Kandel
Auch sozialer Wohnungsbau auf ehemaligem DBK-Gelände
Seit dem Jahreswechsel ist der Ofenbau bei der Firma David + Baader (DBK) in Kandel Geschichte. Das Gelände im Süden der Stadt liegt brach. Aber es gibt die Idee, die Fläche in ein grünes, locker bebautes Wohngebiet umzuwandeln. Umsetzen will diese Pläne die S-Baugrund Südpfalz GmbH, ein Tochterunternehmen der Sparkasse. Dem Stadtrat wurde das Projekt Ende November 2020 präsentiert. Denn ohne die Beteiligung der Kommune geht auf diesem Privatgelände nichts: Für eine Wohnnutzung muss der Bebauungsplan geändert werden.
Sozialwohnungen auf Zeit
Nun gibt es einen Art kleinsten gemeinsamen Nenner: 20 Prozent der Wohnfläche soll als geförderter sozialer Wohnungsbau geschaffen und ab dem Bezug auch für 15 Jahre als solcher erhalten werden. Danach könnten die Mieten im gesetzlichen Rahmen erhöht werden, erläutert S-Baugrund- Geschäftsführer Stefan Langer, auf Anfrage der RHEINPFALZ. Sollte eine der Wohnungen nach diesem Zeitraum neu vermietet werden, würde sich die Miete dann „am Markt orientieren“.
Auch sollen 20 Prozent der Mehrfamilienhäuser für einen noch zu definierenden Zweck zur Verfügung stehen, zum Beispiel für Betreutes Wohnen oder medizinische Versorgung. Je Kettenhaus werden zwei Stellplätze errichtet, die sich auf dem jeweiligen Grundstück befinden. Die Anzahl der Stellplätze für die Mehrfamilienhäuser sollen sich an der Wohnform und Nutzungsart orientieren, maximal soll es 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit geben. Der Abstand zum „Hintergraben“ soll von 10 auf 15 Meter verlängert werden.
Bei dem Industriegelände geht um eine Fläche von 18.400 Quadratmetern, die zu 70 Prozent mit Pflaster, Asphalt oder Beton verdichtet ist. „Das Gelände ist ein Fremdkörper in dieser Lage“, warb Niedermeier um Zustimmung. Der jetzige Zustand sei in dem Fall schlechter als das, was kommen werde. „Wir bekommen was wir immer fordern: Wohnraum, Wohnraum, Wohnraum.“ Wenn die Sparkasse die Fläche von DBK nicht kaufen würde, könnten andere Interessenten zum Zug kommen, mahnte Ulrike Regner (Grüne). „Da könnte dann auch ein Mini-Amazon hinkommen“, also zum Beispiel Logistik oder Lagerfläche. Eine Wohnbauung wäre eine geschickte Zwischenlösung.
Anwohner dürfen weiter nicht bauen
Doch warum muss ein neues Wohngebiet so heftig beworben werden? Hier lohnt ein Blick in die Geschichte: Die Firma DBK hatte damals eine eigene Anbindung bekommen, die am Lidl vorbei führt und Teil eines größeren Umgehungsplans des früheren Stadtbürgermeisters Günther Tielebörger (SPD) war. Doch das Gelände bot zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten, DBK siedelte in einen Neubau nach Rülzheim um. Nur der Ofenbau blieb bis Ende 2020 in Kandel. Gleichzeitig hatten die Anwohner in den Unterkandeler Krautgärten, deren Grundstücke und Kleingärten an die DBK-Fläche grenzen, immer mit strengen Vorgaben zu kämpfen.
Und darum dreht sich eigentlich die Debatte: Warum wird den Anwohnern das verwehrt, was bald ein paar Meter weiter erlaubt ist, nämlich Wohnbebauung. Während SPD und Freie Wähler hier gerne direkt in eine Bebauungsplanung für das gesamte Areal einsteigen würden, halten die Grünen strikt daran fest, dass Wohnbebauung alleine auf der Industriebrache möglich sein soll. Der übrige Grünstreifen aus Kleingärten sollte als Grün erhalten bleiben.
Die CDU stellte sich komplett hinter das Projekt, auch wegen der „hervorragenden Lage“: Nahe zur Innenstadt, nahe zum Wald, nahe zur Autobahn. Gleichzeitig träumt die FDP ihrer eigenen Aussage zufolge von der Weiterführung der Umgehung, während die Linke ganz grundsätzlich für die Wohnbebauung ist.
Drohkulisse Spedition und Logistik
„Das ist kein Entgegenkommen an DBK“, sagte Stadtbürgermeister Niedermeier deshalb deutlich. Bei einem anderen Investor als der S-Baugrund hätte die Stadt kein Mitspracherecht. Als einer der Träger der Sparkasse sei man nicht nur als Planungsbehörde im Boot. Er wisse von Anfragen von Speditionsfirmen für Lagerhallen. Doch mit der Zustimmung zu dem Wohnprojekt könne die Stadt einen Schlussstrich unter das Kapitel DBK in Kandel ziehen.
Die Änderung des Bebauungsplans wurde einstimmig bei fünf Enthaltungen angenommen. Damit der Beschluss auch in Pandemiezeiten wasserdicht ist, fand die Stadtratssitzung nicht virtuell, sondern in Präsenz in der Bienwaldhalle statt. Niedermeier kündigte außerdem an, dass über die Zukunft der begonnenen Umgehungsstraße und die Möglichkeit einer weiteren Wohnbebauung in den „Unterkandeler Krautgärten“ an anderer Stelle diskutiert werden soll.