Kreis Germersheim Jagd und Tempolimit gegen Wildunfälle

Kreis Germersheim: Die Straßen durch den Bienwald sind naturgemäß die gefährlichsten in Sachen Wildunfälle. Jagd soll die Anzahl der Wildtiere in Grenzen halten und damit das Unfallrisiko verringern. Raser erhöhen ihr Wildunfallrisiko um ein Vielfaches.
Wegen der großen Waldflächen in unserer Region gibt es auch immer wieder viele Wildunfälle. Laut Unfallstatistik der Polizeiinspektion Wörth gab es 2015 308 Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und anderen Wildtieren. Die Zahl ist leicht gesunken. Das sei der verstärkten Jagd zu verdanken, so das zuständige Forstamt. Die meisten Wildunfälle (34) hat es an der K 15 zwischen Schaidt und Langenberg gegeben. Das ist das Revier von Matthias Reis, der seit März für den Wald zwischen Kandel, Wörth und Jockgrim zuständig ist (wir berichteten). „Wenn es viele Wildunfälle gibt, liegt das natürlich einerseits am Wild“, sagt Reis. Andererseits hat er beobachtet, dass sich „niemand“ an die dort geltende Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 Stundenkilometern hält. Wenn er hier unterwegs sei, werde er „oft mit 150 Sachen aus der dritten Reihe überholt.“ Ein Problem seien auch die noch immer dort stehenden Zäune des ehemaligen Militärgeländes, die das Wild in Richtung Straße zwängen. Der Zaun solle zwar baldmöglichst abgebaut werden, was wegen der stabilen Bauweise aber sehr arbeitsintensiv und teuer sei. Zusätzlich locke das saftige Gras der Randstreifen das Wild an die Straße. Um es von dort fernzuhalten, aber auch um es besser jagen zu können, hat bereits Reis’ Vorgänger Jagdschneisen im Wald angelegt. Hier hat Reis jetzt Gräser und Klee gesät, damit das Wild zukünftig im Wald äst, statt am Straßenrand. „Es gibt nicht unbedingt zu viel Wild“, sagt Reis, aber es sei Aufgabe der Jagd, für einen den Verhältnissen angepassten Wildbestand zu sorgen. Dabei müssen auch die Anforderungen der Verkehrsinfrastruktur, der Forst- und Landwirtschaft sowie des Umweltschutzes beachtet werden. „Man kommt um die Jagd nicht herum“, betont Johannes Becker vom Forstamt Bienwald. Zum Beispiel seien Wildtiere wie Fuchs, Kaninchen oder Schwein, die sich leicht reproduzierten, anfällig für Krankheiten, sobald der Bestand zu groß werde. Becker erinnert an die Schweinepest in den 90er-Jahren, mit der dann auch Tierhalter in der Region schwer zu kämpfen hatten. Wichtig sei die Jagd auch zum Schutz der Artenvielfalt im Bienwald. „Zum Beispiel verfügt die Eiche über die größte Biodiversität an Pilzen und Insekten, aber gerade sie wird vom Reh stark angefressen.“ Nicht zuletzt sei die Jagd eine willkommene Einnahmequelle für das Forstamt. Im Jahr werden etwa 500 bis 600 Rehe sowie 3000 bis 4000 Wildschweine an die örtliche Gastronomie abgegeben, die dann schon nicht auf importiertes Wildbret angewiesen sei. Da kämen etwa 40.000 bis 50.000 Euro zusammen, rechnet Reis vor. „Dem stehen aber natürlich noch Kosten gegenüber.“ Im Vergleich zu den Jahren 2009 und 2010 (je 354 Wildunfälle) sei man hier auf einem guten Weg, meint Reis. In den vergangenen zehn Jahren seien die Abschusszahlen enorm gestiegen, sagt Reis. Er verweist nochmals auf die Jagdschneisen. Dort seien auch zahlreiche Hochsitze errichtet worden. Gejagt werde einmal vom Förster selbst und darüber hinaus von „mithelfenden Jägern“, die gegen Arbeitsleistung, etwa beim Bau der Hochsitze, jagen dürfen. Gejagt werde indessen nicht unentwegt, sagt Reis, „sondern in Intervallen“. Es gebe auch während der gesetzlichen Jagdzeit immer wieder Ruhezeiten, besonders während die Tiere ihre Jungen aufziehen. Auch die klassischen Treibjagden, bei denen das Wild durch Lärm aufgescheucht wird, gibt es nicht mehr. Vor der Jagdsaison müssen die Jäger auf den Schießstand, um ihre Zielsicherheit zu trainieren. Das Wild solle durch das Jagen so wenig wie möglich unter Stress gesetzt werden. Denn wenn der Jagddruck zu groß werde, verlegten die Tiere ihre Aktivitäten in den Schutz der Dunkelheit oder in die Tiefe des Waldes, was wiederum die Jagd erschwere. Tatsächlich hat sich die Zahl der Wildunfälle bei etwa 310 pro Jahr eingependelt. Nach Angaben des Forstamts Bienwald haben sich die Wildunfälle mit Rehwild etwa an der Landesstraße 545 seit dem Start des neuen Jagdkonzepts in den Jahren 2009 und 2010 mehr als halbiert. Auch beim Schwarzwild gebe es einen signifikanten Rückgang etwa an der Kreisstraße 15. Nur im Jahr 2012 hat es mit insgesamt 385 Wildunfällen noch einmal einen extremen Ausschlag nach oben gegeben. Das lag aber an den Geothermieerkundungstrupps, die das Wild aufgescheucht hatten. (fex)