Wörth / Germersheim
Überlastete Tafel ruft um Hilfe
Schon einige Zeit erhält die Tafel Wörth viel weniger Ware von den Discountern. „Vor allem fehlt es an Molkereiprodukten“, erzählt die Vorsitzende Uschi Bisanz der RHEINPFALZ. „Dagegen haben wir wesentlich mehr Menschen zu versorgen.“
Sie zeigt auf, dass vom 16. März bis zum 7. April zusätzlich 53 Tafelausweise für Ukrainer ausgestellt wurden. „Dahinter stehen 173 Menschen“, erläutert sie. „Das sind vor allem Frauen mit Kindern sowie Frauen und Männer höheren Alters.“ Außer den geflüchteten Ukrainern kämen aber auch mehr Deutsche aufgrund ihrer Geldknappheit zur Anmeldung an der Tafel, sagt Bisanz. Sie erwartet in den nächsten Tagen und Wochen ein weiteres Ansteigen der Kundenzahl.
Eine Art Erntedankfest
Deshalb hat sie sich zunächst mit einem Anschreiben an alle Kirchengemeinden in Wörth und im Umkreis gewandt. Darin schildert sie ihre Probleme und fragt an, ob es sinnvoll wäre wie beim Erntedankfest die Gemeindemitglieder aufzurufen beziehungsweise zu bitten haltbare Lebensmittel an die Tafel zu spenden, „damit wir weiter in der Lage sind alle Bedürftigen sowie die noch dazu kommenden und noch zu erwartenden Flüchtlinge zu unterstützen.“
Von der Kirchenseite seien bereits erste positive Resonanzen mit Spenden – auch in Form von Geld um Lebensmittel einkaufen zu können – zurück gekommen, berichtet Bisanz.
Ein ähnliches Anschreiben ist jetzt auch an die Schulleiter in Wörth gegangen mit der Frage, ob sie es für sinnvoll halten, wenn sie ihre Schüler auf die Situation der Tafel aufmerksam machen und eventuell Lösungsvorschläge erarbeiten würden.
Bisanz verweist auf die Situation der Tafel Neustadt-Haßloch. Hier ist ein Aufnahmestopp für neue Kunden aufgrund der ähnlichen Situation wie in Wörth verhängt worden. „Meine Mitarbeiter kommen an ihre Belastungsgrenzen“ hatte der Vorsitzende in der RHEINPFALZ diese Maßnahme begründet. „Das möchte ich möglichst vermeiden“, meint Bisanz. Sie nimmt auch gerne jederzeit Lebensmittel- und Geldspenden von Privatpersonen an.
Es ist nicht das Geld, das fehlt
Auch bei der Tafel in Germersheim ist eine Steigerung an Kundschaft zu verzeichnen, wie der Vorsitzende Werner Seessle der RHEINPFALZ berichtet. „Die steigenden Lebenshaltungskosten bringen uns zunehmend Tafelkunden. Das funktioniert auf die Dauer nicht“, so der Vorsitzende. „Ich könnte durch unseren Förderverein zukaufen, wie das immer – wenn nötig – der Fall war.“ Aber er bekomme diese größeren Kontingente nicht mehr. „Das ist bei uns keine Frage des Geldes, sondern der Kontingente. Ich kann das einfach nicht umsetzen, da ja auch Einzelpersonen bestimmte Lebensmittel nur noch in kleineren Mengen erhalten“, sieht er die Situation in Germersheim.
Ansonsten ist die Lage in Germersheim etwas anders als in Wörth. Anschreiben an Kirche und Schulen hat Seessle keine verfasst. „In Germersheim gibt es den sozialen Kreis, in dem auch die Kirchenvertreter sind, die über die Situation mit den geflüchteten Ukrainern informiert sind und entsprechend handeln“, erläutert er. Die drei Verbandsgemeinden Lingenfeld, Bellheim und Rülzheim, die die Germersheimer Tafel mit versorgt, schicken ihm auch die entsprechenden Formulare für die Ukrainer gleich zu, „die Behördenwege werden so verkürzt“.