Rülzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Burkhard Müller Schmuck: Neue Chefs setzen auf Online-Handel

Sie übernehmen Burkhard Müller Schmuck: Die Tochter des Firmenchefs und ihr Mann, Claudia und Christian Tews.
Sie übernehmen Burkhard Müller Schmuck: Die Tochter des Firmenchefs und ihr Mann, Claudia und Christian Tews.

Burkhard Müller hat einen Teil seiner Schmuckfirma verkauft. Den Rest übernehmen seine Tochter Claudia und ihr Mann, Ex-Bachelor Christian Tews. Das sind die Pläne.

[Korrigiert: 29. Oktober 2025, 14.30 Uhr] „Ich habe Rosen gegen Schmuck ausgetauscht“, sagt Christian Tews, der ehemalige „Bachelor“ aus der gleichnamigen Fernsehshow zu dem von ihm vor elf Jahren eingeschlagenen neuen Lebensweg. In der Kuppelshow hat der Junggeselle von ihm auserwählten Damen Rosen übergeben. Wird er auf der Straße noch erkannt und auf seine damalige Rolle angesprochen? Hier in der Region sei er persönlich bekannt, da geschehe das nicht mehr. In Großstädten und auf Flughäfen hingegen schon. „Ich war der einzige Bachelor mit Glatze“, nennt er lächelnd einen Grund.

Im Weihnachts-Pop-up-Store in Rülzheim gibt es ab Anfang November jede Menge Dekoartikel fürs Fest.
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Nach der Fernsehshow hat er seine Frau kennengelernt, die er dann geheiratet hat – die Rülzheimerin Claudia Lösch, die Tochter von Burkhard Müller. Sie übernahm daraufhin seinen Namen und er nun ihre ursprüngliche Profession. Denn damals war sie noch im elterlichen Betrieb beschäftigt, bei Burkhard Müller Schmuck. Das Familienunternehmen war insbesondere bekannt geworden durch seine Schmucklinie Diamonfire. Diese hat Firmenchef Burkhard Müller vor Monaten an seinen englischen Distributor, die Firma Gecko verkauft. Nicht jedoch die Burkhard Müller GmbH, von der Müller zunächst nicht wusste, wie es mit ihr weitergehen sollte. Denn beide Töchter, die vor Jahren im Betrieb tätig waren, ehe sie sich andere Beschäftigungsfelder suchten, hatten zunächst kein Interesse, das Unternehmen fortzuführen.

Sinneswandel im Sommer

Im Sommer kam es dann bei Claudia und Christian Tews zum Sinneswandel. An einem schönen Augustabend haben sie sich nach einem Gespräch mit den Eltern doch entschieden, die Firma zu übernehmen, erzählen sie schmunzelnd. Die formelle Übergabe soll im Lauf des kommenden Jahres geregelt werden. Allerdings wollen sie das Unternehmen in anderer Form fortführen: weg vom stationären Handel hin zum Online-Handel. Außerdem wollen sie das Angebot verändern: „Weg vom üblichen Kleinschmuck, hin zu aufwändigem, extravagantem und farbenfrohem Design, insbesondere aus Italien – die sind da Vorreiter“, sagt Claudia Tews. Als Beispiel verweist sie auf den Cabochon-Schliff. Dabei handelt es sich um einen sehr alten sogenannten Glattschliff – unten flach, oben gerundet – für Schmucksteine, deren Farbe oder Muster hervorgehoben werden soll. Die seit 40 Jahren bewährte Basis bleibe, „aber nun wollen wir noch neue, innovative Trends aufgreifen“, ergänzt Christian Tews. Jede Frau soll etwas für ihren Geschmack finden, betont Claudia Tews. Schmuck für Männer habe man zwar nicht im Programm, „was nicht heißt, dass keine Männer willkommen sind“, fügt sie lächelnd hinzu.

Krippen gibt es im Weihnachts-Pop-up-Store auch ...
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Sie war nach eigenen Angaben 25 Jahre im Schmuck-Metier tätig, bevor sie etwas anderes machte. So habe sie die Shops der nun verkauften Marke Diamonfire in 25 Galeria-Kaufhof-Filialen aufgebaut, betreut, Mitarbeiter geschult und die Abrechnung übernommen. Zudem habe sie Schmuckstücke designt. Dass sie damals mit vielen Menschen zu tun gehabt habe, habe ihr dann bei ihrer folgenden Social-Media-Tätigkeit geholfen. In dem Metier ist übrigens auch ihre jüngere Schwester Anna-Maria Bartl als Content Creator engagiert. In den sozialen Medien ist Claudia Tews insbesondere auf Instagram aktiv, wo ihr nach eigenen Angaben rund 65.000 Leute folgen. Er, ebenfalls auf Instagram präsent, spricht von 55.000 Followern und weiteren 230.000 auf Facebook. Während sich Christian Tews auf den Themengebieten Essen, Kochen und Gewürze tummelt, geht es bei seiner Frau unter anderem ums Haus, Einrichtung, Tiere, Küche und Fashion. „Wir sind Markenbotschafter“, beschreibt sie das Tun.

Online-Shop geplant

Zudem erstellten sie Online-Shops, unterstützt von künstlicher Intelligenz (KI). Nächstes Jahr wollen sie ihren eigenen Online-Shop erstellen. Wie er heißen wird, wollen die beiden noch nicht verraten. Nur so viel: Das Angebot werde 12.000 bis 15.000 Schmuckstücke umfassen, teils aus eigener Kreation. Neben 925er Silberschmuck mit künstlich hergestellten Zirkonia-Kristallen, der den mit Abstand größten Anteil ausmache, soll Echtgold-Schmuck mit 8, 14 und 18 Karat hinzukommen. Vorher gelte es aber noch die vorhandenen großen Lagerbestände zu durchforsten und zu sehen, was davon vermarktbar ist. Der Schmuck sei zwar nicht alt, aber Trends wandelten sich, kämen wieder, „und die Materialentwicklung spielt auch eine Rolle“, sagt Claudia Tews.

... und Schmuck. Blick in den Verkaufsraum in Rülzheim.
... und Schmuck. Blick in den Verkaufsraum in Rülzheim.

Dass sich ihr Vater von der Marke Diamonfire trennte, sei ihnen bei der Entscheidung zur Betriebsübernahme durchaus entgegen gekommen, fährt sie fort. Claudia Tews weist darauf hin, dass man auch noch über die Produktionsstätte ihres Vaters in Indonesien mit etwa 100 Mitarbeitern verfügt. „Nicht, dass wir an der Marke Diamonfire zweifelten, die Potenzial hat, aber der Einzelhandel hat Probleme.“ Und die Betreuung der Kunden, der Juweliere, bedeute mehr Aufwand, fügt er hinzu. Für den geplanten Online-Verkauf von Burkard-Schmuckstücken, der eingeführte Name soll erhalten bleiben, können sie ihre in den vergangenen Jahren aufgebauten Online-Strukturen nutzen, sind beide überzeugt.

Mehr Platz für Weihnachtsartikel

Um stationären Handel geht es indes zunächst im nächsten Projekt, das nun vor deren Tür steht. Von 3. November bis 23. Dezember wollen sie auf dem Firmengelände in der Mauritiusstraße 40-46 in Rülzheim die Türen ihres „Christmas-Pop-up-Stores“ öffnen. In diesem Geschäftszweig mit Weihnachtsdekorationsartikeln unterstützten sie schon seit mehreren Jahren ihre (Schwieger-)Eltern. Allerdings hätten sie in den vergangenen Wochen die Verkaufsfläche unter dem Dach des Gebäudes deutlich vergrößert und die Einrichtung verschönert. Der Weihnachtsmarkt soll in den nächsten Jahren schrittweise verändert werden und mit zusätzlichen Angeboten locken. Der Schmuckverkauf werde beibehalten.

Das Sortiment, das großteils Silberschmuck (Foto) umfasst, soll um Goldschmuck erweitert werden.
Das Sortiment, das großteils Silberschmuck (Foto) umfasst, soll um Goldschmuck erweitert werden.

Wie das in Familienunternehmen wohl üblich ist, machen sich auch Claudia (49) und Christian Tews (45) bereits erste Gedanken um ihre Nachfolge. Sie hat aus der ersten Ehe mit ihrem früh verstorbenen Mann einen Sohn und eine Tochter. Zwei weitere Töchter, Zwillinge, kamen in der Ehe mit Christian Tews hinzu. Momentan hoffen beide, dass die älteste Tochter einmal in ihre Fußstapfen treten und die Firma übernehmen wird. Sie habe Online-Marketing und Medienmanagement studiert und arbeite in der Social-Media-Abteilung eines namhaften großen in der Region ansässigen Unternehmens. Rosen verkauft dieses zwar nicht, aber Rosenwasser.

Korrektur

In der ursprünglichen Textfassung hieß es, dass sich Claudia und Christian Tews in der Fernsehshow kennengelernt hatten. Tatsächlich jedoch lernte er seine jetzige Frau, die damals Claudia Lösch hieß, erst danach kennen. Zu den beiden Kindern, die sie mit ihrem ersten Mann hatte, ein Sohn und eine Tochter, kamen noch die Zwillinge hinzu. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

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