Kandel
Gemeindezentrum soll ökumenisch werden
Messdiener haben keine Räume für Gruppenstunden, Pfarrgremien treffen sich außerhalb von Kandel und das Café findet in der Kirche statt: Die katholische Gemeinde hat seit vier Jahren keine echten Veranstaltungsräume mehr. 2019 hat sie das Pfarrheim an die Stadt verkauft, es wird als Kita genutzt. Möbel und Inventar lagern in einem Container neben der Kirche.
Nur ein paar Schritte weiter steht das protestantische Gemeindezentrum. „Wir haben mehr als genug Räume“, sagt Pfarrer Arne Dembek. „Aber wir können es nur erhalten, wenn wir es gemeinsam mit anderen betreiben und die Kosten teilen.“ Schon jetzt seien Räume unter anderem an die Betreuende Grundschule vermietet. Die Unterhaltskosten seien damit weitgehend gedeckt – noch. Eine energetische Sanierung steht an. Auch die Sanitäranlagen müssen erneuert und Barrierefreiheit hergestellt werden.
Widerstand aus Speyer
Ende 2021 wurde die Idee geboren, ein ökumenisches Gemeindezentrum daraus zu machen. „Für mich war das die Lösung schlechthin“, sagt der katholische Pfarrer Stanislaus Mach. Im Bischöflichen Ordinariat und bei der protestantischen Landeskirche fand das grundsätzlich Anklang. „Sie haben aber ganz bestimmte Vorstellungen, wie es laufen muss“, sagt Dembek – und meint damit hauptsächlich die katholischen Kollegen in Speyer. Das Bistum hätte demnach gerne, dass die katholische Gemeinde sich einmietet. Aus Sicht der Pfarrer und Gremien vor Ort ist das nicht die sinnvollste, geschweige denn die wirtschaftlichste Lösung.
Sie möchten eine gemeinnützige GmbH gründen, in die die Protestanten das Gebäude und die Katholiken Kapital einbringen. Die Rechnung könnte so aussehen: Die katholische Gemeinde steuert rund 500.000 Euro bei. „Wir sind als Kirchenstiftung liquid“, sagt Pfarrer Mach. Ein Teil der Sanierung, die mit 600.000 bis 900.000 Euro veranschlagt ist, wäre damit gestemmt. Die Restkosten müsste die gGmbH, die paritätisch besetzt wäre, über ein Darlehen finanzieren. Dieses wiederum könnte über Mieteinnahmen von Dritten abbezahlt werden. Auch die Grundschule soll Räume in dem ökumenischen Gemeindezentrum behalten.
Verhältnis auf Augenhöhe
„Das Gebäude gehört dann nicht der Kirche, sondern der Gesellschaft“, erläutert Pfarrer Dembek das Modell. Ein Beirat aus Vertretern beider Kirchengemeinden und externen Experten würde die Geschäftsführung beraten und überwachen. Die Landeskirche und das Ordinariat könnten Sitz und Stimme darin haben, schlägt der Pfarrer vor.
Wenn man im anderen Fall von einer Miete, zu ortsüblichen Preisen, von rund 60.000 Euro im Jahr ausgehe, hätten die Katholiken in zehn Jahren eine ähnlich hohe Summe ausgegeben und Kapital gemindert. Ein eigener Neubau sei finanziell nicht zu stemmen, sagt Mach. Abgesehen von der Wirtschaftlichkeit und Vorteilen bei der Kreditaufnahme sei das Gesellschaftermodell, „ein geschwisterliches Verhältnis auf Augenhöhe“, meint Arne Dembek. Es sei „ökonomisch und ökumenisch“. Bei einer Mietlösung gebe es hingegen immer ein Gefälle.
„Unsere Gremien vor Ort tragen unsere Überlegungen voll mit“, so Stanislaus Mach. Die evangelische Kirche der Pfalz sei für alle Varianten offen, ergänzt Arne Dembek. Seitens des Bistums seien bei den jüngsten Gesprächen im Juli Widerstände zu spüren gewesen. Beide Pfarrer hoffen, dass diese bis zum nächsten Treffen ausgeräumt sind. Für die protestantische Kirchengemeinde wird dann nicht mehr Arne Dembek die Verhandlungen führen. Er hat mit seiner Frau zum Oktober das Dekansamt in Speyer angetreten. Die Pfarrstelle in Kandel ist vakant.
Agieren statt Reagieren
„Unser Überleben liegt in der Zusammenarbeit“, sagt Pfarrer Mach über die Zukunft der Kirchen. Auch inhaltlich würden die beiden Konfessionen im ökumenischen Gemeindezentrum bei einigen Aufgaben gerne näher zusammenrücken, etwa in der Jugend- und Seniorenarbeit. In vielen Bereichen reagiere Kirche nur, übt Mach Selbstkritik. „Wir versuchen hier zu agieren und zu gestalten. “ Was fehlt, sei eine klare Position aus Speyer. „Die Mietlösung“, wirft Kollege Dembek zum Schluss ein, „wäre nur sinnvoll, wenn wir sagen, in zehn Jahren gibt es uns nicht mehr.“
