Kreis Germersheim In den Pausen hautnah bei den Sportlern

Kandel. „Einmal den Großen des Sports ganz nahe sein, einmal ihre Freude nach einem guten, aber auch ihre Enttäuschung nach einem weniger gelungenen Wettkampf hautnah miterleben.“ Welcher junge Sportler hat diesen Wunsch nicht schon mal verspürt? Für Julian Rödel aus Kandel hat sich der Wunsch erfüllt. Bei den Europameisterschaften der Leichtathleten in Zürich war er einer der 2100 Volunteers.
Für den 18 Jahre alten Rödel, der das Europagymnasium in Wörth besucht, ist Leichtathletik die schönste Freizeitbeschäftigung. In der Leichtathletikabteilung des TSV Kandel ist er nicht nur als Sprinter, Mittelstreckler und Weitspringer aktiv, vielmehr trainiert er dort auch die sechs- bis zwölfjährigen Schüler und gehört als Jugendwart zum Abteilungsvorstand. Nachdem er über das Internet erfahren hatte, dass für das sportliche Großereignis Volunteers gesucht werden, bewarb er sich umgehend. Im November 2013 wurde er zu einem „Rekrutierungsverfahren“ nach Zürich eingeladen und erhielt darauf hin zwar eine Zusage, musste aber vor seinem Einsatz noch einige Schulungstermine in Zürich wahrnehmen. Im Mai erfuhr er dann, dass er im „Bereich Medien“ eingesetzt wird. Zusammen mit Kollegen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Großbritannien musste Rödel dort im Copy-Center nicht nur Starter- und Ergebnislisten, Pressemitteilungen, Sportler-Biografien und ähnliches drucken, sondern das Gedruckte auch noch auf den sechs Pressetribünen sowie bei den Fernseh- und Rundfunkteams, aber auch in der Mixzone und bei den Pressekonferenzen verteilen. „Rund 50.000 Kopien sind da an einem Tag über den Tisch gegangen“, so Rödel. Da nimmt es nicht wunder, dass nicht nur die fünf im Copy-Center aufgestellten Hochgeschwindigkeitskopierer sondern auch die Volunteers ständig im Einsatz waren. Da sich im Copy-Center aber jeweils zwei Schichten abwechselten, konnten die Volunteer auch einige Wettkämpfe verfolgen. Und da sich ihre Sitzplätze gleich hinter denen der Fotografen befanden, waren sie wirklich hautnah am Geschehen. So erlebte Rödel den frenetischen Beifall mit dem die Schweizer Zuschauer den Sieg ihres Landsmannes Kariem Hussein im 400–Meter-Hürdenlauf feierten, aber auch die Enttäuschung von Christian Reif beim Weitsprung. Der emotionalste Moment für den jungen Kandeler war jedoch als er sah, wie die Schweizer Staffelläuferinnen ihre Kameradin Mujinga Kambundji trösteten, die beim Start das Staffelholz verloren hatte. Ein ganz tolles Erlebnis war für Rödel aber auch die Eröffnungsfeier und unvergessen bleibt ihm die „Closing Party“ bei der Sportler, Helfer, Betreuer und Volunteers gemeinsam den Abschluss der Meisterschaften feierten. Unvergessen bleibt aber auch, so Rödel im Gespräch mit der RHEINPFALZ, die hervorragende Zusammenarbeit „seiner“ Volunteers, die ihm als Jüngsten der Gruppe ganz besonders imponierte. Wie gut der Zusammenhalt war beweist auch, so Rödel weiter, dass er während der Meisterschaften bei einem Kollegen in der Nähe Zürichs untergebracht war. „Auf jeden Fall hat mir die Zeit als Volunteer nicht nur Spaß gemacht, sondern mir auch viel gebracht und wenn möglich werde ich mich 2016 bei den Europameisterschaften in Amsterdam und bei den Olympischen Spielen in Rio wieder bewerben.“