Dirmstein
Jan, Jens oder Jörg – In jedem Fall ein neuer Ortsbügermeister
Zeitenwende in Dirmstein: Bürgermeister Bernd Eberle (FWG) zieht sich nach drei Amtszeiten zurück und macht den Weg frei für Jüngere. Um die Nachfolge konkurrieren drei Männer, deren Profile kaum unterschiedlicher sein könnten.
Da wäre Jörg Jokisch (SPD), der in diesem Wahlkampf seine kommunalpolitische Erfahrung ausspielen möchte.
Seit 1999 hat er ohne Unterbrechung einen Sitz im Ortsgemeinderat und seit 2005 im Verbandsgemeinderat (heute VG Leiningerland). Er war zudem Beigeordneter in Dirmstein und auf VG-Ebene. Erstmals kandidiert er für den Kreistag und steht dort auf Listenplatz neun. Der Justizvollzugsbeamte, der im Oktober 57 Jahre alt wird, tritt bereits zum fünften Mal für die Wahl zum Ortsbürgermeister an. Seit 2004 ist er der Kandidat des SPD-Ortsverbands für diesen ehrenamtlichen Posten. 2019 holte er 23,5 Prozent der Stimmen, was eine deutliche Verbesserung zu seinem Ergebnis von 2014 war. Dennoch reichte es 2019 nur zum dritten Platz hinter Hans Scherer (CDU) und Wahlsieger Eberle (50,2 Prozent). Warum er noch mal antritt? „Die Konkurrenz ist dieses Mal schwächer“, sagt er. Bei den vorangegangenen Wahlen seien die Mitbewerber stark gewesen. Über die Jahre sei die Dirmsteiner SPD außerdem verstärkt worden und gehe nun mit mehr Erfahrung in den Wahlkampf.
Kaltes Nahwärmenetz und neues Wohngebiet
Der verheiratete Vater zweier Töchter sagt, er könne das Bürgermeisteramt mit seinem Beruf in Einklang bringen, weil er sich vom Dienst in der JVA Frankenthal freistellen lassen könnte. Als JVA-Bediensteter könne er zudem bereits mit 60 – in etwas mehr als drei Jahren – in den Ruhestand gehen.
Der gebürtige Dirmsteiner will sich den „großen Themen“ der Gemeinde widmen, die aus seiner Sicht die Gemeindefinanzen, die Windkraft und die Wohnbebauung sind. Weil Windkraftanlagen auf Bundesebene inzwischen zu den privilegierten Vorhaben im Außenbereich gehören, ist es Jokisch zufolge unvermeidlich, dass der geplante Windpark kommt. Ihm gehe es nur um die Frage, wie stark die Gemeinde davon profitiert. Zudem will er den früheren Bebauungsplan für den Sportplatz des TuS Dirmstein erneut in Angriff nehmen. Zudem träumt Jokisch davon, die Gemeinde inklusive historischem Ortskern künftig über ein Kaltes Nahwärmenetz zu versorgen.
ID-Kandidat mit Rückenwind
Vor fünf Jahren rutschte Dirmstein knapp an einer Stichwahl vorbei – sechs Stimmen machten damals den Unterschied und verhalfen den Amtsinhaber zur nötigen Mehrheit. Dieses Mal könnte es zur Stichwahl kommen. Im Aufwind scheint die Initiative Dirmstein (ID) zu sein, die mit Jens Schlüter nur ein Jahr nach ihrer Gründung gleich einen Bürgermeisterkandidaten stellt. Der 48-jährige zweifache Vater hat deutlich weniger Erfahrung als sein Konkurrent von der SPD, will dies aber zu seinem Vorteil verstanden wissen. „Wir stehen für einen Neuanfang“, sagt Schlüter im RHEINPFALZ-Gespräch. Die ID wolle weg vom Generalismus und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Wenn er Bürgermeister werde, wolle er sich deshalb auf ein Team aus Experten innerhalb der ID verlassen.
Mit Muskelkraft Geld sparen
Ganz unerfahren ist der studierte Betriebswirt, der Risikocontroller bei der Sparkasse Vorderpfalz ist, dann aber doch nicht. Vor der Gründung der ID war Schlüter rund 25 Jahre lang CDU-Mitglied und saß für die Christdemokraten rund zehn Jahre im Dirmsteiner Bauausschuss. Der aus Weisenheim am Berg stammende Kandidat lebt seit zwölf Jahren in Dirmstein und betont, dass es der Initiative vor allem um die Nähe zu den Bürgern, mehr Transparenz der Ortspolitik und um ein Miteinander anstatt eines Gegeneinanders gehe.
Mit konkreten Aktionen im Ort, die die ID seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr bereits umgesetzt hat, will Schlüter im Wahlkampf punkten. Zuletzt sei so die Idee eines Pumptracks, einer künstlich angelegten Mountainbike-Strecke, entstanden. Um der Gemeinde Geld zu sparen, setzt Schlüter auf die kostengünstige Umsetzung von Projekten dank des Einsatzes Freiwilliger – etwa bei der Gestaltung von Spielplätzen. Um die Gemeinde finanziell besser dastehen zu lassen, setzt Schlüter unter anderem auf eine bessere Vermarktung des Dorfs. Dank flexibler Arbeitszeiten könne er ein mögliches Amt in Einklang mit seinen Job bringen.
One-Man-Show bei der CDU
Aus den Resten der CDU ist, ein Stück weit überraschend, der 32-jährige Jan Storminger als Bürgermeisterkandidat hervorgegangen. Aufgrund des Aderlasses ist Storminger derzeit beinahe zu einer Art One-Man-Show gezwungen, gibt sich aber betont optimistisch. Erste Erfahrungen im Ortsgemeinderat konnte das Mitglied des THW Frankenthal in der auslaufenden Legislaturperiode sammeln, ist dort aktivstes CDU-Mitglied. Er kann auf mehr als zehn Jahre kommunalpolitische Erfahrung zurückblicken, die für ihn als stellvertretendes Ausschussmitglied begann. Punkten will er bei den Dirmsteinern auch damit, dass er sich als Mitarbeiter der Stadt Frankenthal mit kommunalen Verwaltungen auskennt.
Hervorheben möchte er das Thema Bürgernähe, sodass er etwa in der Frage eines Windparks nicht voreilig ohne eine erneute Bürgerbefragung handeln würde. Er könnte sich auch ein- bis zweimal im Jahr ein Treffen mit den Bürgern vorstellen, wie es zuletzt bei der Podiumsdiskussion der Fall war. Sein Alter sieht er im Rennen um das Bürgermeisteramt nicht als Problem. „Junge Leute stehen für Veränderung“, sagt er.
Neben den Dorffinanzen geht es ihm vor allem um die Wünsche, die ihm in Gesprächen mit den Bürgern zugetragen wurden: etwa eine Querungshilfe für Schulkinder im Baugebiet Nachtgärten, der Ausbau der Radwege, die Verkehrsberuhigung und die allgemeine Optimierung des innerörtlichen Verkehrs. In Fragen der Finanzen setzt er unter anderem auf eine strenge Ausgabendisziplin, aber auch auf Einnahmen aus einem möglichen Solarpark.
Wahlergebnis 2019
Bernd Eberle (FWG) 50,2 Prozent, Hans Scherer (CDU) 26,3, Jörg Jokisch (SPD) 23,5 Prozent.
