Wörth / Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gütertrasse durch den Kreis eine von drei Möglichkeiten

Streckenweise könnte die Güterzugtrasse auch unterirdisch verlaufen.
Streckenweise könnte die Güterzugtrasse auch unterirdisch verlaufen.

In Baden hat sich längst Widerstand gegen Teile des Schienenprojekts Mannheim/Karlsruhe formiert. Die Pfälzer Orte hinken hinterher. Dabei soll die Entscheidung bald fallen.

Die Diskussion um den Verlauf des Teilstücks Mannheim/Karlsruhe für die Güterverkehrtrasse Rotterdam/Genua ist im Kreis Germersheim angekommen. Eine der im Auswahlverfahren verbliebenen Trassenvarianten verläuft entlang der B9 quer durch den Landkreis von Germersheim bis Wörth. Tangiert wären unter anderem Rülzheim, Kuhardt, Neupotz, Rheinzabern und Jockgrim – vor allem die Wohngebiete zur B9 hin.

Vor Wörth, etwa in Höhe der B-9-Abfahrt Jockgrim, soll diese bis dahin oberirdische Gleistrasse in einem Tunnel verlaufen. Er taucht unter Wörth, Maximiliansau, dem Rhein und Karlsruhe durch und kommt erst wieder bei Rheinstetten-Forchheim ans Tageslicht.

Dieser Tunnel dürfte kein Garant dafür sein, dass die Variante durch den Kreis Germersheim nicht gebaut wird. Diese Möglichkeit hatte der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) am Donnerstag im Stadtrat in den Raum gestellt. Denn im Raum Karlsruhe sind rechtsrheinisch nur noch zwei Varianten im Auswahlverfahren:

– Eine von ihnen verläuft ebenfalls durch einen langen Tunnel. Im Vergleich ist der Tunnel Wörth mit etwa 19 Kilometern zwar länger als der Tunnel Neureut (etwa 15 bis 16 Kilometer). Wegen der hohen Fixkosten (Tunnelbohrmaschine, Baustelleneinrichtung, Planungskosten, Baugrunduntersuchungen) wird der Wörther Tunnel aber vermutlich nicht wesentlich teurer. Am Tunnel allein wird also eine Trasse durch den Kreis Germersheim wohl nicht scheitern.

– Die andere, weiter östlich gelegene Trasse im Badischen, mündet in den Karlsruher Güterbahnhof und läuft damit genau auf ein großes neues Wohngebiet im Osten der Stadt zu. Dort werden voraussichtlich viele Menschen betroffen sein, möglicherweise mehr wie in allen Orten an der Trasse im Kreis Germersheim zusammen. Und am Ende entscheidet auch hier eine Zahl.

Während im Badischen sich vor diesem Hintergrund längst lokale Widerstände gegen die verschiedenen Teilabschnitte des Schienengroßprojekts formiert haben, hinken die Gemeinden in der Pfalz noch weit hinterher. Deshalb will der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile (CDU) jetzt die Basis für eine Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn schaffen. Ein Ingenieurbüro für Raum- und Umweltplanung sowie eine Fachanwaltskanzlei mit Bahn-Erfahrung sollen beauftragt werden. Die Kosten belaufen sich auf bis zu 130.000 Euro im ersten Jahr. Schaile, der auch Vorsitzender der Kreisgruppe Germersheim des Städte- und Gemeindebundes ist, hat vor allem Rülzheim und Kuhardt aufgefordert, sich zu beteiligen.

Nicht beteiligen wird sich wahrscheinlich die Stadt Wörth. Deren Bürger würden ja davon profitieren, wenn der Güterverkehr vor Wörth in einem Tunnel verschwindet, meinte Nitsche am Donnerstag vor dem Stadtrat.

Zum Zeitplan sagte eine Bahnsprecherin: „Nach aktuellem Planungsstand soll die bevorzugte Streckenvariante bis Ende 2023 in ein Raumordnungsverfahren eingebracht werden.“ Wenn man eine Vorlaufzeit für den Einstieg ins formelle Planungsverfahren einberechnet, kann das bedeuten, dass die Entscheidung über eine Gütertrasse durch den Kreis Germersheim eventuell sogar schon in einem halben Jahr gefallen ist.

woergueterzug
x