Wörth / Kreis Germersheim Der Weg zur Pflegefachkraft

Fatima und Joshua an der Pflegepuppe.
Fatima und Joshua an der Pflegepuppe.

Bei der Ausbildung zur Pflegefachkraft kommen auch Pflegepuppen zum Einsatz. Junge Menschen erzählen, wie sie zu diesem Beruf kamen.

94 Schülerinnen und Schüler absolvieren derzeit die Ausbildung zur Pflegefachkraft am Standort Wörth der Berufsbildenden Schule (BBS) Germersheim. Dieser Ausbildungszweig ist noch recht neu: Seit 2020 ist das neue Pflegeberufegesetz in Deutschland in Kraft. Die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege sowie in der Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege wurden zusammengeführt und sind nun EU-weit anerkannt.

Bei einem Vor-Ort-Termin freuen sich die Schüler, an einem praktischen Beispiel dem Leben als alter Mensch mit 90 Jahren nachspüren zu können. So wurde der Kreisbeigeordnete Christoph Buttweiler in einen Alterssimulationsanzug gesteckt musste bei einem „Granny Run“ („Großmutter-Parcour“) verschiedenen Stationen absolvieren. Die Auszubildenden hatten selbst schon ihre Erfahrungen in dem Anzug gesammelt. Und auch Buttweiler musste feststellen, dass es „in diesem Alter schon extrem ist beispielsweise Treppen zu steigen oder etwas zu hören.“

Programmierbare Pflegepuppe

Ebenso führten die Schüler vor, wie man beispielsweise Blutdruck oder Puls an der programmierbaren Pflegepuppe „Nursing Anne“ messen oder ertasten kann. Die beiden Pflegepuppen ermöglichen Übungen, was gerade zu Coronazeiten wichtig war.

Schülerin Fatima Zohra Bougrine, die dies anschaulich vorführte und die Gäste es ausprobieren ließ, sagt, dass es für sie leichter sei an „echten“ Menschen zu „arbeiten“ als mit Headsets mit den Puppen zu kommunizieren. Sie hatte eine Ausbildung in der Heilerziehungspflege begonnen, aber sich dann für die generalistische Ausbildung entschieden. Joshua Michel hat eine Ausbildung als Erzieher abgeschlossen, aber dann festgestellt, dass der Umgang mit Kindern ihm doch nicht so liegt. Daher hat er sich wie Fatima und Derya Mumcu nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr für die Ausbildung entschieden. „Es ist ein Problem, dass viele Interessenten ohne vorheriges Praktikum kommen und diese Praktikumsphase erst in der Berufsschule erleben. Deshalb haben wir auch ein Pilotprojekt mit einer einjährigen Ausbildung zur Pflegehelferin/Pflegehelfer beantragt“, erläutert Abteilungsleiter Dietmar Wehrmaker.

Sieben Praxiseinsätze

Die Kreisverwaltung Germersheim hat eine neue Stelle geschaffen, die Koordinierungsstelle der Pflegeausbildung. Sie will damit den Herausforderungen der Reform in den Pflegeberufen gerecht werde, wie der Kreisbeigeordnete Buttweiler sagt. Die beiden Koordinatoren Beate Gehlhar-Rupp und Stefanie Nauerth, kommen aus der Krankenpflege. Die praktische Ausbildung, die drei Jahre dauert, sieht sieben Praxiseinsätze in verschiedenen Bereichen, unter anderem in der Akut-, Ambulanz-, Langzeit-, Pädiatrie- und Psychiatriepflege vor. Meistens haben die Ausbildungsbetriebe nicht alle vorgeschriebenen Pflegebereiche.

Eine betriebsübergreifende Koordination der Ausbildung sei sinnvoll, so die Koordinatorinnen. Diese Aufgabe können die Ausbildungsbetriebe auch auf die Koordinationsstelle übertragen. Durch die Vernetzung unterschiedlicher Betriebe kann dann der Einsatz in den vorgeschriebenen Bereichen organisiert und zentral evaluiert werden. Für die praktische Einsatzplanung arbeitet Nauerth mit einem Software-Programm.

Die Koordinatoren sind auch Ansprechpartnerinnen für die Schüler und die Ausbildungsbetriebe sowie für die Kooperation zwischen den Betrieben und auch der Schule zuständig. Durch die Koordination und Wehrmaker ist auch für die Arbeit im ambulanten Bereich ein Bekleidungsdepot aufgebaut worden, damit die Azubis zentral an der Schule mit Berufskleidung ausgestattet werden können.

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