LINGENFELD
Diskussion über Bauen in zweiter Reihe
Am Ende stand ein doch recht eindeutiges Ergebnis, das in der vergangene Woche nachgeholten Sitzung bestätigt wurde.In der Schulstraße soll ein Einfamilienhaus gebaut werden, und die Gemeinde soll ihr Einvernehmen dazu erteilen, weil sich das Vorhaben als Ausnahmefall im unbeplanten Innenbereich befindet. Soweit ist dies nichts Ungewöhnliches. Aber die Angelegenheit beschäftigt das Gremium bereits zum dritten Mal. Zweimal hat man in der Vergangenheit das Einvernehmen bereits erteilt. Der Bauausschuss hat mit klarer Mehrheit von fünf zu einer Stimme bei zwei Enthaltungen empfohlen, dies auch zum dritten Mal zu tun. Das Neue an der Sache: Zum ersten Mal soll ein Einfamilienhaus in zweiter Reihe hinter einem vorhandenen Wohnhaus entstehen. Die Verbandsgemeindeverwaltung rät davon ab, das Einvernehmen zu erteilen, weil dieses sonst bei jedem weiteren vergleichbaren Antrag auch hergestellt werden müsste.
Beigeordneter Timo Freund (FWL) berichtete, die Nachbarn seien einverstanden. „Wir schaffen einen Präzedenzfall, aber einen positiven“, erhofft er sich Signalwirkung auf weitere ähnliche Vorhaben. „Wenn wir das zulassen, öffnen wir Tür und Tor für eine tiefe Bebauung in der gesamten Reihe“, gab Nicole Menke-Ratz (Bündnis 90/Grüne) zu bedenken. „Wenn das alle dort wollen, sollten wir einen Bebauungsplan auf Kosten der Eigentümer drüber legen.“ Peter Beyer (CDU) findet, dass sich das Gebäude in die Umgebung einpasst. Für seinen Parteikollegen Rudolf Aßmann sind Einfamilienhäuser okay, Wohnblöcke nicht.
Bebauungsplan oder nicht?
Sebastian Ungeheuer (SPD) findet eine Bebauung in zweiter Reihe zwar nicht schlecht, aber ein Problem sieht er darin, ohne Bebauungsplan nichts mehr gegen Mehrfamilienhäuser machen zu können. „Ich finde das eine miese Nummer dies jetzt zu verwehren, nachdem früher schon zugestimmt wurde“, sagte Sabine Löffler (CDU). „Es ist schwer für junge Leute, ein Haus zu bekommen. Das ist eine sehr gute Möglichkeit für eine junge Familie“, meinte Sebastian Lander (FWL). Es gehe nur um ein Einfamilienhaus, nicht um Wohnblöcke, warf Josef Arnold (FWL) ein: „Es sollte nicht auf Ackerflächen gebaut, sondern innerhalb des Ortes verdichtet werden. In anderen Ortslagen wurde auch in zweiter Reihe gebaut.“ In der Gartenstraße habe man dies verwehrt und einen Bebauungsplan verlangt, gab Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) zu bedenken.
Beigeordnete Bianca Dietrich (SPD) bat darum, Entscheidungen personenneutral zu treffen und befürchtet eine Vermehrung des Verkehrs in der Schulstraße. Sie regte einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan an: „Das macht uns für die restlichen Grundstücke nicht handlungsunfähig.“ Christian Cherie (FWL) negierte die Notwendigkeit für einen Bebauungsplan und sieht allenfalls für die Schulstraße einen Präzedenzfall: „Die Ortsgemeinde hat das Bauen in zweiter Reihe an anderen Stellen mehrfach genehmigt. Wir geben die Baugrenze und die Höhe vor, so dass das Gebäude wunderbar dorthin passt.“ Stefan Rutz (CDU) hatte Probleme damit, dass der Bauausschuss zugestimmt habe und der Rat jetzt ablehnen solle: „Das Gebäude fügt sich ein.“
Mit 15 Ja-Stimmen, gegen das Votum von Menke-Ratz sowie Doris Tymeczko (Bündnis 90/Grüne) und bei vier Enthaltungen erteilte der Rat in der Wiederholungssitzung am 17. Februar sein Einvernehmen.