Dirmstein
Neuer Spielplatz, alter Friedhof: Was 2025 im Dorf geplant ist
Jens Schlüter blickt auf erste anstrengende Monate als Ortsbürgermeister zurück. Vor allem anfangs habe er häufig Kontakt zu Amtsvorgänger Bernd Eberle (FWG) gesucht, wenn er Fragen hatte. Schlüter spricht von einer „sehr arbeitsreichen“ Zeit. Dennoch, betont der Mann von der Initiative Dirmstein (ID), fühle es sich gut an, Bürgermeister zu sein. „Das war die richtige Entscheidung“, meint er. Es mache ihm Spaß. Besonders gefallen hat ihm, dass die Kommunikation im Gemeinderat zwischen allen Fraktionen funktioniere und man sich als Team verstehe.
Eine gute Abstimmung zwischen den Fraktionen wird auch nötig sein, denn bereits zu Jahresbeginn steht eine der wichtigsten Entscheidungen auf dem Plan: Der künftige Standort für die kommunale Kita Himmelszelt. In der kommenden Woche werden die im Dezember vom Planungsbüro vorgestellten Ideen im Bauausschuss (Mittwoch, 15. Januar, 19.30 Uhr) besprochen. Frühestens Ende des Monats könnte der Gemeinderat entscheiden, ob die Kita am aktuellen Standort bleibt und eine Sanierung über sich ergehen lässt, oder ob ein Gebäudetausch mit dem protestantischen Gemeindehaus, die Sanierung des ehemaligen Edeka-Geländes oder der Neubau auf dem Gelände des TuS Dirmstein zur Lösung führen soll.
Dass die beiden letztgenannten Ideen wieder zur Debatte stehen, erklärt Schlüter auch mit Verhandlungsgeschick. Er glaubt, die Kommunikation im Dorf zwischen den Akteuren sei eingerostet, und will Beteiligte im Ort künftig besser vernetzen. Das sei auch der Grund gewesen, im vergangenen Jahr eine „AG Kita“ ins Leben zu rufen, die nach Wegen aus der Misere suchen sollte.
„Das Thema Kita wird ein ganz dickes Brett, aber der Knoten wird sich lösen“, zeigt sich der neue Ortsbürgermeister zuversichtlich und rechnet mit einem Beginn der Baumaßnahmen – an welcher Stelle auch immer – im Jahr 2026. Bis Ende 2027 hat die Gemeinde Zeit, die gesetzlichen Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz in Bezug auf ein verbessertes Kita-Angebot umzusetzen.
Wahrscheinlich werde unter anderem deshalb ein Nachtragshaushalt für das Jahr 2025 nötig. Die Aufgabe, die Einnahmen zu erhöhen und die Ausgaben zu reduzieren, um der engen Haushaltslage zu entgegen, hat die Gemeinde auch in diesem Jahr vor der Brust. Schlüter will die Grundsteuern nicht erneut erhöhen, spricht aber davon, die Pachten jener Flurstücke anpassen zu wollen, die der Gemeinde gehören. „Wir wollen die Last so fair wie möglich verteilen“, so Schlüter. Dabei hofft er auch auf Bürger, die durch freiwilliges Engagement hier und da womöglich die ein oder andere Ausgabe unnötig machen. Dahinter steckt der Versuch, Fremdleistungen so gering wie möglich zu halten.
Eine weitere Idee ist, die Einnahmen der Festhalle bei Veranstaltungen auswärtiger Mieter zu erhöhen, um das Defizit für das Objekt zu verringern – Gewinn werfe die Halle nicht ab. Außerdem soll ein Vermarktungskonzept erarbeitet werden.
Windpark rechnet mit Genehmigung
In der Festhalle werden am Sonntag die Preisträger für den Ende vergangenen Jahres geschaffenen Ehrenamtspreis bekanntgegeben. 17 Bewerbungen sind Schlüter zufolge eingegangen, drei Personen oder Vereine werden nun mit je 500 Euro geehrt. Das Preisgeld stammt von privaten Sponsoren.
Unklar ist noch, wie es mit der Sanierung der Fechtschule weitergehen soll. Schlüter verweist im Gespräch auf die Katholische Hospitalstiftung, die unabhängig vom Rat entscheide und sich im ersten Quartal treffen werde. Mehrere Szenarien für die künftige Nutzung seien denkbar. Zumindest eine Entscheidung könnte es in diesem Jahr geben, doch bis dahin wird es knifflig: Die Gemeinde hatte aufgrund des Zustands vor mehr als zwei Jahren die Generalsanierung des Gebäudeensembles in der Denkmalzone Sturmfeder’scher Kellergarten beschlossen. Schon damals stand eine Summe von rund 1,5 Millionen Euro im Raum. Zudem müssen Denkmalschutzauflagen beachtet werden.
Noch ohne offizielle Genehmigung ist der Windpark Dirmstein. Dennoch zweifelt die Gemeindespitze nicht daran, dass er kommt. Mögliche Windräder hatten in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt und waren auf Ablehnung gestoßen, nun hat die Gemeinde aufgrund der gesetzlichen Lage – ein juristischer Fehler im Flächennutzungsplan der alten Verbandsgemeinde Grünstadt-Leiningerland – gar nicht erst ein Mitspracherecht darüber, ob Windräder gebaut werden oder nicht. Der Betreiber Baywa rechnet nach eigenen Angaben mit dem Erhalt der Genehmigung im Herbst. Baubeginn für die Anlage, die für bis zu 17 Windräder auf den Ackerflächen zwischen den Ortsgemeinden Dirmstein, Obrigheim und Heppenheim geeignet sein soll, ist frühestens im Frühjahr 2026. Bürger sollen bis dahin aber noch die Möglichkeit erhalten, Stellungnahmen abzugeben. Ortsbürgermeister Schlüter rechnet für die Gemeinde mit einer Gewinnbeteiligung an der Windenergie, die ihm zufolge rund 200.000 Euro pro Jahr in die Haushaltskasse spülen könnte.
Kulturverein wiederholt White Dinner
Wie es mit der maroden Dirmsteiner Schulsporthalle weitergeht, ist noch unklar. Eine Presseanfrage in dieser Woche konnte die zuständige Verbandsgemeinde Leiningerland bisher nicht beantworten. Die Halle ist seit zwei Jahren aufgrund gravierender Brandschutzmängel nur eingeschränkt nutzbar.
Erfreulich: Im Sommer wird der Bauorden Ludwigshafen in Dirmstein gastieren, um in einer mehrwöchigen Aktion den Alten Friedhof als Park für die Öffentlichkeit wieder begehbar zu machen.
Zu den Aufgaben des Bürgermeisters gehört es auch, sich abseits anstrengender Themen auf Feierlichkeiten blicken zu lassen. Und so freut sich Schlüter „sehr darauf“, dass das alle zwei Jahre in Dirmstein ausgerichtete Bayrisch-pfälzische Bierfest wieder stattfinden wird. Bereits im Frühjahr gibt es zudem ein großes Familienfest, wenn der lang ersehnte Wasserspielplatz, bei dem Ende 2024 noch eine Tüv-Prüfung ausstand, endlich eröffnet wird.
Die Rückkehr eines Ereignisses verkündet auch der Kulturverein St. Michael: Das „White And Wine Dinner“ wurde so gut von den mehr als 60 Gästen angenommen, dass es der Verein wiederholen will. Dieses Mal am 29. August im Weingut Schmitt. Das bestätigt die Vereinsvorsitzende Anni Männchen. Bereits zum vierten Mal bietet der Verein am letzten Aprilsonntag wieder eine Weinführung mit vier Stationen an, in diesem Jahr unter dem Motto „Wein und Musik“. Neben weiteren Aktionen, die über das Jahr angekündigt werden, stehen für den Kulturverein auch Vorstandswahlen im Sommer an. Im kommenden Jahr feiert er sein 30-jähriges Bestehen.
Termin
Neujahrsempfang der Ortsgemeinde Dirmstein mit Ehrung der Preisträger des neuen Ehrenamtspreises am Sonntag, 12. Januar, 16 Uhr, Festhalle am Kellergarten.