Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Klinik-Brand: Angeklagter schweigt bei Prozessbeginn

Bei dem Brand an der Klinik in Kandel drang das Feuer vor bis in die Bereiche der Intensivstation.
Bei dem Brand an der Klinik in Kandel drang das Feuer vor bis in die Bereiche der Intensivstation.

Ein 42-jähriger Mann soll um die Jahreswende Brände auf dem Klinikgelände in Kandel und Bad Bergzabern gelegt haben. Jetzt hat der Prozess begonnen. Infolge seiner langjährigen Drogenabhängigkeit gilt der Angeklagte als vermindert schuldfähig.

Am 29. Dezember 2021 soll der Angeklagte auf dem Parkplatz des Krankenhauses in Bad Bergzabern ein Auto in Brand gesetzt haben. Drei Tage später, am 1. Januar 2022, soll er im rückwärtigen Außenbereich der Notaufnahme der Asklepios-Klinik in Kandel ein Feuer gelegt haben. Das Fahrzeug in Bad Bergzabern konnte zwar gelöscht werden, doch entstand ein wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von etwa 20.000 Euro.

Bei dem Brand an der Klinik in Kandel drang das Feuer vor bis in die Bereiche der Intensivstation. Durch die giftigen Dämpfe und die Rauchgasausbreitung erlitten eine Reihe von Patienten Vergiftungen. Die Versorgung von fünf Patienten an Beatmungsgeräten konnte nur gesichert werden, da die Rettungskräfte nach dem brandbedingten Druckabfall ein Ersatzgerät für die Druckluft installieren konnten. Drei Operationssäle konnten mehrere Tage lang nicht benutzt werden, es entstand ein Sachschaden von rund 400.000 Euro.

In den Fängen von Drogen und Alkohol

Der Verteidiger des Angeklagten sagte zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Landau, sein Mandant mache von seinem Recht Gebrauch, zunächst keinerlei Angaben machen zu wollen, weder zu seinen persönlichen Verhältnissen noch zu den Taten an sich. Um sich ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten machen zu können, verlas der Vorsitzende Richter dann Angaben, die der Mann bei vorhergehenden Verfahren und Aussagen gemacht hatte: Demnach wuchs er weit entfernt von der Bundesrepublik auf, in die er 2001 mit seiner Mutter und zwei Geschwistern einreiste. Zunächst fand er hier Arbeit in seinem in der Heimat erlernten Beruf. Doch bald schon geriet er in die Fänge von Alkohol und Drogen, in Zusammenhang damit wurde er immer häufiger straffällig. Zweimal wurde er von Gerichten zur Unterbringung in einer Entziehungsklinik verurteilt. Beide Angebote scheiterten, da der Mann sich geweigert habe, an der Therapie aktiv mitzuarbeiten. In beiden Kliniken habe er sich verschlossen, wenig kooperativ und häufig aggressiv gegenüber Personal und Mitpatienten gezeigt.

Von den behandelnden Ärzten wurde eine chronische Abhängigkeit von verschiedenen Suchtmitteln diagnostiziert, von Alkohol über Cannabis, Aufputschmitteln, Psychopharmaka und Heroin. Weiterhin wurde bei ihm mittlerweile auch eine durch den Drogenkonsum hervorgerufene paranoide Schizophrenie festgestellt, er leidet an akustischen Halluzinationen und gilt als suizidgefährdet.

Das Gutachten des Brand-Sachverständigen ließ keinerlei Zweifel offen, dass das Feuer unter dem in Bad Bergzabern in Flammen aufgegangenen Auto eines diensthabenden Arztes absichtlich gelegt worden war. Die Spurenlage habe eindeutig gezeigt, dass es sich um keinen technischen Defekt gehandelt hatte, der den Brand ausgelöst haben könnte.

Darüber hinaus soll eine Zeugin einen Mann beobachtet haben, der sich kurz nach Ausbruch des Feuers vom Tatort entfernt hatte. Die Polizei hatte dann zunächst einen Mann festgenommen, der aber nachweislich nicht der Täter war. Die Verhandlung wird am Freitag, 8. Juli, fortgesetzt.

Der Schaden wird bei Gericht mit rund 400.000 Euro angegeben.
Der Schaden wird bei Gericht mit rund 400.000 Euro angegeben.
Das Auto des Arztes in Bad Bergzabern brannte aus.
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