Kreis Germersheim
Kliniken sind nicht insolvenzgefährdet
Diese Woche haben sich Bund und Länder auf eine Krankenhausreform geeinigt. Noch sind viele Details offen, aber schon jetzt ist klar: Die Krankenhauslandschaft in Deutschland wird sich verändern. Was bedeutet das für die beiden Standorte im Kreis? „Wir haben uns vor sechs Jahren auf den Weg gemacht und sind jetzt ein Vorzeigemodell“, zeigt sich Geschäftsführer Frank Lambert mit Blick auf die Kliniken in Kandel und Germersheim zuversichtlich. Als er 2017 die Leitung der Häuser übernahm, habe er festgestellt, „wir müssen was verändern, sonst würde das nicht mehr funktionieren“. Er sei dankbar, dass die Mitarbeiter das so mit umgesetzt hätten.
Seitdem wurden die beiden Häuser komplett umstrukturiert. Für die Akut- und Notfallversorgung ist jetzt die Kandeler Klinik zuständig, für die spezielle Versorgung die Klinik in Germersheim. Dort wird nur noch ambulant operiert. Außerdem sind dort die Fachabteilungen für Neurologie mit dem Fokus auf Frührehabilitation, die Orthopädie sowie die Psychosomatik angesiedelt
Medizinische Versorgungszentren für Fachbereiche
Da in der Fläche die Versorgung oft kaum noch gewährleistet sei, glaube er, dass Krankenhäuser einen ambulanten Zugang bräuchte, sagt Lambert. „Damit würde man den Kassenärzten nichts abnehmen.“ Allerdings tue sich Deutschland damit schwer. Dafür gibt es inzwischen eine pragmatische Lösung: Inzwischen wurden an beiden Standorten sogenannte medizinische Versorgungszentren (MVZ) gegründet. Diese sind jeweils eine 100-prozentige Tochter der Südpfalzkliniken. Seit 2020 wurden von diesen MVZ verschiedene Kassensitze gekauft und eingerichtet. An die Kandeler Klinik wurden so je eine Praxis für Kardiologie, Neurologie, sowie für Urologie angedockt, in Germersheim eine Hausarztpraxis. Diese Praxen würden gut nachgefragt, sagt Lambert.
Gemäß der neuen Reform sollen die einzelnen Krankenhäuser Versorgungsstufen, den sogenannten Leveln zugeordnet werden. Die Länder entscheiden dann, wie die Kliniklandschaft im jeweiligen Bundesland aussehen soll und welche Häuser noch welche Angebote vorhalten sollen. „Es wäre verrückt, bestehende, gut funktionierende Strukturen in Frage zu stellen“, sagt Lambert.
Im Konzernverbund hilft man sich gegenseitig
Ein Krankenhausrating habe ergeben, dass 80 Prozent der Kliniken mit einem Defizit abschließen werden. „Ein hoher Anteil der Häuser sei insolvenzgefährdet, das System ist unterfinanziert“, lautet die Diagnose des Geschäftsführers. Und merkt auf Nachfrage klar an: Die Krankenhäuser in Kandel und Germersheim, die Teil der privaten Asklepios-Gruppe sind, gehören nicht dazu. Woran liegt das? „Die Länder kommen ihren Investitionsverpflichtungen nicht nach“, lautet die Einschätzung von Lambert. „Da helfen wir uns im Konzernverbund gegenseitig, wir sind investitionsfähiger.“
Außerdem werden stetig Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutiert. „Da haben wir ein anderes Setting, dazu ist ein kleines Krankenhaus gar nicht in der Lage.“ Der Geschäftsführer geht davon aus, dass in Zukunft auch das zur Verfügung stehende Personal darüber entscheiden wird, wer am Markt bleibt und wer nicht. Entsprechend hat man bei den Südpfalzkliniken in den vergangenen Jahren fleißig nach neuen Mitarbeitenden gesucht. Innerhalb von drei Jahren seien 118 Pflegekräfte netto dazu gekommen, sagt Lambert. Außerdem gingen im kommenden Jahr etwa 30 Azubis in die Prüfung. In Summe haben die beiden Kliniken damit 275 Vollzeitkräfte im Bereich der Pflege. Diese sind auch notwendig, denn Abteilungen wie die Frührehabilitation in Germersheim sind besonders pflegeintensiv.
Aber zurück zur Krankenhausreform. Die Kliniken seien nicht in die Gespräche der Regierungskommission eingebunden gewesen, kritisiert Lambert. Auch habe es keine Auswirkungsanalyse gegeben. Diese sei später von der Krankenhausgesellschaft nachgelegt worden. Das Ergebnis: Derzeit gibt es zirka 1700 Kliniken in Deutschland. 600 bis 700 Krankenhäuser gebe es den neuen Vorgaben zufolge nach der Reform nicht mehr, zitiert Lambert aus der Studie. Dabei sei doch klar: „Die Bereinigung geht nur mit den Kliniken.“