Dirmstein / Laumersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Renaturierung des Eckbachs soll Tiere und Menschen anlocken

Ein flacheres Ufer, Sitzstufen und Spielgeräte sollen den Spielplatz in der Dirmsteiner Bleichstraße zum Bacherlebnisbereich mac
Ein flacheres Ufer, Sitzstufen und Spielgeräte sollen den Spielplatz in der Dirmsteiner Bleichstraße zum Bacherlebnisbereich machen.

Der Eckbach zwischen Laumersheim und Dirmstein ist ökologisch in keinem guten Zustand. Die Renaturierung des rund 840 Meter langen Bachabschnitts wurde bereits 2011 in die Wege geleitet. In diesem Jahr könnte es tatsächlich losgehen. Geplant sind unter anderem eine Fischtreppe und ein Bacherlebnisbereich.

Der Eckbach wurde früher in Dirmstein als Mühlengraben benutzt. „Der Gewässerlauf wurde deshalb begradigt und hat zu wenig Gefälle“, erklärt Andreas Valentin, dessen Ebertsheimer Büro für Landschafts- und Freiraumplanung das Projekt übernommen hat, nachdem Peter Hess 2018 plötzlich verstorben war. Auf rund 400 Metern staut sich das Wasser, was zu Ablagerungen von Schlamm, Blättern, Ästen und Hummus führe. Die Ablagerungen lassen den Sauerstoffgehalt im Wasser sinken, sodass kaum Leben in der Gewässersohle möglich ist. „Man findet hier nur wenige Gewässertiere, eher Zugmückenlarven oder Wasserläufer, die nicht so abhängig vom Sauerstoffgehalt sind“, sagt Valentin. Auch am Ufer gebe es keine große Vielfalt, weil typische Wasserpflanzen fehlten.

Der Eckbach soll wieder in einen naturnahen und ökologisch guten Zustand gebracht werden – so schreibt es die wasserrechtliche EU-Richtlinie für alle Gewässer bis 2027 vor. „Wir wollen dem Gewässerbett die Dynamik zurückgeben“, sagt der Landschaftsarchitekt. Das bedeute, verschiedene Sedimente einzubringen und durch unterschiedliche Breite und Tiefe des Flussbetts wechselnde Fließgeschwindigkeiten zu erzeugen. Nach der Renaturierung, so hofft Valentin, könnten sich Fische wie Forellen, Rotfedern oder Gründlinge sowie Wasservögel, Amphibien oder sogar Biber im Eckbach wohlfühlen.

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Fischtreppe an der Spormühle

An der Spormühle am Ortseingang von Dirmstein wurden bereits erste Bäume gefällt und eine Mulde angelegt, durch die später der Bach fließen soll. Die Arbeiten waren vorzeitig nötig, da die Mühle vom Unternehmer Oliver Meyer bis 2019 ausgebaut worden war. Ein Tagungsraum im zweiten Obergeschoss macht eine Brandschutztreppe an der Außenseite der Mühle notwendig. Diese wird dort enden, wo derzeit noch der Eckbach fließt. Wenn der Bau der Treppe in diesem Sommer startet, soll das Wasser zwischenzeitlich unterirdisch durch Rohre geleitet werden. Die Genehmigung dafür steht allerdings noch aus.

Ein weiteres Problem an der Spohrmühle: Dort ist der Wasserlauf nicht durchgängig, im Bereich des Gewässergrundes lebende Tiere können den Höhenunterschied von mehr als zwei Metern nicht allein überwinden. Deshalb soll das Wehr an der Mühle abgebaut und eine Fischaufstiegsanlage geschaffen werden. Die Fischtreppe besteht aus mehreren höhenversetzten Becken, die durch Schlitze miteinander verbunden sind. Darin liegen Riegelsteine, die den Wasserdruck in den Schlitzen zwischen den Steinen erhöhen, sodass die Fische die Höhendistanz in vielen kleinen Schritten überwinden können.

Verweilanlage mit Spielgeräten

Auf dem Abschnitt des Eckbachs, der parallel zur Straße „Am Sporacker“ verläuft, sollen hauptsächlich neue Bäume gepflanzt werden, die dem Bachbett Schatten spenden. „Durch die Straße und die angrenzenden Gartengrundstücke haben wir dort wenig Möglichkeiten“, sagt Valentin. Zwischen dem jetzigen Spielplatz in der Dirmsteiner Bleichstraße und der Socceranlage soll ein Bacherlebnisbereich entstehen, in dem alle Altersgruppen ihren Platz finden. Dafür wird das Gewässerbett verbreitert und allerlei Gerätschaften aufgestellt. So soll es unter anderem eine Trinkwasserpumpe und eine Matschanlage für die kleinsten Besucher sowie eine Art Barfußpfad und Sitzstufen geben. Zudem sollen Balance- und Bewegungsgeräte sowie eine Streetballanlage zum Spielen einladen. Im Bereich der Socceranlage ist eine Hügellandschaft für Mountainbiker geplant.

Erdwall zum Schutz vor Hochwasser

Damit die Planung Realität werden kann, müssen im ersten Schritt einige Bäume weichen. „Weil wir das Ufer an manchen Stellen abflachen, beschädigen wir dabei zwangsläufig auch Wurzeln“, erklärt Valentin die Notwendigkeit. Darauf folgen die Erdarbeiten, bei denen Bagger das neue Bachbett ausheben. Oberhalb der Spohrmühle wird es beispielsweise einen Meter tiefer werden als jetzt. Da der vorhandene Erdwall neben dem Bachlauf nicht hochwassersicher ist, muss er neu mit Gehölzen angelegt werden. Damit Tiere den neuen Wall nicht gleich durchwühlen, wird er mit vliesartigen Bentonit-Matten abgedichtet. „So wird auch verhindert, dass zu viel Wasser im neuen Gewässerbett versickert“, sagt Valentin. Danach werden verschiedene Substrate wie Steine und Kies aufgebracht, Bäume gepflanzt und regionales Saatgut in den Böschungen gesät.

Start frühesten im Oktober

Die ersten Bäume können wegen der Nistzeiten von Vögeln frühesten im Oktober fallen. Über den Winter sollen alle anderen Arbeiten erledigt werden, sodass der neue Erlebnisbereich laut Landschaftsarchitekt Valentin zum Beginn der warmen Saison 2022 nutzbar sein könnte – wenn nicht ein nasser Winter die Erdarbeiten erschwert. Die Genehmigung für die geplante Renaturierung steht allerdings noch aus. Sollte sie nicht rechtzeitig erteilt werden, würde sich das Projekt um ein weiteres Jahr verschieben.

Für die Renaturierung und den Bau des Erlebnisbereichs fallen nach bisheriger Schätzung Kosten von 1,27 Millionen Euro an. Wenn entgegen der ursprünglichen Planung der vorhandene Boden verwendet werden darf, könnten die Kosten Valentin zufolge auf „deutlich unter 1,2 Millionen Euro sinken“. Ein Zuschuss über 90 Prozent aus dem Förderprogramm „Aktion Blau plus“ ist möglich. Das Programm wurde vom Land Rheinland-Pfalz initiiert, um die Gewässerrenaturierung zu fördern und dabei die kommunale Entwicklung, den Naturschutz, die Umweltbildung und die Menschen vor Ort einzubinden. Während alles, was das Spielen am Wasser betrifft, förderfähig ist, müssen andere Spielgeräte wie die Streetballanlage vollständig aus dem Gemeindehaushalt finanziert werden.

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