Bellheim
Kardex investiert in Werkserweiterung
Vor einigen Wochen haben die Arbeiten zur Erweiterung des Kardex-Remstar-Werkes in Bellheims Süden begonnen. Das Ausmaß der neuen Halle mit einer Grundfläche von 6000 Quadratmetern wird mit jedem Tag, an dem gearbeitet wird, deutlicher. Wenn sie Ende dieses Jahres fertig sein wird, soll sie laut Produktionsleiter Frank Hornberger als Zwischenlager vor dem Versand dienen. Die intelligenten Lagersysteme, die in Bellheim für den Weltmarkt hergestellt würden, seien drei bis dreißig Meter hoch und bestünden aus bis zu zehn Teilen, die nicht alle gleichzeitig fertig würden. Bis dies soweit sei und ausgeliefert werden könne, würden sie zwischengelagert.
Zuvor habe es in den Produktionshallen für diesen Zweck mehrere Flächen gegeben. Die neue Halle, für deren Bau das Werksgelände um 12.600 Quadratmeter nach Süden erweitert wurde, biete nun die Möglichkeit, besagte Flächen darin zu konzentrieren und so mehr Platz für die Produktion zu schaffen. Darüber hinaus könnten in der Folge die Abläufe bei der Materialbereitstellung und in der Produktion optimiert werden.
Zehn-Millionen-Investition
Vor der neuen Halle soll laut Hornberger ein zweistöckiges Gebäude gebaut werden. In dessen Erdgeschoss sollen der Versand mit Laderampen Platz finden, die Qualitätssicherung und die Disposition. Im Obergeschoss sollen Büros für 20, 30 Leute eingerichtet werden, die zuvor ihre Arbeitsplätze in den Produktionshallen hatten. Die Investitionssumme für die neue Halle samt Bürotrakt betrage rund zehn Millionen Euro.
Insgesamt seien bei Bellheims größtem Arbeitgeber und der dazugehörenden Außenstelle in Rülzheim, hier sitzen die EDV-Spezialisten, derzeit 375 Menschen beschäftigt. Eigentlich sollten es rund 400 Leute sein. Für die offenen Stellen werden derzeit Mitarbeiter gesucht, sagte Hornberger.
Die Geschäfte im Werk Bellheim, dem größten von Kardex Remstar in Deutschland, laufen seit Jahren gut, die Auftragsbücher waren auch in der Corona-Zeit voll. Pro Woche würden derzeit 80 „Shuttle“ genannte Lagersysteme gebaut und von Bellheim in alle Welt geschickt. Die Preisspanne reiche, je nach Größe, von etwa 50.000 bis rund 200.000 Euro pro Maschine, sagte Hornberger.
Hoffen auf Anbindung an Südumgehung
Bauliche Veränderungen soll es auch an der Werkszufahrt in der Nähe des Bellheimer Bahnhofs geben. Welche und wann sei derzeit aber noch unklar. „Es werden verschiedene Optionen mit der Gemeinde und dem Landesbetrieb Mobilität diskutiert“, sagte Hornberger. Er macht keinen Hehl daraus, dass Kardex nach wie vor den vom Landesbetrieb bis dato abschlägig beschiedenen Wunsch nach einer eigenen Anbindung an die vor wenigen Wochen fertiggestellte Südumgehung hegt.
Vor einigen Jahren bereits hatte der Gemeinderat einen Geländetausch mit Kardex beschlossen. Der sollte es zum einen der Gemeinde ermöglichen, die Park-&-Ride-Anlage am Bahnhof zu erweitern. Zum anderen sollte Kardex seine Werkszufahrt umgestalten können, damit es weniger Probleme mit Rückstaus durch den Lkw-Verkehr zum Werk gibt. Aus diesem Grund gab es im vergangenen Sommer auch Diskussionen darüber, ob die Einfahrt von der Haupt- in die Bahnhofstraße aufgeweitet werden muss. Hintergrund war ein Schreiben des Eisenbahnbundesamtes an die Gemeinde, wonach es unter anderem durch zur Kardex abbiegende Lastwagen immer wieder zu Rückstaus auf den Bahnübergang nahe der Einmündung zur Bahnhofstraße kommt.
Mehr Umsatz, weniger Gewinn
Kardex-Remstar gehört zur Schweizer Kardex-Gruppe mit Sitz in Zürich. Zur Gruppe gehört nach Unternehmensangaben die ebenfalls unternehmerisch geführte Division Kardex Mlog. Kardex sei ein in über 30 Ländern weltweit agierender Industrie-Partner für Intralogistik-Lösungen und ein führender Anbieter von automatisierten Lagerlösungen und Materialflusssystemen. Die Zahl der Beschäftigten liege in der Gruppe bei 2100. Kardex Remstar entwickelt, produziert und unterhält nach eigenen Angaben dynamische Lager- und Bereitstellungssysteme und Kardex Mlog integrierte Materialflusssysteme und automatische Hochregallager. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 565,6 Millionen Euro, nach 455,5 Millionen Euro im Jahr zuvor.
Weil der Markt in den USA seit Jahren überproportional wachse, habe Kardex-Remstar in West Columbia im Bundesstaat South Carolina inzwischen ein eigenes Werk. Die Höhe der Investition dort beziffert Pressesprecher Edwin van der Geest auf rund 20 Millionen Euro. In West Columbia produzierten rund 50 Leute pro Woche etwa 20 Maschinen. Die Mitarbeiterzahl soll längerfristig auf 70, 80 steigen.
Gruppe hat neuen Chef
Inzwischen hat die Kardex Holding AG einen neuen Chef. Der Verwaltungsrat hat Jens Hardenacke zum neuen CEO ernannt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Demnach wird der promovierte Volkswirt (Jahrgang 1971) am 1. Juni zum Unternehmen stoßen. Hardenacke sei in den vergangenen sechs Jahren für den Intralogistik-Konzern Dematic tätig gewesen. Nicht nur hier, sondern auch bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister, habe er reichlich Führungserfahrungen gesammelt, insbesondere als Managing Director in Südost-Asien und in den USA – den Wachstumsmärkten der Kardex. Hardenackes Vorgänger, Jens Fankhänel, hat sich Ende Februar nach knapp sieben Jahren von der Spitze der Kardex-Gruppe verabschiedet und einen neuen Job in einer anderen Branche angenommen.