Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Schickes Dorf sucht Wege aus der Lethargie

Der Schlossplatz vor dem Sturmfeder’schen Schloss ist Gegenstand einer Dorfdebatte darüber, wie dieser künftig genutzt werden kö
Der Schlossplatz vor dem Sturmfeder’schen Schloss ist Gegenstand einer Dorfdebatte darüber, wie dieser künftig genutzt werden könnte. Der finanzielle Spielraum zur Ausgestaltung des Platzes ist jedoch eng.

Wer das Wort Perle in den Mund nimmt, spricht meist über etwas Kostbares. Das trifft in gewisser Weise auch auf Dirmstein zu, das sich selbst als Perle des Leiningerlands bezeichnet. Werden jedoch nicht zügig neue Einnahmequellen erschlossen, müssen die Dirmsteiner bei den Ausgaben künftig noch genauer hinsehen. Die Dorfentwicklung droht weiter zu erlahmen.

Viel Wasser ist den Eckbach hinunter geflossen, bis in diesem Jahr die Renaturierung des Gewässers im Dirmsteiner Abschnitt begonnen wurde. Zehn Jahre hat es von der Idee bis zur Umsetzung gedauert. Nun wird renaturiert und der lange versprochene Wasserspielplatz am Dicken Baum umgesetzt. Nicht immer war die Gemeinde schuld an den Verzögerungen, was der Gemeinderat stets gerne betonte. Nicht selten wurde für den Stillstand von Projekten die angespannte Personalsituation in der Verbandsgemeindeverwaltung Leiningerland angeführt.

Dass in Dirmstein so manche Maßnahme auch künftig wohl nur mit Geduld realisiert werden kann, liegt aber auch an der Haushaltssituation. Die Kommunalaufsicht im Nacken habend, musste das Dorf Anfang des Jahres zum dritten Mal in Folge die Grundsteuern erhöhen und bekam nur nach einem ausgehandelten Kompromiss den Haushalt genehmigt. Hoffnung auf mehr Geld macht derzeit vor allem eine Bauvoranfrage für einen Windpark, der Dirmsteiner Gemarkung berührt. Einnahmen daraus könnten in Zukunft zumindest für etwas Entlastung sorgen.

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J. Schlüter
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Schwerpunktgemeinde seit 2023

Inwiefern die finanzielle Situation es dem künftigen Ortsgemeinderat ermöglicht, Maßnahmen aus dem gerade erst aktualisierten Dorferneuerungskonzept umzusetzen, mag derzeit niemand prognostizieren.

Je nachdem, wen man fragt, fällt das Urteil mal mehr, mal weniger optimistisch aus. Immerhin wurde Dirmstein 2023 im Zusammenhang mit dem Konzept als Schwerpunktgemeinde anerkannt, was für die Dauer von acht Jahren den Weg für Fördergelder zur Umsetzung der Maßnahmen aus dem Konzept frei macht.

Dringend vorangehen muss es bei der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts. Status: schleppend. Offen ist auch eine Lösung für die Platzprobleme der kommunalen Kita Himmelszelt, für die zunächst ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden soll – definitiv ein Thema, das in der nächsten Ratsperiode häufiger besprochen werden dürfte.

Schlechter Ruf
Nicht selten in den vergangenen fünf Jahren ging es im Rat hitzig zu, sodass sich das 20-köpfige Gremium über die Grenzen Dirmsteins hinaus einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Dauerthemen wie die Grillhütte am ehemaligen Kläranlagenstandort haben Uneinigkeiten erkennen lassen. Viele Jahre hatte der Rat immer wieder die Idee auf der Tagesordnung, und doch wurde das Projekt dann angesichts der Kosten und der Behördenauflagen, die eine Nutzung nur an wenigen Wochenenden im Jahr möglich gemacht hätte, beerdigt. Dumm nur, dass bereits vor Jahren Spenden dafür gesammelt wurden. Was mit diesen passieren soll, auch darüber gab es jüngst keine Einigung.

Eine gedankliche Dauerbaustelle ist ebenfalls der Platz vorm Sturmfeder’schen Schloss. Schon 2019 wurde im Wahlkampf versprochen, den Platz aufzuwerten, und auch im Vorfeld dieser Gemeinderatswahl spricht jede Partei darüber, dass hier etwas passieren müsse. Der Schlossplatz, der üblicherweise ein Parkplatz ist, wird wohl auch in den nächsten fünf Jahren nicht von Grund auf neu gestaltet. Bei der Haushaltssituation werden keine großen Sprünge möglich sein. Die Parkplätze im unmittelbaren Bereich vor dem Schloss stehen jedoch zur Diskussion, um den Bereich für Bürger zu öffnen, wenn sich dafür eine Ratsmehrheit findet.

Marode Brücke

Zunächst stehen dringende Sanierungen am Dach des Schlosses an, das bald für einige Zeit hinter einem Gerüst verschwinden wird. Bürgermeister Bernd Eberle (FWG) hat als Ziel ausgerufen, dass die Arbeiten bis zur Kerwe abgeschlossen sein sollen.

„Marode Brücke verlangt schnelles Handeln“, titelte die RHEINPFALZ im Juni 2021. Die Rede ist von der Affensteinbrücke, die über den Eckbach führt. Bereits 2017 wurden hier erstmals Mängel festgestellt. Seit einer Überprüfung dürfen Fahrzeuge das Bauwerk nur noch sehr langsam überqueren, was besonders ärgerlich für die Freiwillige Feuerwehr ist – sie muss bei Einsätzen regelmäßig über besagte Brücke. Nach Verzögerungen – zwischenzeitlich sprang ein Ingenieurbüro ab – soll im Sommer mit der Sanierung begonnen werden.

Großes Angebot

Der Verkehr beschäftigt die Dirmsteiner auch an anderer Stelle. Neben der in fast jeder Gemeinde gewünschten Verkehrsberuhigung sollen Radwege ausgebaut werden – beispielsweise um sicher per Fahrrad zum örtlichen Edeka-Markt oder in die Nachbargemeinden zu kommen. Auch der Wunsch nach mehr innerörtlicher Begrünung sowie Ruhepunkten für Fußgänger ist da. Auf der Heuchelheimer Straße steht seit Längerem eine provisorische Ampel, die zwar funktioniert, aber eben nur provisorisch ist. Im Neubaugebiet Nachtgärten fehlt den dort ansässigen Familien eine sichere Querungshilfe für Schulkinder.

Ansonsten bekommen die zum Stand Ende März 3048 Dirmsteiner, die in dem Weindorf mit Hauptwohnsitz gemeldet sind, einiges geboten, von dem andere Dörfer nur träumen können: etwa einen eigenen Supermarkt, einen Zahnarzt oder eine Apotheke. Ein weiterer Pluspunkt: Das im Landkreis Bad Dürkheim leidige Thema Glasfaser ist für Dirmstein nahezu abgeschlossen. Mit Bücherei, Musikschule, einer Außenstelle der Kreisvolkshochschule und mehreren Vereinen ist auch auf kultureller Seite Leben in dem Örtchen. Gebangt wird allerdings um die Schulsporthalle in Trägerschaft der Verbandsgemeinde. Sie ist für die Sportvereine von großer Bedeutung, muss aber für viel Geld saniert oder aber abgerissen werden.

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