Kreis Germersheim
Kein Notarzt mehr ab dem Nachmittag
Was seit annähernd 17 Jahren funktionierte, wird nun geändert. Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) des Deutschen Roten Kreuzes in Germersheim wird ab 1. März nur noch von morgens 7.30 bis 16 Uhr besetzt sein. Danach ist der Notarzt in Kandel für den ganzen Landkreis zuständig. Eigentlich ist das nichts Neues, zumindest im 14-tägigen Rhythmus. Denn seit 2003 ist das NEF mit seiner 24-Stunden-Besatzung eine Woche an der Asklepiosklinik in Kandel stationiert, in der anderen Woche an der Germersheimer Klinik, sagt Jürgen See, Geschäftsführer der Rettungsleitstelle Südpfalz in Kandel. Das NEF, das nur tagsüber besetzt sei, sei dann am jeweiligen anderen Standort gewesen. Auf Nachfrage fügt See an: „Wir waren in die Entscheidung nicht involviert, wir wurden nur informiert.“
Den Antrag auf Abzug des 24-Stunden-NEF aus Germersheim stellte Asklepios-Geschäftsführer Frank Lambert im Juli 2020, wie die zuständige Rettungsdienstbehörde bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz (Pirmasens) mitteilt. Bei einem Abstimmungsgespräch haben sich allen Beteiligten auf einen Probebetrieb vor einer endgültigen Umstellung des Systems geeinigt. Dieser soll ab diesen März für die Dauer eines weiteren Jahres durchgeführt werden. „Nach seinem Ablauf sollen alle maßgeblichen Daten zur Versorgungslage nochmals eingehend validiert werden“, heißt es seitens der Rettungsdienstbehörde.
Während der ersten Coronawelle war das 24-Stunden-NEF bereits nur in Kandel stationiert gewesen, sagte Lambert auf Anfrage. Es habe der besseren Versorgung der Patienten mit Herzinfarkt und Schlaganfall gedient, da diese in der Kandeler Klinik versorgt werden. „Wenn diese Symptome vorliegen, fährt der Notarzt meist sowieso weiter nach Kandel“, erklärt der Geschäftsführer, der zuständig für beide Asklepios-Südpfalzkliniken im Landkreis Germersheim ist. Einen finanziellen Vorteil gebe es für die Klinik mit der Umstrukturierung nicht, da die Fahrzeuge und Besatzungen gleich blieben. Nur eben am anderen Ort. Es habe einfach medizinische Vorteile.
Finanziert werden die NEF über die Kassenärztliche Vereinigung. Es gibt Lambert zufolge einen Sockelbetrag und Geld für die Einsatzfahrten, doch reicht das aus seiner Sicht eigentlich nicht aus. Nachteile für die Bewohner des nördlichen Landkreises sieht Lambert nicht. Schließlich sei es die gleiche Situation, wie wenn das 24-Stunden-NEF während seiner bisherigen Rotation in Kandel stationiert sei. Welcher Notarzt zu welchem Patienten fahre, entscheide die Rettungsleitstelle Südpfalz in Landau.
Landeplätze sind hinterlegt
Die Rettungsleitstelle in Landau koordiniert für die Landkreise Germersheim, Südliche Weinstraße und Südwestpfalz sowie den Städten Landau, Pirmasens und Zweibrücken die Rettungsfahrten. Bereits jetzt schon wird Jürgen See zufolge der am nächsten gelegene Notarztwagen alarmiert. „Wir nutzen dazu unser Geosystem“, sagt See. Darin hinterlegt seien sämtliche verfügbaren Notärzte und Fahrzeuge sowie die Rettungshubschrauber. Die NEFs fahren nur zu „intensiven Einsätzen raus“, so See weiter. Wenn die Notärzte in Germersheim oder Kandel durch Einsätze gebunden seien, werden NEFs aus Landau oder Speyer alarmiert. Das komme vor allem auch nachts im nördlichen Landkreis Germersheim vor. Auch der Rettungshubschrauber sei – wenn alle NEFs im Einsatz sind – bereits mehrmals im Einsatz gewesen. Im Geosystem seien alle Landeplätze für diesen zu jedem Ort hinterlegt.
Im Rettungsdienstbereich Südpfalz stehen nach Angaben der Pirmasenser Behörde neun NEFs an folgenden acht Standorten bereit: Zweibrücken (1), Pirmasens (2), Dahn (1), Rodalben (1), Bad Bergzabern (1), Landau (1), Kandel (1) und Germersheim (1). Die Standorte Zweibrücken, Pirmasens, Dahn, Rodalben, Bad Bergzabern und Landau stellen eine 24h-Versorgung sieben Tage die Woche (24/7) sicher. Am Standort Pirmasens stellt das DRK den Tagdienst und der ASB den Nachtdienst sicher. Betreffend der Standorte Kandel und Germersheim erfolgte in der Vergangenheit im wöchentlichen Wechsel jeweils von einem Standort aus eine 24/7-Versorgung. Am andere Standort der Bereitschaftsdienst tagsüber. Die Versorgung der Wochenenden erfolgt über den Standort, der jeweils den Nachtdienst sicherstellt.
Laut der Homepage der Asklepiosklinik werden pro Jahr durch die NEFs rund 2000 Patienten versorgt. Im Bereich Germersheim gab es im Jahr 2019 930 Einsätze, im vergangenen Jahr bis Ende November rund 850, nennt See Zahlen. Etwas mehr Einsätze sind es im südlichen Landkreis. Laut Rettungsleitstelle waren es 2019 1100 und im Corona-Jahr – wieder bis Ende November – 1200. Die Pirmasenser Rettungsdienstbehörde sagt, dass im 4. Quartal des abgelaufenen Jahres im gesamten Bereich der Rettungsleitstelle (Ost- und Westpfalz) etwa 2290 Einsatzstunden von den Notärzten geleistet wurden.