Kreis Germersheim Eine Armee für ganz Europa

1,5 Millionen Soldaten gibt es in den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Zeit also, für den Zusammenschluss der Armeen? „Die Europäisierung ist das Gebot der Stunde“, sagt dazu Dr. Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages. Wie das funktioniert und was die Bundeswehr generell zur Imagepflege tun kann, diskutierte er mit Oberstleutnant a.D. Thomas Sohst, Landesvorsitzender-West des Deutschen Bundeswehrverbandes, im Bürgerhaus.
Zu dem Gespräch am Mittwochabend unter dem Motto „Die Zukunft der Bundeswehr im nationalen und europäischen Kontext“ hatte MdB Thomas Hitschler (SPD), geladen. „28 eigenständige Armeen in Europa sind schlicht nicht effektiv“, sagt Bartels und spricht sich für die Europäisierung der Bundeswehr aus. Eine Idee, die nicht neu ist und immer konkreter wird. Die europäischen Nationen seien bereits dabei, sich zusammen zu schließen. Wie aber passen dann die Begriffe „Heimat“ und „Vaterland“, die die Grundlage des Truppenverständnisses seien, hinein? – so lautete eine Frage aus dem Publikum. Man müsse generell über die „Tradition in der Bundeswehr“ sprechen, führte Sohst aus. Mangelnde politische Bildung, eine schlechte Truppenausstattung, wenig Perspektiven für die Bundeswehr-Angehörigen und bürokratische Schranken – all das müsse angegangen werden. Kritisch äußerten sich die Redner und das Publikum über die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Der Vertrauensverlust in der Gruppe ist enorm“, so Bartels, der eine positive Trendwende beobachtet: „Wir haben die demokratischste Bundeswehr aller Zeiten.“ Und die Soldaten seien gut verankert in der Gesellschaft. Nicht absprechen kann man allerdings eine „gewisse Attraktivität für Rechtsextremisten“, wie Bartels einräumte. Militär, Waffen, Macht und Uniform – all das ziehe auch Rechte an. Der militärische Abschirmdienst müsse hierbei besser gestärkt werden. Ein weiteres Thema, was das Publikum – überwiegend ehemalige oder aktive Militärangehörige – umtrieb, war die Diskussion über die Namen der Kasernen. Bartels und Sohst bedauerten die Negativberichterstattung, so auch die über Franco A., der sich als Soldat gleichzeitig als Flüchtling registrieren ließ und mutmaßlich einen Anschlag plante. Es gibt also Redebedarf, jedoch sei die Trendwende bereits eingeläutet und laufe in die richtige Richtung. 12.000 Soldaten fehlen derzeit, wie man die Bundeswehr attraktiver machen kann, dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Von kostenfreiem W-LAN in allen Kasernen, weniger Schranken für ein Studium und den Wechsel ins zivile Leben war die Rede. „Am besten ist es, wenn Soldaten gut über die Bundeswehr sprechen“, so Bartels abschließend.