Südpfalz
Keine Trauer um die Winterferien
13 Wochen liegen zwischen Weihnachten und Ostern. Ein Blick auf den Ferienkalender in Rheinland-Pfalz zeigt: In der zweiten Jahreshälfte gibt es deutlich mehr freie Tage. Brauchen Lehrer und Schüler eine Verschnaufpause? „Man kann jammern, man kann es auch lassen“, sagt Jörg Engel, Leiter der Carl-Benz-Gesamtschule Wörth. Er empfindet den Zeitraum nicht übermäßig lang, zumal an den meisten Schulen an Fasnacht unterrichtsfrei war. „Bei uns ist das kein Thema hier“, so Engel. „Es ist einfach so. Wenn Ostern früher wäre, hätte keiner geklagt.“ Das Fest wird immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Das kann schon Ende März oder erst Ende April sein.
Ostern war die Richtschnur, nach der die Ferien ab 2019 neu sortiert wurden: Wenn das Fest spät ist, sollte es eine Woche Winterferien geben. Ist das Fest früh, gibt es stattdessen – wie dieses und noch nächstes Jahr – Pfingstferien. Dafür wurden Weihnachts- und Osterferien gekürzt. Es gibt seither mehr, aber kürzere Ferien und die Abstände dazwischen sind kleiner. Das Land hatte damals dem Wunsch von Eltern entsprochen. Ab dem Schuljahr 2024/25 wird alles wieder rückgängig gemacht. Winter- und Pfingstferien fallen weg, an Weihnachten und Ostern sollen die Schüler mindestens zwei Wochen frei haben. Das habe sich die Mehrheit von Eltern, Lehrern und Schülern gewünscht, heißt es. Mehr als 50 Gremien seien gehört worden.
Straffer Lehrplan
Schülervertreter im Kreis Germersheim halten die Entscheidung des Bildungsministeriums für richtig. Wenn viele Pausen das Halbjahr unterbrechen, sei das nicht unbedingt von Vorteil, meinen die Oberstufenschülerin Rebecca Lavant und ihr Kollege im Vorstand der Kreis-Schülervertretung, David Kreca. Man komme in einen Lernrhythmus rein und werde bald wieder rausgerissen. Lehrer müssten Unterrichtsstoff wiederholen. „Sie haben ja auch einen straffen Lehrplan“, sagt Berufsschüler David Kreca, der eine Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement macht. Die Rückkehr zur alten Ferienregel komme Schülern und Lehrern zugute.
Besonders die Winterferien im Februar, die von Familien gern zum Skifahren genutzt werden, lagen aus Sicht der beiden Schüler ungünstig: Das zweite Schulhalbjahr ist erst wenige Tage alt, da komme schon wieder ein Bruch. Und unter den kurzen Weihnachtsferien – sie waren diesmal am 2. Januar vorbei – litten auch die Abiturienten, die sich auf die schriftlichen Prüfungen im Januar vorbereiten. „Die hatten eine Woche weniger Zeit zu lernen“, sagt Rebecca Lavant, die die zwölfte Klasse der IGS Rülzheim besucht. Für berufstätige Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen, seien weniger, aber längere Ferien einfacher zu managen als viele kurze, meint sie. Die beiden Schülervertreter machen einen Vorschlag, um Kindern und Jugendlichen unabhängig von Ferienterminen Druck zu nehmen: Das Land könnte darüber nachdenken, den Notenschluss nach hinten zu verschieben.
Knackiges Halbjahr
Aus Sicht von Rebecca Lavant war das erste Schulhalbjahr deutlich problematischer als das aktuelle mit der langen Phase bis Ostern. Die Sommerferien gingen bis in den September, und die Herbstferien waren wegen Allerheiligen länger als sonst. „Das Halbjahr war sehr kurz und knackig“, sagt die Oberstufenschülerin, die die IGS Rülzheim besucht. Sowohl Schüler als auch Lehrer hätten Druck verspürt. Kaum waren die Weihnachtsferien vorbei, war Notenschluss. Ein Oberstufenschüler müsse je nach Fächerkombination mindestens 13 Kursarbeiten im Halbjahr schreiben. Die kommen dann geballt. „Das hat mich sehr gestresst und andere auch“, erzählt die Schülersprecherin. „Krankheit war da schon Luxus.“
Zugunsten von längeren Weihnachts- und Osterferien werde – so nimmt es Pete Allmann, Leiter des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern wahr – der Entfall der Winterferien gern in Kauf genommen, auch dass die Faschingszäsur „not- und guttut“. Es würde ihn wundern, wenn das in anderen Schulen anders gesehen werde.
