Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ende eines Traditionsunternehmens: Nolte Möbel schließt im Juli

Wird bald für immer geschlossen sein: das Werkstor von Nolte-Möbel am Ende der Konrad-Nolte-Straße.
Wird bald für immer geschlossen sein: das Werkstor von Nolte-Möbel am Ende der Konrad-Nolte-Straße.

Seit 2023/2024 befindet sich der Möbelhersteller im (vorläufigen) Insolvenzverfahren. Zuletzt gab es einen Hoffnungsschimmer, den Betrieb zu retten. Er ist erloschen.

Nach mehreren Entlassungswellen in den vergangenen Jahren beschäftigte Nolte Möbel an seinem Unternehmenssitz in Germersheim zuletzt noch rund 230 Mitarbeiter. Am Montagvormittag wurden diese darüber informiert, dass das Werk, in dem Schlafzimmermöbel gefertigt werden, geschlossen wird. Das bestätigte auf Anfrage der Insolvenzverwalter Steffen Rauschenbusch von der Mannheimer Kanzlei Ernestus.

Zunächst erhielten demnach rund 80 Leute ihre Entlassungspapiere. Mit den verbleibenden 150 Beschäftigten sollen Produktion und Vertrieb noch bis Ende Juli aufrechterhalten werden. „Wir werden noch alle Bestandsaufträge fertigen“, sagte Rauschenbusch. Das Volumen bezifferte er auf 3,5 Millionen Euro. Darüber hinaus werde man auch noch weitere Aufträge annehmen und erfüllen, sofern das in den verbleibenden drei Monaten machbar ist. Zum einen seien die Lager voll. Andererseits habe man Personal und Maschinen, könne produzieren. „Wer jetzt einen Schrank bestellt, bekommt den in vier Wochen“, so Rauschenbusch. Er hoffe, dass die Händler angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht das Vertrauen verlieren, die Aufträge aufrechterhalten.

März so lala, April Katastrophe

Dass das Aus für das Traditionsunternehmen nun doch so plötzlich kam, wenige Wochen nach dem Tod des Anfang März im Alter von 84 Jahren verstorbenen Firmenpatriarchen Georg Nolte, begründete Rauschenbusch mit der jüngsten Geschäftsentwicklung: „Im Februar war es noch gut, im März so lala und im April Katastrophe.“ Die Osterferienzeit und die kommenden langen Wochenenden aufgrund von Feiertagen seien für das Geschäft nicht gut. Hinzu gekommen sei die Diskussion um die internationale Zollpolitik.

Was nach der Werksschließung mit dem Gelände geschieht, das Foto zeigt die Verwaltung mit angrenzendem Ausstellungsgebäude, ist
Was nach der Werksschließung mit dem Gelände geschieht, das Foto zeigt die Verwaltung mit angrenzendem Ausstellungsgebäude, ist noch unklar.

Die von Geschäftsführung und Insolvenzverwalter zu Jahresbeginn zum Ausdruck gebrachte Hoffnung, dass es nach einem leichten Plus langsam wieder aufwärts gehen könnte, hat sich zerschlagen. Dass sich nun noch ein seit längerer Zeit gesuchter Investor findet, sei möglich, aber eher unwahrscheinlich. In Sicht sei keiner, sagte Rauschenbusch am Dienstag. Und aus eigener Kraft werde es Nolte Möbel nicht schaffen, das Ruder herumzureißen. „Da haben wir schon alles versucht.“ Angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung habe man nun reagieren müssen. „Wir können nicht weitermachen, wenn die Zahlungen nicht gewährleistet sind“, sagte Rauschenbusch mit Blick auf die Auftragslage. Letztlich könne man den Markt nicht beeinflussen. Was nach der Werksschließung mit dem weitläufigen Firmengelände geschieht, sei offen.

Familie verliert Vertrauen

Der Insolvenzverwalter attestiert der Familie Nolte, das Unternehmen während des gesamten Insolvenzverfahrens unterstützt zu haben. Aber die Geschäftsentwicklung der letzten Monate habe das Vertrauen schwinden lassen.

Die Stimmung bei der Mitarbeitendenversammlung am Dienstag war laut Rauschenbusch, der sie nach eigenen Angaben leitete, zwar gedrückt, aber nicht verärgert. Vertreter der Arbeitsagentur seien als Berater für die Mitarbeitenden zu der Versammlung eingeladen worden. Mit den verbleibenden 150 Angestellten soll am Mittwoch eine weitere Versammlung abgehalten, der weitere Verlauf besprochen werden. Für alle Beschäftigten gebe es gemäß Insolvenzrecht einen Sozialplan mit Interessenausgleich. Diejenigen, die bis zum Ende arbeiten, erhielten weiter ihren Lohn. Rauschenbusch fügt an, dass er während seiner Zeit im Unternehmen, das er ab November 2023 zunächst durchs vorläufige, dann ab Februar 2024 durchs reguläre Insolvenzverfahren führte, seitens der Belegschaft viel Offenheit und Vertrauen erfahren hat.

Gründe für das Aus

Die Unternehmensschließung sei für alle eine Katastrophe, sagte Harald Lange von der Gewerkschaft IG Metall auf Anfrage der RHEINPFALZ. Er verwies auf die Veranstaltung am Montag, bei der über die Schließung informiert worden sei. Die Nachricht davon verbreitete sich in der Folge in der Stadt und den sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Lange bestätigte Rauschenbuschs Aussagen, wonach geplant ist, vorhandene und neue Aufträge noch abzuarbeiten. Zudem wolle man schauen, was mit den Lagerbeständen geschieht. Auch Lange räumt ein, dass das Ende nach dem Hoffnungsschimmer vom Jahresbeginn nun plötzlich gekommen sei. Drei Gründe führt er für die zum Aus führende Entwicklung an: die geopolitische Lage, sprich Krisen und Zolldebatte, das wegen der Neuwahlen des Bundestages fehlende Regierungshandeln in Deutschland und dass die Möbelbranche eine problematische Branche sei. All dies zusammen führe bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu Unsicherheit und letztlich Kaufzurückhaltung.

Doch die allgemein schwierige Wirtschaftslage in Deutschland treffe nicht nur Nolte Möbel, auch Unternehmen anderer Branchen seien betroffen, so Lange. So seien in den vergangenen drei Jahren in Süd- und Südwestpfalz rund 3000 Arbeitsplätze verloren gegangen, weil Unternehmen aufgeben mussten – andere wackelten. Insofern könne man den Beschäftigten auch nicht einfach sagen, bewirb dich da oder dort.

Die zur Nolte-Gruppe zählende Spedition Reber, die sich unter anderem auf dem Firmengelände in Germersheim befindet, ist laut Rauschenbusch nicht von der Schließung betroffen, Aus der Nolte Gruppe hat sich Georg Nolte als Hauptgeschäftsführer bereits 2016 zurückgezogen. Inzwischen nehmen seine Kinder Maren Schmitt Nolte und Georg Konrad Nolte im Aufsichtsrat die Familieninteressen wahr. Das Familienunternehmen wurde 1923 von Georg Nolte gegründet, als er in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen eine Möbeltischlerei eröffnete. Der Firmengründer ist der Großvater des jüngst verstorbenen Unternehmenspatriarchen.

Einst zweitgrößte Arbeitgeber

Mit rund 1000 Mitarbeitenden war Nolte Möbel vor rund vier Jahrzehnten neben Daimler der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis Germersheim. Der Umsatz war zuletzt stark rückläufig. In einem Gespräch Anfang 2024 sagte Rauschenbusch, dass der Umsatz über Jahre hinweg bei 100 Millionen Euro gelegen hat, 2023 aber auf etwa 60/65 Millionen Euro eingebrochen ist. Für 2024 wurde keine Umsatzzahl genannt. Zuletzt hoffte Geschäftsführer Jan Paschen im laufenden Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 55 Millionen Euro.

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