Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Unternehmer Georg Nolte ist tot (mit Bildergalerie)

Georg Nolte (re.) wurde 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck das Bundesverdienstkreuz überreicht.
Georg Nolte (re.) wurde 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Seit 1983 leitete er die Firmengruppe, die zu Germersheims größten Arbeitgebern zählte. Nun ist Georg Nolte tot. Der Unternehmer starb am Sonntag im Alter von 84 Jahren.

Geboren wurde Nolte am 27. Januar 1941 in Rheda-Wiedenbrück. Bereits als Kind kam Georg Nolte mit der Möbelbranche in Berührung, als er seinen Großvater zu Geschäftspartnern begleitete. Dieser hieß ebenfalls Georg und hatte mit seiner von ihm 1923 in Rheda-Wiedenbrück gegründeten Möbeltischlerei den Grundstein für die Möbeldynastie gelegt. Seine ersten unternehmerischen Schritte machte Georg Nolte junior bei Nolte Küchen in Löhne/Westfalen. Mit 25 zog er nach Germersheim um, wo er die Geschäftsführung von Nolte Möbel übernahm. 17 Jahre später, 1983, übertrug ihm sein Vater, Konrad Nolte, die Gesamtverantwortung für die Nolte-Gruppe.

Es trägt seinen Namen: das Industriegebiet Nolte am Rande von Germersheim.
Es trägt seinen Namen: das Industriegebiet Nolte am Rande von Germersheim.
Zur Einweihung der neuen Beschichtungsanlage im Spanwerk, das 2022 erst zum Teil den Italienern gehörte, hielt Georg Nolte eine
Zur Einweihung der neuen Beschichtungsanlage im Spanwerk, das 2022 erst zum Teil den Italienern gehörte, hielt Georg Nolte eine Ansprache.
Blick in die Werkhalle mit der 2022 in Betrieb genommenen neuen Beschichtungsanlage für Spanplatten.
Blick in die Werkhalle mit der 2022 in Betrieb genommenen neuen Beschichtungsanlage für Spanplatten.
Um die Jahrtausendwende neu gebaut: das Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude im Industriegebiet Nolte.
Um die Jahrtausendwende neu gebaut: das Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude im Industriegebiet Nolte.
1999 wurde mit dem Bau der neuen Logistikhalle der zur Nolte-Gruppe gehörenden Spedition Reber begonnen.
1999 wurde mit dem Bau der neuen Logistikhalle der zur Nolte-Gruppe gehörenden Spedition Reber begonnen.
Anbindung des Industriegebiets Nolte an die B9 über die S-förmig verlaufende Konrad-Nolte-Straße (Bildmitte).
Anbindung des Industriegebiets Nolte an die B9 über die S-förmig verlaufende Konrad-Nolte-Straße (Bildmitte).
Gehörte bis 2016 auch zur Nolte-Gruppe: CS Schmal, der Hersteller von Mitnahmemöbeln in Waldmohr.
Gehörte bis 2016 auch zur Nolte-Gruppe: CS Schmal, der Hersteller von Mitnahmemöbeln in Waldmohr.

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Georg Nolte begleitete die Entwicklung des Unternehmens von der einstigen Möbelmanufaktur hin zum modernen industriellen Produktionsunternehmen mit mehreren Tochtergesellschaften auch im außereuropäischen Ausland und zum nach Daimler zeitweise zweitgrößten Arbeitgeber im Landkreis Germersheim.

Auf Wachstumskurs

Unter der Leitung von Georg Nolte entstand eine der führenden Küchen- und Möbelmarken Deutschlands. Viele Jahre prägt Wachstum die Unternehmensentwicklung: Die Mitarbeiterzahl steigt auf rund 3000 an den verschiedenen Standorten, davon rund 1000 in Germersheim; der Umsatz erhöht sich auf fast eine Milliarde D-Mark, rund 500 Millionen Euro. Darüber hinaus wird im Jahr 1995 mit der Übernahme von CS Schmalmöbel im westpfälzischen Waldmohr, dem damals größten Hersteller von Mitnahmemöbeln, das Produktsortiment ausgeweitet. Zur Gruppe gehörten unter anderem auch die Spedition Reber, das Spanplattenwerk in Germersheim und der Büroausstatter Drum in Waldmohr.

Millionen investiert

Germersheim profitierte von den hohen Millionen-Investitionen Noltes in den Ausbau des Firmensitzes. Nur einige Beispiele: 1997 wurde eine neue Anlage fürs Altmöbel-Recycling in Betrieb genommen; 1998 begann man mit dem Bau einer neuen großen Logistikhalle für die Spedition Reber; 1999 starteten im Spanplattenwerk eine Spanplattenanlage und die weltweit größte Beschichtungsanlage ihren Betrieb – mit 130 Millionen D-Mark übrigens die größte Investition in der Firmengeschichte; Ende 2000 begannen die Arbeiten am neuen Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude, das 2002 mit Ministerpräsident Kurt Beck feierlich eingeweiht wurde; 2001 wurde, mit finanzieller Hilfe des Landes und in Kooperation mit der Uni Kaiserslautern, für die umweltschonende Energieerzeugung im Spanplattenwerk ein Blockheizkraftwerk aufgebaut – ein Pilotprojekt.

Ende der 90er Jahre wurde im Norden der Stadt nach rund 30 Jahren Vorlauf, die K27, die Konrad-Nolte-Straße für den Verkehr freigegeben. Diese wurde von Land, Stadt und Nolte finanziert, um die vielen Lkw, die das Industriegebiet Nolte Tag für Tag ansteuern, auf direktem Weg von der B9 dort hinzuleiten und so die lärmgeplagten Anwohner zu entlasten.

Umweltschutz als Chance

Schon früh erkannte Georg Nolte die Bedeutung und Chancen des Umweltschutzes. Sein Unternehmen war das erste in Deutschland, dessen Produkte allesamt das Umweltsiegel „Blauer Engel“ trugen, was dem Unternehmen auch steigenden Umsatz bescherte.

Auch im Sozialen verstand es Georg Nolte zu punkten: Mit finanzieller Unterstützung von Land, Landkreis und Stadt, schuf er Ende der 90er Jahre 73 Arbeitsplätze für Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose sowie 14 neue Ausbildungsplätze in Germersheim. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 20 Prozent. Und um den Opfern der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 zu helfen, spendete das Familienunternehmen Möbel für eine geplante Reha-Station im weißrussischen Shitkowitschi.

Harter Schicksalsschlag

Ein harter Schicksalsschlag ereilte Georg Nolte im Herbst 1995 als seine 53-jährige Frau Karin, eine passionierte Reiterin, bei einem Unfall starb. Im Jahr darauf wurde die Karin-Nolte-Stiftung gegründet, die innovative Entwicklungen in der Humanmedizin und benachteiligte Menschen fördert.

Beim Richtfest für eine neue große Lagerhalle im Spanplattenwerk und einer neuen Säge für die Produktion – eine Sieben-Millionen-Euro-Investition – im Jahr 2007 sagte Nolte, dass diese Investition in eine Zeit falle, in der die Branche fast nur noch darüber rede, in den Osten bis nach China gehen zu wollen. Eine schwierige Zeit für eine schwierige Branche, so Nolte damals, als eine deutliche Konzentrationsbewegung in Gang gekommen war. Nolte versuchte, auf dem russischen Markt Fuß zu fassen, wollte dort Spanplatten und Kleinmöbel verkaufen. Dass dies nicht ganz so einfach war, wurde daran festgemacht, dass Mitbewerber vor Ort ihre Produkte günstig herstellten, während Nolte in Deutschland produzierte. Das ist auch heute noch so.

Vor harten Zeiten

Bereits 2004 sagte Nolte prophetisch, dass sich Nolte zwar bisher gut in der schwächelnden Möbelindustrie behauptet habe, aber die Zeiten für die Branche noch härter werden. Das bewahrheitete sich schon einige Jahre später: Man war bei Nolte Möbel gezwungen, Leute zu entlassen, die Nolte-Gruppe zählt heute noch knapp 1700 Beschäftigte; der Umsatz ging zurück, mehr bei Nolte Möbel, weniger bei Nolte Küchen, die zulegten und seit 2020 unter dem Namen Nolte SPA auch Bäder herstellen und vertreiben; 2016 wurde CS Schmalmöbel verkauft. Im Zuge der Neuausrichtung vor einigen Jahren und der zwischenzeitlichen Fokussierung auf Küchen und Schlafzimmermöbel wurde auch das Spanplattenwerk aus der Nolte-Gruppe herausgelöst. Dieses wurde unter dem Namen Rheinspan in ein Joint Venture mit der italienischen Saviola-Gruppe eingebracht, der es nun vollständig gehört.

Noch ein Schlag

Ein Schlag für den Firmenpatriarchen, der einst gerne mal Mitarbeiter in seinem Hubschrauber zu Messen mitnahm, dürfte auch gewesen sein, dass 2023 Nolte Möbel ein Insolvenzverfahren beantragen und etwa ein Drittel der verbliebenen Belegschaft entlassen musste. Anlass war angeblich weniger die wirtschaftliche Entwicklung, die man laut Geschäftsführung hätte noch einigermaßen verkraften können. Es waren vielmehr Brandschutzauflagen in Millionenhöhe für das in die Jahre gekommene Werk. Inzwischen gibt es wieder positive Signale.

Während Nolte die Unternehmensgruppe als Hauptgesellschafter bis zuletzt führte, hat er sich 2016 aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Dort nehmen inzwischen seine beiden Kinder, Maren Schmitt-Nolte und Georg Konrad Nolte, die Familieninteressen wahr.

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