Südpfalz Direktmandat: Obada Barmou tritt für Bündnis 90/Grüne an

Der frisch gekürte Direktkandidat der Grünen, Obada Barmou, bei seiner Vorstellung.
Der frisch gekürte Direktkandidat der Grünen, Obada Barmou, bei seiner Vorstellung.

Obada Barmou bewirbt sich bei der Bundestagswahl für Bündnis 90/Die Grünen um das Direktmandat in der Südpfalz. Der 27-Jährige wurde am Donnerstagabend nominiert.

Von 62 stimmberechtigten Mitgliedern bei der Wahlversammlung in der Kandeler Stadthalle sprachen sich 55 für Obada Barmou aus Jockgrim aus. Ebenfalls um die Kandidatur beworben hatte sich die 50-jährige Kirsten Boller aus Edenkoben, die als Migrationsmanagerin beim Caritasverband in Germersheim arbeitet.

Obada Barmou studiert im zweiten Semester Volkswirtschaft an der Uni Mannheim. Er stammt aus Syrien und kam Ende 2015 über die Balkanroute zusammen mit seinem Bruder nach Deutschland. Er floh vor der panarabischen Diktatur von Syriens Machthaber Assad. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Deutschland begann er Deutsch zu lernen, und 2020 legte er an der IGS in Rülzheim sein Abitur ab.

Schon in der syrischen Schülerbewegung habe er gelernt, seine Meinung zu vertreten und für seine Überzeugungen einzustehen, so Barmou. Als „einschneidendes Erlebnis“ betrachtet er seine Flucht aus Syrien. „Sie zeigte mir, wie wichtig Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind“, schreibt er in seiner Vorstellung. Dass die Grünen Konzepte hätten, Freiheit und Demokratie zu sichern, habe ihn schon bald beeindruckt.

Barmou sprach in seiner Vorstellungsrede auch von der Notwendigkeit einer Umverteilung. Vor allem freies Kapital müsste stärker besteuert werden, damit diejenigen, die investieren und Arbeitsplätze schaffen, entlastet werden könnten. In der Vorzeigeregion Südpfalz wolle er zu Klimaschutz und zur Verkehrswende beitragen. „Klimaschutz heißt: Unsere Existenz und Freiheit schützen“. Wichtig sei ihm auch eine Politik für Familien und künftige Generationen.

Obada Barmou ist beim Bündnis 90/Die Grünen in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv. Auf Landesebene ist er Sprecher der AG „Migration und Flucht“. Nach seinem Abitur war er zwei Jahre lang in der Migrationsberatung tätig. 2022 startete er in Karlsruhe eine Initiative innerhalb der Internationalen Wochen gegen Rassismus und erarbeitete ein Theaterkonzept. Kommunalpolitisch engagiert ist der 27-Jährige im Verbandsgemeinderat Jockgrim, wo er Fraktionssprecher der Grünen ist. Außerdem ist er Pressesprecher des Kreisverbandes der Grünen.

Tobias Lindner, der auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag verzichtet, war am Donnerstag, kurz nach dem Ampel-Aus, nicht zur Nominierung seines potenziellen Nachfolgers in Kandel gekommen. Er schickte aber eine Videobotschaft. Dass der Wahlkampf für die nächste Bundestagswahl keinen Aufschub mehr duldet, machte Landaus Bürgermeister Lukas Hartmann als Versammlungsleiter deutlich. Hartmann dankte den beiden Bewerbern für ihre Bereitschaft zur Kandidatur und erinnerte daran, dass ihre beiden Vorgänger Christian Sterzing und Tobias Lindner Mandate im Bundestag erringen konnten. Der Wahlkreis 211 umfasst die Stadt Landau und die beiden Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße. Der neue Direktkandidat für die Südpfalz setzt auf Haustür-Gespräche, wie er auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte.

Die südpfälzische SPD hat mit Yildiz Härtel schon im September ihre Kandidatin benannt. Für die CDU tritt erneut Thomas Gebhart (ebenfalls aus Jockgrim) an.

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