Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Der Eier-Express fährt jeden Tag

Georg Schmitt fährt mit der Feldbahn zu seinen Hühnerställen. Vor einigen Jahren hat er dafür Gleise über seine Wiese verlegt.
Georg Schmitt fährt mit der Feldbahn zu seinen Hühnerställen. Vor einigen Jahren hat er dafür Gleise über seine Wiese verlegt.

Landwirt Georg Schmitt erklärt, warum seine Hühner braune Eier legen, warum er mit der Bahn zum Eiersammeln fährt und was mit den Hühnern nach 15 Monaten passiert.

Die mobilen Hühnerställe, in denen es Platz für rund 2400 Hennen gibt, sind für alle, die von Norden her nach Lingenfeld hineinfahren, linker Hand gut zu sehen. Fünf Ställe sind es mittlerweile, in denen die Hühner des Schmitthofs in schöner Regelmäßigkeit ihre Eier legen. Doch beginnen wir die Reise der (Oster-)Eier von vorne: Im Alter von 18 Wochen bekommt der Landwirt die Hühner von einem Aufzuchtbetrieb. Mit zirka 21 Wochen fangen sie mit dem Eierlegen an. „Vorher gewöhnen sie sich an ihren Stall und nehmen ihn als neues Zuhause an“, berichtet Georg Schmitt. Die „Legeleistung“ betrage im Schnitt 85 bis 90 Prozent. Das heißt, an fast neun von zehn Tagen legt ein Huhn ein Ei. Fast 2000 Eier entstehen so jeden Tag auf dem Schmitthof. Vor Ostern steige die Nachfrage der Kunden nach Eiern. „Aber die Hühner legen ja nicht plötzlich mehr davon“, beschreibt Schmitt das Problem, vor dem er dann steht. Zum Glück für den Bauern sind es vor Ostern ja vor allem gekochte und gefärbte Eiern, die verstärkt nachgefragt werden. „Man hat also vorher die Möglichkeit, etwas zu puffern“, sagt er. Das Kochen und Färben lässt der 35 Jahre alte Landwirt im Adamshof in Kandel machen.

Hier fühlen sich die Hühner fürs Eierlegen wohl.
Hier fühlen sich die Hühner fürs Eierlegen wohl.

Statt Traktor mit der Eisenbahn

Bevor es soweit ist, müssen die Eier natürlich erst einmal gesammelt werden. Da die Hühner diese zuverlässig morgens legen, kann Schmitt sie täglich am späten Vormittag aus den Nestern holen. Diese sind mit Dinkelspelz befüllt, es ist dort dunkel und gemütlich, so dass die Hühner gerne ihrer „Aufgabe“ nachkommen. „Von der Atmosphäre her ist es für das Huhn dort perfekt“, erklärt der Landwirt, der die Vorlieben des Geflügels kennt. Zu seinen Ställen und wieder zurück kommt er seit ein paar Jahren auf Schienen: mit einer Feldbahn. Der Grund dafür liegt nicht nur darin begründet, dass sich sein Schwager hobbymäßig mit Feldbahnen beschäftigt, es hat laut Schmitt auch einen ganz praktischen Grund: Würde er mit dem Traktor jeden Tag die gleichen Wege fahren, wären diese schnell in schlechtem Zustand. Dank der Schienen, die auf einer Länge von rund einem Kilometer vom Hof durch das Reich der Hühner und wieder zurück führen, ist das Eiersammeln ganz bodenschonend möglich. „Wir sind der einzige Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland, der eine Feldbahn im täglichen Betrieb einsetzt“, sagt Georg Schmitt stolz. Die Bahn sei einst im Torfabbau eingesetzt worden und stamme aus den 1950er Jahren.

Die Hühnerställe von Georg Schmitt können bewegt werden.
Die Hühnerställe von Georg Schmitt können bewegt werden.

Die vollautomatischen Ställe auf dem Schmitthof bieten jeweils Platz für rund 500 Hühner auf zwei Ebenen. Tagsüber können die Tiere ganz nach Vorliebe drinnen oder draußen verbringen. Ein Zaun soll dafür sorgen, dass Füchse draußen bleiben und nicht dafür, die Hühner an der Flucht zu hindern. „Die Hühner würden nicht wegrennen“, weiß der Landwirt. Dass ab und zu ein Huhn Opfer eines Raubvogels wird, lässt sich nicht ganz vermeiden. Einmal pro Woche werden die Hühnerställe, die dank Rädern mobil sind, an einen anderen Platz versetzt. „Ansonsten wäre das Gras so kaputt, dass es nicht mehr zurückkommt“, erklärt Schmitt. Das Futtersilo im Stall reicht für zirka zwei Wochen, auch Wasser muss nur alle paar Tage nachgefüllt werden. Auf dem Dach sind Solarzellen angebracht, die Strom erzeugen, mit dem sich zum Beispiel abends die Klappe automatisch schließt, durch welche die Hühner nach draußen gelangen können.

Neugierig: Die Hühner können tagsüber ihre Ställe verlassen, wann immer sie wollen.
Neugierig: Die Hühner können tagsüber ihre Ställe verlassen, wann immer sie wollen.

Fünf Ställe – jeder mit einer anderen Farbe markiert – muss der Landwirt abklappern, um alle Eier zu sammeln. Anderthalb bis zwei Stunden ist er oder ein anderes Familienmitglied damit inklusive Stallkontrolle jeden Tag beschäftigt. Mit der kleinen Bahn geht es dann für die Eier zum Hof. Endhaltestelle ist direkt vor dem Fenster der Packstation, in der zwei Mitarbeiter die Eier in Empfang nehmen und erst einmal auf eine Sortiermaschine setzen. Das Prinzip ist einfach: Die Eier rollen über verschiedene Wippen. Je nach Gewicht kippt die Wippe nach unten oder nicht und die Eier werden so je in die Kategorien S, M, L und XL sortiert.

Bei Junghennen seien die Eier kleiner, dafür aber das Eigelb im Vergleich zum Eiklar größer, erklärt Schmitt. Während die Eier im eigenen Hofladen unsortiert verkauft werden, gehen sie nach Größe sortiert in die eigenen Eierautomaten, von denen einer am Hof und einer in Speyer an der BFT-Tankstelle steht, oder an kleine Händler wie zum Beispiel den Unverpackt-Laden in Speyer. Ein Drucker versieht die Eier, bevor sie in den Verkauf gehen, noch mit dem Stallnamen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum der Eier ist auf 28 Tage ab dem Legedatum festgelegt.

Ein Hühnerstall von innen. Hier ist Platz für zirka 500 Hühner.
Ein Hühnerstall von innen. Hier ist Platz für zirka 500 Hühner.

Die Eier werden teils zu Nudeln

Im Karton – ob als gefärbtes Osterei oder als rohes Ei – landen übrigens nicht alle Eier. Einen Teil lässt Georg Schmitt auch in Herxheim zu Nudeln verarbeiten, die es dann im Hofladen zu kaufen gibt. Eierlikör und Dosenkuchen sind weitere Produkte, die aus seinen Eiern gemacht werden. Die sind auf seinem Hof übrigens braun: „Ob das Ei weiß oder braun ist, kommt auf die Rasse an“, sagt Schmitt. Großbetriebe hätten mehr „Weißleger“, er hingegen habe nur „Braunleger“. Die Kunden im Hofladen tendierten eher zu dieser Farbe. Auf den Geschmack lasse sich aus der Farbe nicht schließen. „Der Geschmack geht mit dem Futter einher“, erklärt der Landwirt.

Georg Schmitt zeigt, wie die Eier-Sortiermaschine funktioniert. Es gibt die Kategorien S, M, L und XL.
Georg Schmitt zeigt, wie die Eier-Sortiermaschine funktioniert. Es gibt die Kategorien S, M, L und XL.

Die Produzenten der Eier – die Hühner – haben nach zirka 15 Monaten ihre Schuldigkeit getan. „Irgendwann lässt die Legeleistung und die Schalenqualität nach“, sagt Schmitt. Und was passiert dann mit den Tieren? Weil das Angebot an solchem Althennenfleisch die Nachfrage in Europa weit übersteigt, werde es massenweise nach Afrika verschifft und mache dort den Markt kaputt, weißt der Bauer auf ein Problem in der Branche hin. Er ist deshalb umso mehr stolz darauf, dass er das Fleisch seiner Hühner selbst vor Ort vermarktet, nachdem es in einem Betrieb in der Region verarbeitet wurde: zum Beispiel als Dosensuppen, Chicken Tikka Masala oder Paprika-Sahne-Hühnchen. Und mit dem Wissen, dass die Schöpfer dieser kleinen Wunderwerke der Natur namens Eier keinen ganz sinnlosen Tod gestorben sind, schmeckt das Osterei vielleicht noch ein bisschen besser.

Im Hofladen gibt es die Ostereier zu kaufen.
Im Hofladen gibt es die Ostereier zu kaufen.
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