Kreis Germersheim
Güterzüge: Wissing räumt möglichen Ausbau in der Pfalz ein
Die Diskussion um zusätzliche Gleistrassen für den Güterverkehr zwischen Mannheim und Karlsruhe ist so alt wie die Planungsgeschichte des Gotthard-Basistunnels: Sie begann also vor über 30 Jahren. Erste Planungsansätze gab es um 2015, davon war auch die Pfalz betroffen. Seit Mitte November 2020 werden unter dem Namen „Bahnprojekt Mannheim-Karlsruhe“ systematisch alle denkbaren Möglichkeiten untersucht. Anfangs führte ein großer Teil der denkbaren Trassen durch die Südpfalz, über Landau, Herxheim und Germersheim/Wörth.
Anfangs rund 50 Varianten
Von den anfangs rund 50 Varianten blieben nach einer Voruntersuchung noch 20 übrig. Darunter auch eine Trasse entlang der B9 durch den Kreis Germersheim. Tangiert davon wären unter anderem Rülzheim, Kuhardt, Neupotz, Rheinzabern und Jockgrim – vor allem die Wohngebiete zur B9 hin. Etwa in Höhe der B-9-Abfahrt Jockgrim wäre die bis dahin oberirdische Trasse in einem Tunnel verlaufen. Der sollte unter Wörth, Maximiliansau, dem Rhein und Karlsruhe durchtauchen und erst beim Rheinstetten-forchheim wieder ans Tageslicht kommen.
Anfang März war aber klar, dass die Planer der Bahn die Variante durch den Kreis Germersheim nicht weiter verfolgen wollen. Denn mit ihr kann der Knotenpunkt Mannheim nicht eingebunden werden. Dies halten die Planer aber für unerlässlich. Weiter verfolgt werden Trassen, die nur teilweise durch die Pfalz führen und den Rhein queren: eine nördlich von Germersheim zwischen Römerberg und Phillipsburg, die zweite zwischen Speyer/Otterstadt und Hockenheim.
Proteststurm der badischen Gemeinden
Nachdem das Ausscheiden der durchgehend linksrheinischen Varianten bekannt wurde, gab es im projektbegleitenden Dialogforum einen Proteststurm der badischen Gemeinden. Im Dialogforum sind Politiker und Bürgerinitiativen aus der Region zwischen Mannheim und Karlsruhe vertreten. Entscheidungskompetenz hat es keine. Das Forum akzeptierte die vorgelegte Variantenauswahl nicht und forderte Nachuntersuchungen und eine erneute Diskussion.
Die von den badischen Vertretern gewünschten detaillierten Erläuterungen der Planer liegen jetzt auf 25 Seiten vor. Sie bestätigen, was bereits im März als Zwischenstand gemeldet wurde: 13 Varianten bleiben im Verfahren, 11 davon verlaufen rechtsrheinisch, zwei queren den Rhein nördlich von Germersheim und verlaufen zwischen Germersheim und Karlsruhe auf der badischen Seite.
Entscheidung wahrscheinlich Anfang 2024
Die endgültige Trassenentscheidung soll später als geplant erst dann erfolgen, wenn die Verkehrsprognose für 2040 vorliegt. Das soll zum Jahreswechsel der Fall sein. Da der Bedarf im Güterverkehr steigt, dürften auch dann die weniger leistungsfähigen südpfälzischen Trassen nicht wieder relevant werden.
Das gilt nicht für den von der Schweiz gewünschten Ausbau des Güterverkehrs zwischen Mannheim-Ludwigshafen, Germersheim und Strasbourg. Dafür müsste die Strecke Wörth-Lauterbourg-Strasbourg ausgebaut werden. Ansonsten könnten freie Kapazitäten im Gleisnetz zwischen Mannheim/Ludwigshafen genutzt werden: Etwa 60 Güterzüge am Tage könnte die Strecke Germersheim/Wörth noch aufnehmen.
Abgeordneter muss beharrlich nachfragen
Hier räumt das von Volker Wissing (FDP, Landau) geführte Bundesverkehrsministerium erst auf beharrliches Nachfragen des Bundestagsabgeordneten Thomas Gebhart (CDU, Jockgrim) ein, dass ein Ausbau Wörth-Lauterbourg möglich ist. Noch Anfang März verwies das Ministerium darauf, dass für die bis 2030 erwarteten Güterzüge die vorhandenen Gleisanlagen ausreichen.
Die RHEINPFALZ hielt dem entgegen, dass für einen möglichen Ausbau die Prognose 2040 ausschlaggebend sei. Dies sieht das Verkehrsministerium jetzt auch so: „Für einen möglichen Ausbau der Bahnstrecke Wörth–Lauterbourg bedarf es einer entsprechenden Steigerung der Verkehrsnachfrage auf Grundlage einer neuen Verkehrsprognose 2040 sowie entsprechender Ausbaupläne für den französischen Teil der Strecke“, schreibt das Ministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage von Gebhart.
Dann könnte aus Sicht der Bundesregierung erneut geprüft werden, ob Bedarf für das Vorhaben von Wörth bis zur deutsch-französischen Grenze besteht. Untersuchungen in den Jahren 2015 und 2021 verneinten dies, weil Frankreich Lauterbourg-Strasbourg nicht ausbauen wollte – das Thema ist also nicht neu. Mittlerweile hat aber die Schweiz aber für den Ausbau in Frankreich finanzielle Unterstützung angeboten.
