Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel In Amtsstuben wird’s bald frisch

In den Amtstuben könnte es bald kühl werden. Dass Personal, um somit noch weniger heizen zu müssen, ins Homeoffice geht, hält ei
In den Amtstuben könnte es bald kühl werden. Dass Personal, um somit noch weniger heizen zu müssen, ins Homeoffice geht, hält ein Rathauschef für keine gute Idee. Denn dann müsste dieses verstärkt geheizt werden..

Die Rathäuser drosseln ihren Energieverbrauch. Auf höchstens 19 Grad Raumtemperatur soll in den Büros geheizt werden. Veraltete Gebäudetechnik erschwert allerdings oftmals eine genaue Energiesparsteuerung.

Bürgermeister Dennis Nitsche in Wörth arbeitet derzeit in eine dicke Jacke eingemummelt an seinem Schreibtisch. Bei ihm im Zimmer sind es gerade 17 Grad, ansonsten gelten im Haus 19 Grad maximale Raumtemperatur. „Das ist schon echt frisch“, sagt das Stadtoberhaupt. Auch Wörth leistet seinen Beitrag zum Energiesparen. Die Bundesregierung hat Anfang September den Städten und Gemeinden verordnet, ihren bisherigen Energieverbrauch um 15 Prozent zu senken, und die kommunalen Spitzenverbände haben dem zugestimmt und die Vorgabe entsprechend an die Kommunen weitergeleitet. „Daran halten und orientieren wir uns“, sagt Nitsche. Ein eigenes Einsparziel, wie es etwa Karlsruhe und einige Partnerkommunen auf der rechtsrheinischen Seite sich selbst gesteckt haben, hat sich Wörth nicht gesetzt. „Wir versuchen trotzdem, das Maximum herauszuholen“, ist Nitsche zuversichtlich. Jedoch gibt er zu bedenken, dass sich die tatsächlich eingesparten Energiemengen nur schwer einschätzen lassen. „Wir haben zum Teil sehr veraltete Gebäudetechnik, mit der man gar nicht so präzise steuern kann, wie man es sich wünscht“, so Nitsche: „Da sind wir ans Bauchgefühl gebunden.“

Auch in Germersheim hat das Rathaus – wie überall – beschlossen, kräftig Energie zu sparen. Flure und Abstellräume werden nicht mehr beheizt und in Büros gelten maximal 19 Grad. Es gibt kein Warmwasser auf den Toiletten in Verwaltungsgebäuden wie Stadthaus, Bibliothek, Arrestgebäude oder Weißenburger Tor und die Heizungsanlagen werden technisch optimiert, so dass etwa die Vorlauftemperaturen über Nacht und an Wochenenden abgesenkt werden. Die Schwimmbadtemperatur wurde um zwei Grad verringert. Germersheim schaltet nachts zudem das Licht an Denkmälern ab und hat ein Team mit Energiebeauftragten in allen Abteilungen und Verwaltungsgebäuden eingesetzt. Das Team soll das Umsetzen der Maßnahmen sicherstellen und Mitarbeitende motivieren und informieren. Zur Selbstprüfung der Temperatur wurden Klimakarten ausgeteilt, auf denen Temperatur und Luftfeuchtigkeit angezeigt wird. Im monatlichen Newsletter für Verwaltungsmitarbeitende gibt es Klima-Infos zu Energiethemen, und es gilt generell die „Dienstanweisung Energie“, in der alle Vorgaben fürs effiziente und sparsame Nutzen von Energie enthalten sind. Die Heizanlagen lassen nicht überall eine zentrale Steuerung der einzelnen Raumtemperaturen zu, deshalb müssen viele Heizkörper in den Zimmern jeweils manuell eingestellt werden.

Warmwasserboiler aus

Auch in Kandel hatte Bürgermeister Michael Niedermeier eine Dienstanweisung erlassen, bereits im August, um das Energiesparen möglichst unverzüglich anzugehen. Durchlauferhitzer und Warmwasserboiler wurden abgeschaltet, ebenso die „Effektbeleuchtungen“ öffentlicher Gebäude oder am Rathausbrunnen. Mit Blick auf die Klimaanlagen galten im Spätsommer noch 26 Grad als zumutbare Raumtemperatur. „Mehr runterkühlen muss nicht sein“, sagt Niedermeier. Jetzt im Herbst und Winter gelten auch in Kandel jene 19 Grad. „Mit hydraulischem Abgleich haben wir unsere Heizungsanlagen auf ihre energieeffiziente Laufleistung kontrolliert und eingestellt“, so Niedermeier. Die Haustechnik schaut derweil auch, wo bei der Beleuchtung nochmals durch Einsatz von LED-Lampen Strom gespart werden kann. Dass Personal ins Homeoffice geht, um somit in den Verwaltungsräumen weniger heizen zu müssen, hält Niedermeier für keine gute Idee. „Damit wären die Energiekosten auf die Bediensteten verlagert, weil die ja dann zuhause mehr heizen müssen“, sagt Niedermeier. Ohnehin sind die Ämter der Stadt Kandel zwischen Weihnachten und Neujahr zu. So hält man es auch in Germersheim, was wohl aber mit dem Maßnahmenkatalog des Energiesparens eher weniger zu tun hat.

Tatsächlich summieren sich die Bemühungen. Aber wird es am Ende für die 15-Prozent-Vorgabe reichen? „Das sehen wir erst, wenn wir die Verbrauchs- und Nebenkostenabrechnungen in Händen halten“, sagt Michael Niedermeier für Kandel. Eine Zwischenbilanz kann oder mag er nicht geben.

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