Kreis Germersheim / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Beregnung: Eine bessere Kontrolle ist möglich

Ohne Beregnungsanlagen geht auf vielen Äckerin der Südfpfalz nichts mehr.
Ohne Beregnungsanlagen geht auf vielen Äckerin der Südfpfalz nichts mehr.

Trinkwasser ist noch nicht knapp, aber es wird weniger. Ein Grund, Großverbrauchern auf die Finger zu schauen. Dabei sollen neue Wege gegangen werden.

Maximal 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser dürfen Landwirte im Kreis Germersheim jährlich verbrauchen. So hoch ist die genehmigte Entnahmemenge für die 475 Beregnungsbrunnen. Zum Vergleich: Die Wasserversorgung Germersheim Südgruppe (Jockgrim) versorgt 17.000 Haushalte mit jährlich 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser, die Getränkefabrik in Wörth verbraucht 1,2 Millionen Kubikmeter.

Wie viel Grundwasser wirklich auf die Felder rieselt, steht auf einem anderen Blatt. Wenn es genug regnet, wird es sicher auch mal weniger sein. Mancher Landwirt verbraucht aber auch mehr Wasser als er dürfte. Das war auch in diesem langen, heißen und trockenen Sommer der Fall. „Hier laufen Ordnungswidrigkeitsverfahren“, sagt Hannes Kopf, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (Neustadt). Da es sich um laufende Verfahren handele, könne er keine näheren Auskünfte geben.

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Wasserzähler müssen abgelesen werden

Kopf macht aber keinen Hehl daraus, dass er mit den derzeitigen Überwachungsmöglichkeiten nicht zufrieden ist. Derzeit werden die Entnahmemengen nur mit Stichproben überprüft. Dazu müssen die Wasserzähler vor Ort an den Brunnen abgelesen werden. Zusätzlich können die Prüfer das Betriebstagebuch anfordern, in dem der Landwirte die entnommenen Wassermengen aufzeichnen muss. Das heißt, die zuständigen Beamten müssen auf die Felder fahren. Und das kostet viel Zeit.

„Für den Aufgabenbereich der landwirtschaftlichen Beregnung stehen 1,5 Stellen zur Verfügung“, sagt Kopf. Zuständig sind die Beamten für insgesamt 2500 Beregnungsbrunnen mit einer genehmigten Entnahmemenge von 10 Millionen Kubikmeter. An eine lückenlose Kontrolle der Wasseruhren ist da nicht einmal ansatzweise zu denken. Das kann sich aber ändern.

Bundesweites Pilotprojekt

„Die Überwachung könnte wesentlich verbessert werden, wenn die Messung nicht über die herkömmlichen Wasseruhren, sondern über digitale Messtechnik erfolgen würde“, sagt Kopf. Deshalb habe die SGD Süd mit einem bundesweit einmaligem Pilotprojekt begonnen. Offenbar mit Erfolg: „Es wäre sinnvoll, die digitale Überwachung flächendeckend auszuweiten“, so Kopf.

Die engmaschigere digitale Überwachung könnte mit der geplanten Einführung eines Wassergeldes für Grundwasserentnahmen zur landwirtschaftlichen Beregnung Hand in Hand gehen – „gegebenenfalls auch durch Personalzuwachs“, so Kopf. Das Wassergeld sei im Koalitionsvertrag der Mainzer Landesregierung vereinbart. Dafür sei eine digitale Mengenerfassung vorgesehen, so Kopf. An entsprechenden Konzepten werde gearbeitet.

Das Grundwasser wird weniger

Die Notwendigkeit liegt auf der Hand: Grundwasser und Trinkwasser werden weniger. „Bei den Grundwassermessstellen war im Jahr 2003 ein deutlicher Rückgang des Grundwasserstandes zu beobachten“, so Kopf: „Seitdem bewegen sich die Grundwasserstände auf einem niedrigerem Niveau.“ Das hänge mit den geringeren Niederschlägen im Winter zusammen. Die Folge: Es bildet sich weniger neues Grundwasser.

Dennoch sei beim Trinkwasser die Versorgungssicherheit im Kreis Germersheim gewährleistet, versichert Kopf. Es gebe auch qualitativ keine Einschränkungen. Aber eine übermäßige Entnahme von Grundwasser für Beregnungszwecke könnte eine Absenkung des Grundwasserspiegels zur Folge haben.

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