Kandel Briefmarkenfreunde: Großtauschtag begeistert Sammler noch immer
Rund 60 Doppeltische waren aufgestellt, auf denen die Sammler ihre Schätze präsentieren konnten. Ein Philatelist kam sogar mit dem Zug aus der Schweiz, trug seine Schätzchen vom Bahnhof in die Bienwaldhalle. Bei weitem nicht nur Briefmarken, sondern auch viele Ansichtskarten und auch noch einige Telefonkarten, an die sich Jüngere vermutlich gar nicht mehr erinnern können.
Auch unter den Philatelisten, den Fachleuten für Briefmarken, sind kaum noch jüngere Sammler vertreten. Dennoch, davon ist Ben Stoner überzeugt, wird das Hobby „Briefmarkensammeln“ auch in Zukunft betrieben werden. Der Deutsch-Amerikaner Stoner ist seit einiger Zeit Vorsitzender des Kandeler Vereins und spricht beim Großtauschtag mit vielen, die in die Bienwaldhalle kommen. Die einen wollen nur schauen, ganz allgemein oder gezielt, je nach Interessenlage. Manch einer schaut auch auf den Preis, der verlangt wird und vergleicht. Letzte Woche war Großtauschtag in Bruchsal, da gab es 100 Marken für 15 Euro, erzählt einer, da sind die 50 Cent für eine Marke doch schon viel, meint er kritisch und überlegt, ehe er zugreift.
Demnächst sieht man sich vielleicht wieder in Baden-Baden. In Karlsruhe, so ist zu hören, macht man derzeit nichts mehr. Ben Stoner spricht den einen oder anderen, mit „junger Mann“ an, was viele mit Humor aufnehmen. Die meisten sind jenseits der 60, die hierher kommen. Das Durchschnittsalter der Mitglieder im Kandeler Verein, sie kommen aus der ganzen Südpfalz, liegt bei 69 Jahren, hat er ausgerechnet, kurz nachdem er die Nachfolge von Hans Hagenbucher angetreten hat. Dessen Vorgänger Wolfgang Pausch war jahrzehntelang Vorsitzender, auch er lässt es sich nicht nehmen, in die Halle zu kommen mit seinen 86 Jahren. Das Hobby fasziniert ihn noch heute, ebenso auch Pressewart Udo Loreth, der immer wieder ganze Sammlungen angeboten bekommt, für die sich in den Familien der Sammler niemand mehr interessiert.
Sicher, die Preise sind am Boden, so hört man, außer für ganz wenige und erlesene Stücke. Aber die Besucher des Großtauschtages kommen nicht, um das große Geschäft zu machen. Sie hängen an den zackigen Produkten, an ihren Sammlungen, zur DDR etwa oder zu Danzig, zu Feldpostkarten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Nicht wenige verlassen die Halle mit ihren Kisten voller Alben mit Ansichtskarten, Briefmarken oder Münzen. Nicht alle haben etwas verkauft, und nicht alle fanden das, was sie suchten. Aber viele wirken doch zufrieden, , weil man sich gut um sie gesorgt hat.