Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Baumkletter-Wettbewerb: Ein Punktrichter sitzt im Baumwipfel (mit Bildergalerie)

Moritz hat es bis in die Baumkrone geschafft.
Moritz hat es bis in die Baumkrone geschafft.

35 Baumkletterer, über 40 Helfer, zahlreiche Zuschauer: Das war bei den Süddeutschen Meisterschaften am Schwanenweiher geboten.

Wer an diesem Wochenende in der Nähe des Schwanenweihers spazieren ging, der sah viele Menschen, die ihre Blicke nach oben richteten– wegen der Menschen, die sich hier in den mächtigen Baumkronen tummelten. Und Aufgaben erfüllten, die mit Punkten auf einem Bewertungsbogen registriert wurden. Dabei ging es vor allem um die Sicherheit bei der nicht ungefährlichen Arbeit in großer Höhe. Am Schwanenweiher wurden erstmals die süddeutschen Meisterschaften im Baumklettern ausgetragen.

Die Juroren werfen einen kritischen Blick nach oben.
Die Juroren werfen einen kritischen Blick nach oben.
Die Zuschauer haben sich Stühle mitgebracht.
Die Zuschauer haben sich Stühle mitgebracht.
Auch das Hochklettern wurde bewertet, wie hier bei Helen Hümmert,
Auch das Hochklettern wurde bewertet, wie hier bei Helen Hümmert,
Moritz Käther im Baum.
Moritz Käther im Baum.
Die Bodenstation mit der Ausrüstung.
Die Bodenstation mit der Ausrüstung.
Die Baumkletterer haben ihr Lager beim Parkplatz aufgeschlagen.
Die Baumkletterer haben ihr Lager beim Parkplatz aufgeschlagen.
Auch am Sonntag waren Zuschauer gekommen.
Auch am Sonntag waren Zuschauer gekommen.

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Die achten ihrer Art, mit 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die aus ganz Deutschland und aus Nachbarländern wie Niederlande, Belgien oder der Schweiz angereist waren, wie wir von Lars Wagner aus dem Landkreis Reutlingen erfahren können. Selbst aus Spanien war eine Teilnehmerin dabei. Zudem waren etwa 40 Helferinnen und Helfer erstmals in die Südpfalz gekommen, wo man sich, so Wagner, „super nett“ aufgehoben fühlen durfte. Es fehlte an nichts, die Stadt spielte mit und reservierte den Parkplatz vor dem Stadion für die Baumkletterer, die es auch nachts naturverbunden liebten und in Zelten oder in kleinen Wohnmobilen nächtigten. Und überhaupt: Ein solches Entgegenkommen wie in Kandel habe man bisher nicht so oft erfahren, berichtet Pressesprecher Wagner.

Fünf Aufgaben zu bewältigen

Nach seiner Einschätzung werde man gerne wieder an das ideal gelegene Gelände am Schwanenweiher kommen. Fünf Stationen mussten von den Teilnehmern bewältigt werden. Da waren dünne Schnüre mit Gewicht durch verschiedene Astgabeln zu werfen. Die Höhe der Astgabel war ausschlaggebend für die Punktzahl. Nur wenn die Sicherungen funktionieren, die Seile gut anliegen, können Aufstiege gestartet werden. Gerufen werden die Baumkletterer ja meist, wenn man mit anderen Hilfsmitteln nicht mehr in die Höhe kommt, von Gemeinden wie von Privatpersonen.

In Kandel hatte man mit dem Hubsteiger zuvor schon alles entfernt, was nicht mehr als „trittfest“ angesehen wurde. Schnelligkeit und Trittsicherheit wurden hier getestet, etwa von Helen Hümmert. Die Höhe von 21 Metern zu erreichen und dafür noch nicht mal eine Minute zu benötigen, sei das Ziel im Wettbewerb. Und an einer weiteren Station galt es, sich von Ast zu Ast zu hangeln. Gesägt wurde beim Wettbewerb zwar nicht direkt, aber ein Geräusch musste erzeugt werden, Beweis genug, dass man an der geforderten Stelle war. Und dann hieß es „Vorsicht!“, denn ein Holzstück war von ganz oben nach ganz unten, in einen bereitstehenden Behälter, zu werfen.

Beifall bei Rückkehr auf Boden

Die Punktrichter standen nicht nur unten. Einer saß ganz oben und verfolgte die Schritte und Aktionen des jeweiligen Teilnehmers, der natürlich gut gesichert agierte. Und sich des Beifalls aller sicher sein durfte, wenn sie oder er dann wieder zurück war und festen Boden unter den Füßen spürte. Auch Schnelligkeit und eine effiziente Aufstiegstechnik waren beim schnellen Aufstieg gefordert. Und immer wieder spendeten die Beobachter, die sich vor allem am Sonntag einfanden, Beifall für gekonnte Übungen der Kletterer.

Der Wettbewerb, so erzählte uns Lars Wagner, sei eigentlich aus den Sicherheitstrainings entstanden. Zwischenzeitlich gibt es mit dem ISA (International Society of Arboriculture) einen Weltverband der Baumkletterer, dessen Präsidentin Sharon Jean-Philippe schon am Samstag am Schwanenweiher vorbeischaute. Sie hatte als Naturwissenschaftlerin gerade in Karlsruhe zu tun. Nicht mehr beobachten konnte die ISA-Weltpräsidentin den entscheidenden Wettkampf am Sonntag.

Auch neun Frauen am Start

In zwei geschlechtsspezifischen Gruppen galt es, unter den kritischen Augen der Punktrichter, einen Parcours zu absolvieren. Dazu mussten alle sechs, je drei Frauen (insgesamt beteiligten sich neun Frauen an den Süddeutschen Meisterschaften) und drei Männer, Starter ihre eigene Ausrüstung mitbringen. Es galt, die Seile mithilfe einer Schleuder punktgenau in die Äste zu katapultieren, sie dort zu befestigen und schließlich rasch selbst in die Höhe zu klettern.

Oben angekommen, mussten fünf Eimer mit der Baumsäge angeschlagen werden, wenn die Glocke zu hören war, gab es einen Punkt. Zwischendurch war aber noch von einer Baumkrone in die Wipfel des Nachbarbaumes zu klettern. Dann waren drei Holzteile in den bereitgestellten Kübel zu werfen, was aber auch nicht immer gelang. Der Kommentator erläuterte nicht nur die Aufgaben, er ermunterte auch, spornte an und gab immer wieder die Zeiten durch. Für jeden Durchgang standen genau 40 Minuten zur Verfügung.

Nach 13 Minuten war etwa Moritz Käther oben angekommen, die dritte Glocke hatte er nach 26 Minuten angeschlagen, aber auch drei Holzstücke neben den Behälter geworfen. Das kostete wertvolle Punkte, obwohl es für ihn später doch noch für den zweiten Platz reichen sollte. Alle Schritte wurden von den Punktrichtern aufmerksam verfolgt, die Bewertung notiert. Bis zu 300 Punkte waren übrigens zu erreichen. Katja Isele aus Karlsruhe, die am Sonntagmorgen als erste an den Start gegangen war, zeigte sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ erfreut über die „schöne Location“ und die ausgesprochen gute Atmosphäre in der Bienwaldstadt sowie den freundlichen Empfang.

Am Abend war sie etwas enttäuscht: Mit nur einem Punkt Rückstand auf Bettina Schimmelpfennig aus Konstanz eroberte sie den zweiten Platz vor Verena Paul aus Hohenstein Alb. Bei den Herren ging Felix Lacher (Freiburg im Breisgau) als Sieger der achten Süddeutschen Baumkletterer-Meisterschaften hervor, Moritz Käther (Lamspringe) und Robin Mayer, der aus Bielefeld angereist war, folgten auf den Plätzen zwei und drei. |fh

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