Kreis Germersheim Jazzliebhaber pilgern nach Kandel

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Mehr als 150 ausgestellte Gitarren, deren Gesamtwert im sechsstelligen Bereich angesiedelt ist, ließen am Samstag in der Kandeler Stadthalle die Herzen von Jazz-Enthusiasten aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland höherschlagen.

Erstmals seit 2012 fand damit, auf Initiative des ortsansässigen Musikers Jochen Gümbel und dessen Firma „jazz & more“, in Zusammenarbeit mit Freunden und Kollegen und in Kooperation mit dem „Jazzclub Wörth“, wieder ein sogenanntes „Archtop-Forum“ statt. Diese Veranstaltung wird von Herstellern, Händlern und Musikern gleichermaßen als das bedeutendste Jazzgitarren-Meeting der Republik angesehen. Archtop-Gitarren sind – banal und vereinfacht ausgedrückt – Jazzgitarren mit gewölbter Decke und hohlem Corpus, deren Konstruktionsweise aus dem Geigenbau übernommen wurde. 25 Aussteller aus Italien, Spanien, Österreich, der Schweiz und natürlich Deutschland stellten in Kandel ihre Produkte vor und boten sie zum Kauf an. Daneben gab es für Interessierte gleichzeitig die Möglichkeit an Workshops teilzunehmen, bei denen namhafte Szenegrößen, darunter der Gitarrist des Palastorchesters von Max Raabe, Uli Hoffmeier, der Düsseldorfer ex-Gitarrist der Rockgruppe „Gomorrha“, Ali Claudi, und der aus Minfeld stammende Musikpädagoge Sebastian Köhn, über Themen wie „Der eigene Ausdruck in der Gitarrensprache“ oder „Von Lagerfeuermusik zum Jazzakkord“, dozierten. Rund 70 Gitarristen ergriffen die Gelegenheit unter Führung dieser Lehrgangsleiter ihre Fertigkeiten auszubauen und zu verbessern. Forumsbesucher durften sich auch über zahlreiche Endorser-Präsentationen, eine offene Jam-Session und eine „Regional Jazzguitar Summit“, bestritten von fünf bekannten Gitarristen, die alle in einem Umkreis von höchstens 150 Kilometern um Kandel herum wohnen – darunter der Neustadter Christian Eckert und der Stuttgarter Lorenzo Petrocca – freuen. Zum Höhepunkt des Archtop-Tages wurde das Abschlusskonzert am Abend, für das der US-amerikanische Gitarrist Joshua Breakstone gewonnen werden konnte, der sich von dem Bassisten Markus Bodenseh begleiten ließ. Die zirka 150 Besucher - etwa 90 bleiben bis zum Abschlusskonzert – waren von dem Forum begeistert. Zupfinstrumentenbaumeister Torsten Preuß (Markneukirchen) freute sich zum Beispiel besonders darüber hier ältere Kontakte pflegen und neue knüpfen zu können. Er hatte acht Gitarren mitgebracht, von denen manche traditionell, andere wiederum regelrecht avantgardistisch anmuteten. „Die meisten meiner Archtops haben einen Ahorncorpus und eine Fichtendecke“, erklärte Preuß, „für den Bau einer herkömmlichen klassischen Konzertgitarre benötige ich ungefähr achtzig Stunden.“ Für seine hochwertigen Jazzgitarren, die er nach historischen oder eigenen Entwürfen oder als Remake herstellt, setzt er „zwischen ein- und dreihundert Stunden“ an. Rüdiger Bolt (Heidelberg) war mit seinem Sohn nach Kandel gekommen. „Nach einer so tollen Schau wie dieser muss man, speziell in Deutschland, lange suchen“, erzählte er. Ihn freue es besonders, dass hier auch kleine Manufakturen die Chance haben sich zu präsentieren. Dies trage hoffentlich dazu bei, die Handwerkskunst vor dem Aussterben zu bewahren. „Eine Veranstaltung wie diese, sollte man künftig mindestens einmal im Jahr in der Gegend aufziehen.“

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