Kreis Germersheim
Fährbetrieb zwischen Baden und Pfalz ruht
Normalerweise ist Ostern der Start in die Ausflugssaison für die Rheinfähre. Dann setzt die „Baden-Pfalz“ am Tag fast 100 Mal von Neuburg nach Neuburgweier über. Doch in den Zeiten des Corona-Virus ist bekanntlich alles anders. Das Deck , auf dem sich um diese Jahreszeit üblicherweise Rad-Touristen vom pfälzischen zum badischen Ufer hin und wieder retour bringen lassen, ist verwaist. Das Schiff dümpelt traurig im Hafen. Die Behördenauflagen für den Betrieb sind für Fährmann Marc Freiwald zu hoch.
„Wir hätten Security-Leute einstellen müssen, welche den Sicherheitsabstand an den Fährstellen regeln und zwar an beiden Ufern. Das können wir uns finanziell nicht leisten“, erklärt der 38-Jährige. Auf der Fähre selbst sei der Abstand noch zu kontrollieren, aber außerhalb: „nicht leistbar“, fügt er hinzu. Und: Ärger mit den Behörden wolle er auf jeden Fall vermeiden.
Pendler und Ausflügler bleiben gleichermaßen zu Hause
Der Fährenbetreiber arbeitet mit einer Art Mischkalkulation. Er lebt zum einen von PKW-Pendlern, zum anderen von Ausflüglern. Vor allem die elsässischen Pendler auf dem Weg zu ihren Arbeitgebern Michelin, L ’Oréal oder Siemens in Karlsruhe nutzen die Fähre. „Die sitzen jetzt aber alle zu Hause und haben Ausgangssperre. Auch mein elsässischer Mitarbeiter kann aktuell nicht bei mir arbeiten“, berichtet Freiwald.
Die Ausflügler wiederum fehlen aufgrund der generellen Zurückhaltung wegen der Covid-19 Pandemie derzeit ohnehin. „So lange die Gastronomie geschlossen hat, fehlen den Leuten attraktive Ziele, die sie ansteuern können“, weiß der Fährkapitän. Das beliebte Ausflugsziel „Rheinkiosk“ im badischen Neuburgweier ist ebenso dicht, wie der „Rheinblick“ an der Fährstation in Leopoldshafen.
Der Familienbetrieb mit zwei Rheinfähren steht still
Dort betreiben die Freiwalds ebenfalls die Fähre, die von Leimersheim nach Leopoldshafen übersetzt. Dort ist der Vater von Marc Freiwald am Steuer. Auch diese Fähre bleibt vorerst im Hafen. „Wir haben uns natürlich abgestimmt. Wir gehen beide wieder gemeinsam an den Start. Aber jetzt warten wir erst einmal bis zum 3. Mai ab, was für Maßnahmen dann beschlossen werden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir vorher starten. Aber eventuell entscheiden wir das auch spontan“, erklärt der gelernte Kfz-Mechaniker.
Nichts wünscht er sich sehnlicher, als seine Fähre mit 4 mal 150 PS und einer Geschwindigkeit von 10 Knoten wieder in Betrieb zu setzen. Aber momentan lohne sich das leider nicht, meint er. Sein Fährbetrieb habe noch vor gar nicht allzu langer Zeit von der Sanierung der Rheinbrücke profitiert, als viele der täglichen Staus überdrüssig waren und den Wasserweg gewählt hatten. Aber das kleine finanzielle Polster, das man sich damals angefüttert hatte, sei durch die aktuelle Krise bereits wieder Geschichte, so der Fährbetreiber.
Was ihn ebenfalls frustriert, auch wenn er natürlich gegenüber dem Wetter machtlos ist. „Wir hatten die vergangenen sechs, sieben Jahre immer absolut mieses Wetter zu Ostern. Kalt und verregnet. Jetzt haben wir einmal tolles, frühsommerliches Ausflugswetter. Und nun das“, schüttelt der Kapitän, der aus einer alten Rheinschiffer-Familie stammt, den Kopf.
Rheinschiffer und Gastronomen sitzen im selben Boot: Das Geld ist weg
Da geht es ihm im Übrigen wie den vielen Gastronomen und Hoteliers im Land. „Das Geld, das wir jetzt nicht eingenommen haben, das ist weg. Das kriegen wir nicht wieder rein.“ Normalerweise passen 15 Autos oder fast 200 Leute (dann allerdings ohne Autos) auf die Fähre. Derzeit liegt sie jedoch verlassen im Hafen beim Zollhaus in Neuburgweier. Viel zu tun gibt es derzeit nämlich nicht. Den Motor hatte Freiwald vorsorglich bereits vor dem vermeintlichen Saisonstart überholen lassen. Nur Lack- und Malerarbeiten stehen noch an. Damit die „Baden-Pfalz“ irgendwann in naher Zukunft wieder mit glänzendem Anstrich in See stechen kann – vorausgesetzt die Situation hat sich nach dem 3. Mai ein klein wenig geändert.
Infos: www.rheinfaehre-leimersheim.de