Wörth
Güterverkehr: „Bahn hat Kommunen ausgetrickst“
Die Bahn habe schon einmal die Kommunen im Kreis Germersheim ausgetrickst, die Folge sei, dass kein Lärmschutz entlang der Bahnlinie Wörth/Germersheim gebaut wurde. Daran erinnert der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche über einen Ausbau der Strecke Wörth/Strasbourg für den Güterverkehr.
Das Bundesverkehrsministerium diskutiert mit Vertretern der Schweiz und Frankreichs über einen Ausbau der Bahnstrecke Wörth/Strasbourg für den Güterverkehr. Wenn dies geschieht, könnten bis zu 60 Güterzüge aus Richtung Ludwigshafen auf der vorhandenen Bahnlinie den Kreis Germersheim durchqueren. Der Vorschlag kommt von der Schweiz. „Die Kommunen wurden bislang weder vom Bundesverkehrsministerium noch von der Deutschen Bahn über die Ausbauvorschläge informiert“, so Nitsche
Bahn baut rechtsrheinisch aus
Bereits im Zuge der Überprüfung des Netzausbaus zwischen Mannheim und Karlsruhe habe er vor anderthalb Jahren in einem sogenannten „Dialogforum“ explizit nach Überlegungen zu einer Weiterführung der Trasse über Wörth und Strasbourg gefragt, so Nitsche in einer Stellungnahme. Die Deutsche Bahn habe damals solchen Überlegungen eine eindeutige Absage erteilt. Die Bahn sei ab Karlsruhe auf den Ausbau der Strecke auf deutscher Seite konzentriert, eine Verlagerung ins Elsass sei nicht angedacht, so laut Nitsche die Bahn vor eineinhalb Jahren.
Dagegen sei eine mögliche Fortführung der Straßenbahn vom Bahnhof Wörth über Maximiliansau „Im Rüsten“ und weiter in südlicher Richtung bis Lauterbourg aus Sicht der Stadt Wörth mittelfristig sehr wünschenswert, um Berufspendlern ein verbessertes Angebot zu machen. Hierzu habe es erste Gespräche gegeben, so Nitsche. Der Ausbau des Personennahverkehrs dürfe nicht zugunsten des Güterverkehrs verworfen werden.
Keine Denkverbote für Güterverkehr
Grundsätzlich sollte es keine Denkverbote geben, um klimafreundliche Mobilität und klimafreundlichen Güterverkehr möglich zu machen, schreibt Nitsche. Allerdings müssten die Gegebenheiten vor Ort und auch die Belastungen für die Anwohner Berücksichtigung finden. Die Stadt Wörth habe noch zur Amtszeit von Nitsches Vorgänger, Bürgermeister Harald Seiter (CDU), sehr schlechte Erfahrungen mit der Bahn gemacht.
Die Deutsche Bahn hatte zunächst erklärt, die S-Bahn-Strecke Wörth/Germersheim für den Güterverkehr nicht zu benötigen und sich deshalb nicht an den Baukosten beteiligt. Deshalb wurde auch kein Lärmschutz für die Anwohner gebaut, denn die leisen S-Bahnen rechtfertigten keine Lärmschutzmaßnahmen.
Lärm kam nach Anstandsfrist
Doch kaum sei eine Anstandsfrist von 5 Jahren abgelaufen, schickte die Bahn wie selbstverständlich Güterzüge über die von den Kommunen bezahlte neue Trasse. Das Nachsehen hätten nun die vom Lärm der Güterzüge betroffenen Anwohner, so Nitsche. Aus seiner Sicht habe die Bahn die Kommunen ausgetrickst. „Vor dem Hintergrund dieser negativen Erfahrungen verfolgen wir alle Entwicklungen äußerst aufmerksam. Die Stadtverwaltung und die Gremien werden die Interessen der Bürgerinnen und Bürger mit großem Nachdruck wahrnehmen“, kündigt Nitsche an.
