Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserspielplatz am Eckbach: So läuft die Renaturierung

So langsam wächst der Dirmsteiner Spielplatz am Dicken Baum. Eine archimedische Schraube am Bachufer soll für Wasserspaß sorgen.
So langsam wächst der Dirmsteiner Spielplatz am Dicken Baum. Eine archimedische Schraube am Bachufer soll für Wasserspaß sorgen.

Zehn Jahre Planungszeit und voraussichtlich drei Jahre Bauzeit. Die Renaturierung des Eckbachabschnitts zwischen Laumersheim und Dirmstein ist ein Mammutprojekt. Der erste Abschnitt ist für Dirmsteiner Kinder besonders interessant, geht es dabei doch auch ums Spielen mit Wasser und Matsch. Eine Zwischenbilanz.

Heller Panamahut, rotes Leinenhemd, lange Hose und festes Schuhwerk: Andreas Valentin ist an diesem heißen Tag gekleidet, als wolle er sich in ein großes Abenteuer stürzen. Gerade klettert er über eine provisorische Flutmulde, um in den Eckbach zu greifen. Dann holt er Unrat heraus, der sich vor einem Rohr angesammelt hatte, und das Wasser fließt sofort schneller ab. Kaum hat der erfahrene Landschaftsarchitekt seine Finger im Spiel, läuft es.

Was Valentin hier auf der Baustelle neben der Dirmsteiner Spormühle im Kleinen gemacht hat, ist das,

was er auf dem gesamten fast einen Kilometer langen Streifen von Dirmstein bis nach Laumersheim umsetzen soll. „Der Eckbach bekommt mehr Gefälle“, erklärt er beim Vor-Ort-Termin mit der RHEINPFALZ. Heißt: Das Wasser soll schneller fließen. Der fast 40 Kilometer lange Eckbach, der einer Quelle bei Carlsberg entspringt und nahe Worms in den Rhein mündet, hat im genannten Abschnitt kaum Neigung, sagt der Ebertsheimer. Deshalb soll das Gefälle um 0,25 Prozent steiler werden. „Wenn das Wasser schneller fließt, wird die Bachsohle lebendiger“, erklärt Valentin. Dann lagerten sich weniger Feinanteile ab.

Bereit fürs Abenteuer: Landschaftsarchitekt Andreas Valentin.
Bereit fürs Abenteuer: Landschaftsarchitekt Andreas Valentin.

Vor der Dirmsteiner Spormühle soll der Bachverlauf außerdem verlagert werden, weg vom Gebäude. Dafür ist ein Grundstückstausch nötig. Der Besitzer der Spormühle bekommt den Streifen an seinem Haus, wo bislang der Eckbach fließt, für einen Treppenaufgang. Direkt daneben sollen wiederum Fische ihre Aufstiegsmöglichkeit im Wasser bekommen.

Valentin hat Erfahrung

Es ist nicht die erste Fischaufstiegsanlage, die Valentin plant. So etwas hat er schon in der Verbandsgemeinde (VG) Eisenberg im Eisbach und in der früheren VG Hettenleidelheim im Eckbach realisiert. Für die VG Leiningerland hat er das Eisbach-Renaturierungsprojekt in Ebertsheim geleitet. Auf die Frage nach der zeitlichen Einordnung des jetzigen Projekts antwortet Valentin: „Ich hab’ noch kein Längeres gehabt.“ Er rechnet mit bis zu drei Jahren Bauzeit.

Der zweite Bauabschnitt richtet den Blick auf den Bachverlauf zwischen Laumersheim und Dirmstein, beginnend bei der Spormühle.
Der zweite Bauabschnitt richtet den Blick auf den Bachverlauf zwischen Laumersheim und Dirmstein, beginnend bei der Spormühle.

„Er ist unser Gewässerspezialist und ein großer Teil des Erfolgs“, sagt Dennis Zimmermann, Fachbereichsleiter Natürliche Lebensgrundlagen und Bauen, über den von der VG beauftragten Landschaftsarchitekten, der bis zu dreimal in der Woche vor Ort ist. Valentin wird die Verwaltung bald schmerzlich vermissen, denn die Renaturierung zwischen Laumersheim und Dirmstein, die im Mai begonnen hat, wird „wahrscheinlich mein letztes großes Projekt sein“, wie Valentin bestätigt.

Einmal noch ins Abenteuer. Das begann „weiter unten“, zu sehen, wenn man dem Bachlauf Richtung Affenstein folgt. Auf dem Weg dahin wurden am Ufer mehr als ein Dutzend Ulmen und Eschen gepflanzt. Jenseits der sanierungsbedürftigen Brücke am Affenstein ist das Ergebnis der Arbeiten zu sehen, die dort seit Mai umgesetzt wurden. Wobei der Blick zuerst auf die neuen Spielgeräte fallen dürfte. Von Spielplätzen aber hat Andreas Valentin wenig Ahnung, wie er einräumt.

Zwei Aufgaben, ein Projekt

Hier ist das Wissen von Gartenbautechniker Martin Wichmann gefragt, der im Auftrag der J & T Offenloch KG Landschaftsbau am Projekt teilnimmt. „Wir bauen Spielplätze vor allem an Kitas oder auf Schulhöfen, aber im Zusammenhang mit einem Fließgewässer ist das eine Premiere“, sagt Wichmann. Die Herausforderung für die Männer lautet, die beiden Projekte zu vereinen. Das Ergebnis: eine Barfußanlage, Sitzstufen und eine archimedische Wasserschraube am südlichen Ufer. Herüber kommt man nur über Trittsteine oder mit der Seilbahn, eine Brücke gibt es nicht.

Herr der Spielgeräte: Landschaftsbauer Martin Wichmann.
Herr der Spielgeräte: Landschaftsbauer Martin Wichmann.

Eine Wasserpumpe und eine Matschanlage auf der von der Straße aus zugänglichen Seite waren bisher nicht fertig, weil sich die Lieferung der Materialien verzögert. Spätestens Anfang September sollen sie kommen, im Herbst folgt dann die Bepflanzung. Der innerörtliche Bereich, zu dem ein Streetball-Platz auf dem ehemaligen Boule-Feld, ein Kletterparcours und angrenzend an den Soccerpark Erdhügel für Mountainbikes gehören, soll im November fertig sein. Wichmann meint, man liege gut in der Zeit.

An dieser Stelle haben die Planer Steine eingebracht, um die Strömung zu verändern.
An dieser Stelle haben die Planer Steine eingebracht, um die Strömung zu verändern.

Valentin verschlägt es derweil etwas tiefer ins Dickicht. Er schlägt sich bis zu einer neu angelegten Insel durch. Eine Entenfamilie schwimmt vorbei. Der Eckbach wurde hier und an einer weiteren Stelle durch Mini-Inseln geteilt. Hier und da ragen kleine Steinhügel ins Bachbett hinein. „Dort verändert sich die Strömung, Blätter fallen an diesen Stellen ins Bachbett“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Auch das soll das Innenleben des Bachs positiv beeinflussen.

Wer dem Eckbach weiter folgt, sieht eine weitere Insel, die mit Sand aufgeschüttet wurde. Ein Ministrand in Dirmstein. Hier darf man sich später auch ohne Kind aufhalten. Der Kletterparcours noch weiter nordöstlich richtet sich an größere Kinder.

Heikle Grundstücksfragen

Eines wird beim Besuch deutlich: Wichmann und Valentin verstehen sich. Was Spaß macht an dem Projekt? „Dass ich verstanden werde und alles erfolgreich umgesetzt wurde“, erklärt Valentin. Ein Teil seiner Arbeit, die nicht sichtbar wird, ist der Dialog mit Eigentümern bachaufwärts Richtung Laumersheim wegen des für den neuen Bachverlauf notwendigen Tauschs von Grundstücken, so wie mit dem Spormühlenbesitzer. Bauamtsleiter Zimmermann bestätigt, dass Stand Sommer noch nicht alle Grundstücksangelegenheiten unterschrieben sind, man nähere sich aber der Ziellinie. „Die Liegenschaftsanliegen war einer der schwierigsten Teile der Planung“, sagt Zimmermann. Valentin bestätigt, dass gerade der Abschnitt zwischen Dirmstein und Laumersheim technisch sehr anspruchsvoll sei und die Kommunikation sehr lange gedauert habe. Sein Planungsbüro ist nun schon sechs der zehn Jahre Planungszeit mit an Bord.

Kleine Strandoase im Eckbach, die öffentlich begehbar sein wird. Im Hintergrund der neue Kletterparkours.
Kleine Strandoase im Eckbach, die öffentlich begehbar sein wird. Im Hintergrund der neue Kletterparkours.

Die Umsetzung des Projekts begleitet Hobbyfilmer Robert Schwartz, der auch mal seine Drohne zum Einsatz kommen lässt, um die Arbeiten aufzuzeichnen. Zu sehen sein wird der Film aber erst, wenn alles beendet ist. Das kann noch dauern. Der zweite Bauabschnitt wird erst im kommenden Jahr beginnen.

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