Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Aus der Geschichte lernen

Selbst solche „Angebote“ gibt es kaum noch.
Selbst solche »Angebote« gibt es kaum noch.

Auf die Wohnungsnot in den 1950er Jahren haben die Gemeinden mit Zwangsbelegungen reagiert. Rechtlich wäre da manches heute noch möglich.

Einerseits möglichst Dächer und Wände begrünen, andererseits möglichst viele Solarpaneele anbringen – auch für Laien wirken einzelne Festlegungen der geplanten Kandeler Wohnbau-Richtlinie zumindest tendentiell widersprüchlich. Und wenn selbst die sehr engagierte und findige Wohnbau Wörth Bauvorhaben einstellt, dann sagt das alles über die derzeitige Situation beim Wohnungsbau.

Das bedeutet, eine Wohnbau-Richtlinie wird auf absehbare Zeit Neubauten tendentiell verhindern. Das ist besonders schlimm für die, die sich möglicherweise bald überhaupt keine Wohnung mehr leisten können: beispielsweise Rentner und Alleinerziehende.

Jetzt rächt es sich, dass viele Kommunen ihren Wohnungsbestand verkauft haben. Zwar könnten sie bei frei werdenden Grundstücken oft von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen – aber dafür fehlt das Geld. Alles weg, für was auch immer.

Kurzfristige Lösungen gibt es keine? Nun, der Verein „Grüne Lunge Kandel“ verweist auf die 50er Jahre. Damals standen einem Deutschen nur 15 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung, gegenüber 45 Quadratmeter heute. Stimmt, die Wohnungsnot war damals groß. Reagiert hat die Bundesregierung mit massiven Bauförderprogrammen. Und die Gemeinden mit Zwangsbelegungen: Wer Platz hatte, musste Menschen aufnehmen. Rechtlich wäre da manches auch heute noch möglich.

Aber man kann aus der Geschichte auch lernen, ohne sie zu wiederholen: Wir müssen nach neuen Ideen suchen, dürfen nicht auf unserem Besitzstand beharren.

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