Rülzheim
Blockierte Brücke: Landwirt will Abriss verhindern
Der Hördter Landwirt Markus Fischer ist genervt: Schon lange kann er nicht mehr mit seinen Traktoren über eine Brücke auf einem Wirtschaftsweg beim Rülzheimer Gewerbegebiet fahren. Die Eigentümerin, die Deutsche Bahn (DB), hatte sie gesperrt, nachdem ein Landwirt-Kollege mit einer Egge das Geländer touchiert hatte. Das war im Oktober 2022. Behoben ist der Schaden noch nicht. Der Übergang ist mit Beton-Barrikaden abgesperrt. Für Fischer und andere Landwirte bedeutet das lange Umwege, teilweise durch den Ort.
„Für uns Landwirte war diese Brücke so wichtig“, sagt der Tabak- und Spargelbauer. „Wir konnten dem ganzen Verkehr ausweichen bis nach Herxheimweyher.“ Jetzt müsse er mit den schweren Maschinen durch Rülzheim fahren, um Äcker hinter der Bahnlinie zu erreichen. Das sei nicht nur eine gute Viertel Stunde länger Fahrzeit für ihn und die anderen Landwirte, sondern halte auch den innerörtlichen Verkehr auf. Er habe auch schon Radfahrer beobachtet, die über die Absperrung klettern.
Bahn: Bauern sollen Brücke umfahren
Seit über einem Jahr kämpft Fischer nun darum, dass der Weg wieder freigemacht wird, führte Gespräche mit politischen Amtsträgern, Abgeordneten und der Rülzheimer Verwaltung. Dadurch hat er erfahren, dass die Brücke abgerissen werden soll. Das bringt ihn auf die Palme.
„Wir können gut verstehen, dass die Situation durch die gesperrte Brücke für die Landwirte nicht zufriedenstellend ist“, so eine Bahnsprecherin auf RHEINPFALZ-Anfrage. Eine schnelle Lösung werde gesucht. „Auch mit der Landwirtschaftskammer stehen wir hierzu im Austausch.“ Die Brüstung sei geprüft und die Brücke daraufhin aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Eine Reparatur sei wegen des Umfangs der Schäden nicht möglich. Auf den Abriss will sich die Bahn in ihrer Antwort nicht festlegen: Auch ein Rückbau der Brücke werde geprüft, heißt es. „Aus unserer Sicht bestehen günstige Umfahrungsmöglichkeiten.“
Für Radverkehr unwichtig
Schützenhilfe erhielt Markus Fischer von Andy Becht (FDP), Staatssekretär im Mainzer Verkehrs- und Landwirtschaftsministerium. Ihm hatte die DB ausführlicher ihre Sicht geschildert: Die Instandsetzung der stark beschädigten Brücke sei wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Sie habe keine „Betriebsrelevanz“ für die DB Netz AG und soll nicht erneuert werden. Sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung, 1,5 Kilometer weiter, gebe es andere Kreuzungsmöglichkeiten: im Ortsbereich Rülzheim und beim Birkenhof Bellheim.
Nach dieser „negativen Stellungnahme“ der DB hat das Ministerium „alternative Finanzierungsmöglichkeiten zur Instandsetzung“ der Brücke geprüft. „Die Förderung über ein Radwegeprogramm scheidet leider aus“, teilt Becht dem Hördter Landwirt mit. Sie habe keine wichtige Funktion für den Radverkehr. Sie liege zudem außerhalb des angrenzenden Flurbereinigungsgebiets, so dass auch darüber kein Geld zu erwarten wäre.
Ein letzter Funken Hoffnung
„Die Brücke ist jedoch Teil eines landwirtschaftlichen Verbindungsweges“, so der Staatssekretär. Grundsätzlich bestehe für die Verbindung über die desolate Brücke daher die Fördermöglichkeit im Rahmen des „landwirtschaftlichen Wegebaus außerhalb der Flurbereinigung“. Den Antrag dafür müsste die Gemeinde stellen. Zuvor müssten vor Ort die Kosten ermittelt und die Finanzierungsbeteiligung geklärt werden.
„Neben der Klärung offener Fragen (Haftpflichtbeteiligung des Schadenverursachers, erforderliche Planfeststellung zum Rückbau der Brücke) sind in jedem Fall weitere Abstimmungsgespräche zwischen den örtlichen Akteuren erforderlich, bei denen auch die Nachteile der landwirtschaftlichen Betriebe quantifiziert werden sollten“, erläutert Andy Becht. Und zu guter Letzt müsste der Weg im Auswahlverfahren des Förderprogramms bestehen.
Markus Fischer hadert mit der bisherigen Unterstützung der Verwaltung vor Ort und pocht auf einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, um den Abriss der Brücke zu verhindern: „Ich bestehe darauf, dass das nochmal diskutiert wird.“