Kreis Germersheim
Corona bremst Verkehr auf der Rheinbrücke
Geradezu eingebrochen ist 2020 die Entwicklung auf der Rheinbrücke Wörth/Karlsruhe. Dort fehlen wegen der Brückensanierung zwar die Zahlen für 2019. Aber gegenüber 2018 15 Prozent weniger Autos am Tag: Das bedeutet, dass im Schnitt etwa jeder siebte Fahrer daheim geblieben ist. Auf welche Fahrten da genau verzichtet wurde, darüber geben die Zählungen natürlich direkt keine Auskunft: Ist es alleine der Effekt der verstärkten Heimarbeit? Der macht sich auf jeden Fall auch darin bemerkbar, dass die morgendlichen Staus im Berufsverkehr „nicht mehr so arg“ sind, wie die Polizei Wörth beobachtet hat.
Und es müssten auch deutlich weniger Staus sein: Das lässt sich aus den Stunden-Belastungswerten ableiten. Ab etwa 4000 Fahrzeugen in der Stunde kommt die Rheinbrücke in der betroffenen Fahrtrichtung an ihre Kapazitätsgrenze, ein Stau wird wahrscheinlich. 2016 wurde diese Grenze in Richtung Karlsruhe 240 Mal überschritten; 2020 nur 22 Mal. In Richtung Südpfalz bietet sich das gleiche Bild, wenngleich auf einem viel höheren Niveau: 484 Mal wurde 2016 die 4000-Grenze überschritten, 54 Mal im Jahr 2020. In beiden Fahrtrichtungen also ein Rückgang um rund 90 Prozent.
Am Nachmittag Richtung Pfalz ist mehr los
Wobei diese Zahlen nebenbei zeigen, dass am Nachmittag Richtung Pfalz mehr los ist als im morgendlichen Berufsverkehr Richtung Baden – wahrscheinlich, weil sich dann Fernverkehr und Nahverkehr mischen. Allerdings ist die B 10 bis Wörther Kreuz dreistreifig und hat damit mehr Kapazität, während sie auf Karlsruher Seite kurz nach der Brücke auf zwei Fahrstreifen verengt wird.
Aber sicher spielen der Verzicht auf den Einkaufsbummel in Karlsruhe und die geschlossenen Kultureinrichtungen eine Rolle. Und es sind auch weniger Urlauber beispielsweise aus Belgien durch die Südpfalz gefahren. Etwas weniger ausgeprägt macht sich dieser Corona-Effekt bei der Zählstelle an der A65 bei Kandel bemerkbar.
Einreiseverbote
Zeitweise wegen der Einreiseverbote geschlossen war der Grenzübergang Bienwald auf der B9. Im Jahresschnitt führte das dazu, dass 30 Prozent weniger Autos die Grenze überquerten. Vieles dürfte hier dem Verzicht auf Ausflugs- und Einkaufsfahrten geschuldet sein. Denn die meisten Berufspendler aus dem Elsass arbeiten in der Produktion im Daimler Lastwagenwerk oder in anderen Industrie- und Handwerksbetrieben. Homeoffice war für sie also keine Option.
Im ganzen Kreis sinken wegen Corona die Verkehrszahlen, nur auf der Rheinbrücke Germersheim liegen sie weiter über Vor-Corona-Niveau. Der Grund liegt auf der Hand: Die beiden Brücken links und rechts der Germersheimer Brücke wurden 2019 (Rheinbrücke Wörth/Karlsruhe) und 2020 (Rheinbrücke Speyer) saniert. Erst in einem Jahr wird absehbar sein, ob bei Germersheim die Verkehrszahlen dauerhaft über das Niveau vor den Sanierungen steigen: vielleicht ja auch nur, weil sich einige Autofahrer an die Strecke gewöhnt haben.
Längst gewöhnt haben sich die Lastwagenfahrer an die Strecken durch unsere Region: Je nach Streckenabschnitt ist jedes 5. bis 7. Auto auf den Bundesstraßen und Autobahnen ein Laster. Sicher steuern viele von ihnen Ziele in der Südpfalz an. Aber rund 3000 Lastwagen täglich am Grenzübergang auf der Bienwald-B-9 machen deutlich, dass vor allem der Südkreis eine Transitregion ist. Aber das ist nichts Neues: Nur dass früher der Transportverkehr über die großen Bahnhöfe in Wörth und Winden abgewickelt wurde.