Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel 19 Menschen spenden Organe

Bei Transplantationen muss es schnell gehen.
Bei Transplantationen muss es schnell gehen.

Für Klaus Lienert begann vor zehn Jahren ein neues Leben. Mit einer Spender-Lunge. Die Asklepios-Klinik Kandel spielt bei Organentnahmen eine wichtige Rolle.

„Ich empfinde es als ein absolutes Wunder und zähle seitdem nur noch die Tage, nicht mehr die Jahre, die mir geschenkt wurden.“ Mit diesen Worten schildert Klaus Lienert aus dem badischen Appenweier seine Erfahrung mit einem gespendeten Organ. Lienert lebt seit nunmehr zehn Jahren mit einer neuen Lunge, die ihm an der Uniklinik in Freiburg transplantiert wurde. Ansonsten hätte er nicht weiterleben können. Einige Jahre zuvor habe es angefangen mit den Schmerzen beim Atmen, er konnte kaum noch Treppen steigen. Und das war für den „Draußen-Menschen“, wie sich Lienert selbst bezeichnet, der sich immer gerne sportlich betätigte und an der frischen Luft bewegte, besonders schlimm.

Die Ärzte sahen keine andere Möglichkeit für ihn mehr, rieten zur Transplantation und bereiteten Lienert Schritt für Schritt auf diesen Eingriff vor. Und Lienert hatte Glück – ganz im Unterschied zu vielen anderen: Er bekam eine Spender-Lunge. Damit begann sein neues Leben. Mehr als 3500 Tage sind das jetzt her. Heute kann er wieder Sport treiben. 4500 Kilometer hat er nach eigenen Angaben seitdem wieder auf seinem Mountainbike zurückgelegt. Und er konnte bis zu seiner Pensionierung wieder voll arbeiten.

8400 Menschen warten auf ein Spenderorgan

Lienert, der über dies alles offen im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet, war am Freitag Gast in der Asklepios-Südpfalz-Klinik in Kandel. In deren Konferenzraum trifft man sich, um die Verdienste der Klinik um die Förderung der Organspenden zu würdigen. Das Kandeler Krankenhaus hat es geschafft, im vergangenen Jahr von drei Spendern Organe zu explantieren. Vier Spender waren sogar gemeldet, bei einer Person trafen die Voraussetzungen nicht ganz zu. Mit den Organen der drei Spender konnten 15 Menschen transplantiert und damit einige Leben gerettet werden.

Mit diesen Zahlen darf sich die Klinik in Kandel durchaus mit Häusern der Maximalversorgung bis hin zu Universitätskliniken messen. Darauf sind alle Beteiligten stolz, wie Geschäftsführer Frank Lambert zu Beginn der Veranstaltung sagte. Das alles komme aber nicht von Ungefähr, sondern sei vor allem das Verdienst von Volker Moog, Chefarzt der Anästhesiologie (Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie) und seinem Team, sagten Lambert und der Ärztliche Direktor, Professor Jörg Stypmann.

Empathie mit Angehörigen

„Kandel, wer sonst?“ Das sei die einhellige Meinung in den Gremien der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) gewesen, als es darum ging, eine Klinik für vorbildliche Arbeit im Jahr 2022 in der Region Mitte (Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland) auszuzeichnen, sagte Privatdozentin Ana Paula Barreiros. Sie ist geschäftsführende Ärztin dieser Organisation und zeichnet jedes Jahr die Klinik aus, die besondere Verdienste um die Organtransplantation erworben habe. Nach ihren Angaben warten derzeit etwa 8400 Patienten in Deutschland auf ein Spenderorgan, nur etwa ein Viertel habe allerdings eine realistische Chance hierauf. Denn die Bereitschaft zur Organspende sei in Deutschland deutlich geringer als in den Nachbarländern, so Barreiros.

In Kandel habe man bewiesen, dass auch „kleinere Häuser durchaus Großes leisten können“. So habe man in den vergangenen fünf Jahren aus Kandel immerhin 19 Spender gemeldet bekommen. Im Übrigen, so die Barreiros, kämen alle Fachkräfte ihrer Organisation sehr gerne nach Kandel, weil man hier auf „offene, motivierte und interessierte Mitarbeitende“ treffe, die sich vorbildlich um die Angehörigen der Sterbenden kümmern. Der Umgang mit ihnen erfordere viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Dies lobte auch Staatssekretär Denis Alt vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz. Die Bereitschaft zur Organspende müsse eigentlich Normalität werden, meinte Alt. Deshalb wolle man die Werbung hierfür verstärken.

Oberärztin Verena Memmer und Chefarzt Volker Moog bei der Ehrung.
Oberärztin Verena Memmer und Chefarzt Volker Moog bei der Ehrung.
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