Hassloch
Unternehmen will Lithium fördern
Das 2020 gegründete Unternehmen Vulcan Energie Ressourcen GmbH aus Karlsruhe habe die Gemeinde im Frühjahr um einen Termin gebeten, um das Projekt der Lithium-Förderung vorzustellen, teilt Marcel Roßmann, Sprecher der Gemeindeverwaltung, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Grundsätzlich gebe die Verwaltung jedem, der an einer Ansiedlung interessiert ist, die Chance dazu. Im Mai habe das Gespräch mit Bürgermeister Tobias Meyer (CDU), den Beigeordneten und dem Wirtschaftsförderer Mirko Elinger stattgefunden.
Erstmals öffentlich über das Vorhaben der Vulcan Energie Ressourcen GmbH wurde Ende November bei einer Mitgliederversammlung der Grünen gesprochen. Borck, der frühere Beigeordnete Joachim Blöhs und Ratsmitglied Sebastian Bender (beide Grüne) informierten über das Interesse des Unternehmens, in Haßloch tätig zu werden.
180 Milligramm Lithium im Liter Grundwasser
Bereits seit den 1980er-Jahren sei bekannt, dass im Thermalwasser in tiefen Schichten des Oberrheingrabens sehr viel Lithium enthalten ist, sagt Horst Kreuter, einer der Gründer der Vulcan Energie Ressourcen GmbH, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Damals sei bei Bohrungen nach Erdwärme und Kohlenwasserstoffen in der Region Hagenau in Frankreich im Thermalwasser Lithium gefunden worden. Diese Funde seien nicht besonders interessant gewesen, weil der Rohstoff damals keine große Bedeutung gehabt habe. Auch bei späteren geologischen Untersuchungen, unter anderem in der Südpfalz und in Baden-Württemberg, sei man immer wieder auf einen hohen Litihium-Gehalt im Thermalwasser gestoßen, so Kreuter.
2006 bis 2008 hatte die Geo Energy Consulting GmbH im Bereich Neustadt, Haßloch, Maikammer und Edenkoben die Erdschichten mit einem seismographischen Verfahren untersucht. Bei diesen 3D-seismischen Messungen ging es um die Nutzung von Erdwärme. Diese Messungen hatten ergeben, dass Haßloch einer der am besten geeigneten Standorte für die Nutzung von Geothermie in der Region ist.
Nach Angaben von Kreuter hat Vulcan Energie seismische Erkundungsdaten einschließlich der Ergebnisse von der Geo Energy Consulting GmbH gekauft. „Wir haben diese Untersuchungen ausgewertet und die Ergebnisse überprüft und dabei festgestellt, dass im Bereich Haßloch ein sehr wasserdurchlässiges Buntsandstein-Reservoir und damit ein sehr großes Thermalwasser-Vorkommen ist“, sagt Kreuter. Das gelte besonders für den westlichen Teil der Gemarkung von Haßloch. Man könne davon ausgehen, dass sich hier in einer Tiefe von über 34.000 Metern in einem Liter Grundwasser etwa 180 Milligramm Lithium befinden.
Bohrungen im relativ weichen Buntsandstein
Vulcan Energie sei daran interessiert, auch in anderen Bereichen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg 3D-seismische Messungen durchzuführen. Dazu benötige man Genehmigungen der Bergämter. Diese seien beantragt, teilweise aber noch nicht erteilt worden. Da für Haßloch schon Untersuchungsergebnisse vorliegen, will Vulcan Energie nach Angaben von Kreuter hier mit der Lithium-Förderung und Erdwärme-Nutzung starten.
Kreuter betont, dass die von Vulcan Energie geplante Energieerzeugung mit Geothermie nicht mit Projekten in der Südpfalz und in Baden-Württemberg zu vergleichen sei, wo Erschütterungen Schäden an Gebäuden verursachten. „Wir kennen den Untergrund genau. Im Gegensatz zu anderen Projektentwicklern bohren wir nicht im harten Granit, sondern im relativ weichen Buntsandstein“, sagt Kreuter. Zudem sei das Geothermie-Verfahren inzwischen weiterentwickelt worden. Außerdem verwende Vulcan Energie ein System, bei dem das aus dem Untergrund geförderte Wasser wieder zurückgeführt werde.
Bei dem Gespräch im Mai habe sich Vulcan Energie „nach unserem Eindruck ein erstes grundsätzliches Signal erhofft, wie die Gemeinde zu einem solchen Vorhaben zur Lithium-Gewinnung steht“, sagt Bürgermeister Meyer. Von Seiten der Gemeinde seien einige Fragen gestellt worden, etwa zu Erdbewegungen und Schäden durch Tiefenbohrungen. „Zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen gab es bislang nicht“, so Meyer. „Wir haben alle Fragen beantwortet, soweit dies möglich ist“, sagt dazu Kreuter.
Derzeit suche Vulcan Energie ein etwa acht Hektar großes Grundstück im Westen der Gemarkung Haßloch. Sobald man dieses gefunden habe, würden die erforderlichen Genehmigungen beantragt. Kreuter schätzt, dass es dann etwa ein halbes bis ein Jahr dauern wird, bis mit den Arbeiten begonnen wird.
Meyer: Verwaltung wird selbst nicht aktiv
„Ich werde seitens der Gemeindeverwaltung keine weiteren Anstrengungen unternehmen und den Gremien empfehlen, das Thema nicht weiter zu verfolgen. Falls das in manchen Fraktionen anders gesehen wird, warten wir auf Anträge zum Thema“, sagt Meyer. Grundsätzlich stehe man dem Vorhaben positiv gegenüber, da Lithium für die Energiewende ein wichtiger Rohstoff sei und bei der Förderung genug Wärme gewonnen werden könne, um ganz Haßloch zu versorgen, so der Tenor bei der Mitgliederversammlung der Grünen. Doch wolle man weitere Informationen.
Kreuter verweist darauf, dass der Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore und das Unternehmen Stellantis bereits Verträge zur Abnahme von Lithium mit Vulcan Energie geschlossen hätten. Stellantis plane den Bau von Batteriefabriken, unter anderem in Kaiserslautern. Außerdem stehe man in Verhandlungen mit Energy Solutions, einem der weltweit größten Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien, und dem französischen Autohersteller Renault.
Irritationen gab es Ende Oktober, weil das Mutterunternehmen Vulcan Energy für zwei Tage vom Handel an der Frankfurter Börse ausgesetzt und der Aktienkurs stark gefallen war. Ein sogenannter Shortseller – so nennt man Spekulanten, die von fallenden Aktienkursen profitieren wollen – habe bewusst falsche Gerüchte über Vulcan Energy verbreitet, sagt Kreuter. Inzwischen seien diese Gerüchte widerlegt, und der Aktienkurs sei wieder gestiegen.
Bei Fragen könne man sich unter der Telefonnummer 0721 48070200 montags bis freitags von 14 bis 16 Uhr melden.
