lauschen die Gäste den Erklärungen der Kardex-Mitarbeiter zu Maschinen und Produktionsabläufen.
Auf dem Weg in die Lackieranlage. Die schweren Bleche werden von Hand mit viel Muskelkraft am Transportband auf- und abgehängt.
Auf dem Weg in die Lackieranlage. Die schweren Bleche werden von Hand mit viel Muskelkraft am Transportband auf- und abgehängt.
Durchschnittlich neun dieser mehrere Meter langen Holzkisten werden benötigt, um eine Maschine zu verpacken.
Durchschnittlich neun dieser mehrere Meter langen Holzkisten werden benötigt, um eine Maschine zu verpacken.
Standortleiter Frank Hornberger gab einen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Kardex in Bellheim.
Standortleiter Frank Hornberger gab einen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Kardex in Bellheim.
Besuch aus der Schweiz: Zum 75. Jubiläum von Kardex in Bellheim kam auch der neue Vorstandsvorsitzende Jens Hardenacke (Mitte).
Besuch aus der Schweiz: Zum 75. Jubiläum von Kardex in Bellheim kam auch der neue Vorstandsvorsitzende Jens Hardenacke (Mitte).
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