Interview
Familienalltag und Instagram: Anna-Maria Bartls Weg zum Erfolg
Was unterscheidet deine Arbeit als Content Creator in den digitalen Medien von denen der sogenannten Influencer?
Als Content Creator geht es mir darum meine Community zu inspirieren. Der Begriff „Influencer“ ist in letzter Zeit in Verruf geraten, weil er suggeriert, dass es um eine Beeinflussung geht. Ich sage meinen Followern und Followerinnen aber nicht „kauf’ dieses oder jenes“. Ich zeige Dinge, von denen ich selbst überzeugt bin und stelle sie ehrlich und authentisch vor. Mir ist es bei meinem Beruf sehr wichtig, kreativ und flexibel arbeiten zu können. Und so lange das gelingt, habe ich Spaß an dem, was ich tue.
Wie muss man sich eine Arbeitswoche bei Dir vorstellen?
Ich zeige meinen ganz normalen Alltag mit drei Kindern, stelle Kochrezepte, Pflegeprodukte oder Sachen für die Familie vor. Das muss unbedingt zu mir passen, alles andere macht keinen Sinn. Im letzten Jahr habe ich mich zudem verstärkt mit einem positiven Mindset befasst und damit, wie man an persönlichen Herausforderungen wachsen und sich weiter entwickeln kann. Und ich habe für mich selbst festgelegt, dass ich nur eine Werbung am Tag mache, obwohl ich deutlich mehr Anfragen habe. An zwei Tagen in der Woche halte ich meinen Kanal komplett werbefrei und sonntags ist in der Regel der Tag, an dem ich gar nicht bei Instagram online bin.
Das klingt nach mehr als einer 40-Stunden-Woche.
Das ist es. Um ehrlich zu sein, ist es ein 24/7-Job. Es passiert ja sehr viel, was man auf Instagram gar nicht sieht. Ich beantworte beispielsweise täglich mehrere Stunden am Tag Nachrichten, die mir Follower und Followerinnen persönlich schreiben.
Wie wird man denn Content Creator? Das ist ja nun kein klassischer Ausbildungsberuf.
Nach meinem Abitur auf dem Goethe-Gymnasium in Germersheim habe ich zunächst internationales Management studiert und bei L`Oreal gearbeitet. Mich hat es zurück in die Heimat gezogen und ich bin ins Schmuckunternehmen meiner Eltern eingestiegen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt knapp 10.000 Menschen, die mir privat auf Instagram gefolgt sind. Und ich habe festgestellt, dass sich gute Synergieeffekte bilden und ich Menschen auf diesem Weg erreiche, um Marketing fürs Geschäft zu machen. Nach der Geburt meines zweiten Kindes ist der Account dann immer weiter gewachsen und ich habe mich verstärkt darauf konzentriert. Man kann ja sehr flexibel arbeiten, was gerade mit Blick auf kleine Kinder eine gute Sache ist.
Und wie ist der Account dann so groß geworden?
Als ich bei rund 25.000 Followern und Followerinnen war, habe ich mir ein Management gesucht. Die vielen Anfragen von Werbepartnern, Rechnungen schreiben und Verträge durchsehen – das entwickelt eine ganz eigene Dynamik und nimmt viel Zeit in Anspruch. Und dann hat man natürlich ein Netzwerk und die Agentur schlägt einen auch für Events oder Kampagnen vor.
Was würdest du sagen: Warum folgen dir so viele Menschen?
Ich bin einfach sehr authentisch und ungefiltert. Ich habe auch schon vor der Kamera geweint – so bin ich eben und das gehört zu mir. Ich mache den Leuten nichts vor, sondern bin die echte Anna aus der Pfalz und ich glaube, gerade das wird in der Scheinwelt, die Social Media nun mal auch ist, von meiner Community gesehen und wertgeschätzt.
Wie reagieren die Leute, wenn sie dich im echten Leben treffen?
Meistens freundlich und etwas aufgeregt. Oft ist es aber so, dass ich eine Nachricht bekomme „Hei, ich habe dich gerade eben im Supermarkt gesehen“. Da schreibe ich zurück, dass man mich gerne ansprechen darf. Ich freue mich darüber.
Und wie ist es mit Kritik und Hass? Das kennst du sicher auch.
Im echten Leben passiert das eigentlich nie, dass ich negativ angegangen werde. Aber Online, oh ja, da gibt es viele Kritiker und Kritikerinnen. Ich habe überhaupt kein Problem, wenn das konstruktive und höflich formulierte Kritik ist und reflektiere mich und meine Arbeit sowieso viel. Aber meistens ist es eher in der Richtung „du bist scheiße!“ oder so. Da werden sich sogar Fake-Accounts angelegt, um unerkannt beleidigen zu können. Das ist nicht immer einfach und mal kann man das besser ab und mal geht es einem näher.
Was würdest du denn jungen Leuten empfehlen, die den Berufswunsch Content Creator haben?
Ihr braucht ein dickes Fell. Aber ich bin ganz fest davon überzeugt, dass man das, was man tut, lieben sollte. Und wenn der Traum ist, Youtuber zu sein, versuch das! Der Job muss einem Spaß machen und so lange das bei mir der Fall ist und ich kreativ sein kann, werde ich weiter machen.
Wobei es ja schon sein kann, dass es Instagram irgendwann einfach nicht mehr gibt. Wie würde es dann für dich weiter gehen?
Man muss sich schon mehrere Standbeine aufbauen. Eher zufällig hat es sich für mich ergeben, dass ich mittlerweile auch einen Podcast habe, der Sprechsalat heißt. Ich habe einfach so viel zu erzählen, dass es meine täglichen Storys sprengt (lacht). Und vor ein paar Wochen gab es das erste Live-Event. Es lief so gut, dass bereits das zweite in Planung ist. Mit meinem Lebenspartner bin ich zudem in der Eventplanung tätig. Das ist auch ein Bereich, der sich super mit Social Media, Merchandising und Content Creation verbinden lässt.
Info
Das Profil von Anna-Maria Bartl findet man auf Instagram unter annamaria.bartl. Für das zweite Live-Event „Sprechsalat“ am Samstag, 15. Februar 2025, gibt es Tickets unter der Internetadresse: www.eventim-light.com.
