Kreis Germersheim Das Umfeld von Politik und Staatsmacht erleben

„Jugendliche sind nicht an Politik interessiert? Von wegen! Die Erfahrungen aus den bisherigen bildungspolitischen Reisen des Kreisjugendamtes Germersheim zeigen ein anderes Bild“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und Jugendamtsverantwortliche Dietmar Seefeldt (CDU). Und wirbt für die nächste Bildungsfahrt des Jugendamtes nach Berlin in den Osterferien.
Die Einladung zur Fahrt kommt vom Bundestagsabgeordneten Thomas Gebhart (CDU), doch man müsse keine Angst haben, dass es eine CDU-Veranstaltung wird, heißt es beim Jugendamt auf Nachfrage. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde der Abgeordnete zur Zeit der Jugendfreizeit gar nicht in Berlin sein: Sitzungsfreie Zeit während der Ferien. In den bisherigen elf Jahren Bildungsfahrt hätten die Jugendgruppen vielleicht viermal einen Abgeordneten vor Ort getroffen. Auch 2015 sei kein Treffen mit Gebhart vorgesehen, vergangenes Jahr habe es auch keines gegeben. In den ersten Jahren habe das Jugendamt die Fahrt auf Einladung von Heinz Schmitt (SPD), dann dreimal mit Volker Wissing (FDP) organisiert und jetzt eben mit Thomas Gebhart. Tobias Lindner, Grüner Bundestagsabgeordneter aus Wörth, mache diese Bildungsfreizeit mit dem Jugendamt Landau, das in diesem Jahr gleichzeitig mit den Germersheimer in Berlin sein werde. Es sei nicht auszuschließen, dass auch Thomas Hitschler (SPD) einmal Einladender sein werde. Unabhängig davon, welcher Abgeordnete die Einladung ausspeche, beziehe sich die finanzielle Förderung der Reise immer auf die Fahrtkosten, heißt es beim Germersheimer Jugendamt. Die Verteilung erfolge nach Länderquoten. Jeder Bundestagsabgeordnete hat ein Besucherkontingent, unabhängig von der Parteizugehörigkeit und beantragt die Fahrten beim Besucherdienst des Bundestages oder Bundesrates. Es könne also nur ein Bundestagabgeordneter einladen, so das Amt. Das Abgeordnetenbüro helfe ausschließlich bei der Organisation des Besuchs im Bundestag. Das Jugendamt plant den weiteren Aufenthalt nach eigener Vorstellung, auch unabhängig von der Anwesenheit des Abgeordneten in Berlin. In diesem Jahr sei die Gruppe beispielsweise am Samstagabend im Bundestag (Reichstagsgebäude) und verzichte stattdessen auf den samstäglichen Besuch des „Alex“. „Die Förderkriterien verlangen ein klar definiertes politisches Bildungsprogramm“, heißt es in der Antwort des Jugendamtes auf die RHEINPFALZ-Anfrage. Die Mitarbeiter des Jugendamtes müssen nach der Reise einen Nachweis (Stempel der Einrichtung) über den Besuch verschiedener staatspolitischer Veranstaltungen einreichen. Der Zuschuss liege bei circa 650 Euro. Abzüglich der Teilnehmerbeiträge (280 Euro pro Person) und des genannten Zuschusses liege der Anteil des Germersheimer Jugendamtes bei ungefähr 1500 Euro. (tom)