Kreis Bad Duerkheim Mamas Küche schmeckt nicht immer

BAD DÜRKHEIM. Wenn Smartphones kochen könnten, die gesamte junge Generation hätte wohl einen Michelin-Stern. Bis die Technik so weit ist, heißt es aber ganz klassisch: Einkaufen, Kleinschnippeln, Abschmecken. Aber kochen junge Leute auch selbst? Oder gibt′s nur Tiefkühlpizza, wenn Mama nicht da ist? Beides.
„Mama, was gibt’s heute zu essen?“ Diese Frage hat irgendwann ausgedient. Spätestens in den eigenen vier Wänden ist Hotel Mama Geschichte und junge Menschen stehen tagtäglich vor der Frage: Was kommt heute auf den Teller? Kevin Knecht verlässt gerade den Supermarkt. Am Dienstagabend hat der 21-Jährige im Rewe-Markt noch schnell eingekauft, im Arm stapeln sich Sellerie, Paprika, Kopfsalat, Tomaten, ein Netz Limetten. „Heute gibt’s Salat. Das mache ich mir fast jeden Abend“, sagt Kevin. So spät noch kochen? Tut’s da nicht auch eine Tiefkühlpizza? „Wenn ich selber koche, schmeckt es mir besser und es ist gesünder als Fertigzeug.“ Damit liegt der Hobby-Koch nicht gerade im Trend, wie unsere Umfrage beweist. 25 junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren haben wir zu ihrem Kochverhalten gefragt, natürlich nicht repräsentativ, aber doch aufschlussreich. Kochmuffel sind junge Jungs, also unter 20 Jahren und noch zu Hause lebend. Mehr als jeder Zweite von ihnen kocht nie selbst. Wenn Mama mal nichts vorbereitet hat, kommt ihnen in erster Linie Döner auf den Teller. Alex (16) und seine beiden Kumpels haben auf dem Stadtplatz gerade je einen großen verdrückt. Die Schüler der Carl-Orff-Realschule erklären stolz: „Fünf Döner pro Woche essen wir bestimmt.“ Als Alex jedoch selbstbewusst erzählt: „Ich kann gut kochen. Das habe ich mir selber beigebracht. Meistens koche ich nach Gefühl“, da schauen seine Kumpels leicht überrascht. Selbst Desserts wie Panna cotta tischt Alex auf. Am häufigsten kocht er Nudeln mit Pesto, brät sich ein Steak oder dünstet Gemüse. Das Gespräch endet in einer Einladung, der 16-Jährige soll seinen ungläubigen Kumpels beweisen, ob er wirklich so sicher den Kochlöffel schwingt, wie er sagt. Mädels und junge Frauen kochen laut unserer Straßenumfrage häufiger. Im Schnitt stehen sie zwei bis dreimal pro Woche am Herd, also einmal mehr als die Kerle. Bei den jungen Männern ist die Schere jedoch größer. Die meisten kochen nie, einige jedoch auch viermal oder öfter pro Woche. Auch Luisa wird heute kochen. Im Einkaufswagen finden sich Himbeeren, Erdbeeren, Coca-Cola, Sahne, viel Gemüse und Putenfleisch. Die 20-Jährige war mit ihrer Mutter im Hit-Markt einkaufen. Während diese die tiefgefrorenen Sachen im Auto verstaut, erklärt Luisa: „Meine Mama kocht gut. Aber es schmeckt mir nicht alles. Außerdem achte ich auf meine Figur, da ist Salat mit Putenstreifen besser.“ In der Tat: Bratkartoffeln mit Speck, Bratwurst, Lasagne oder Kotelett sind kurz vor der Freibadsaison vielleicht nicht die beste Wahl. Möglicherweise hat Luisa ihrer Mutter das so deutlich bisher noch nicht gesagt. Jedenfalls möchte sie ihren Namen nicht in der RHEINPFALZ lesen, geschweige denn ein Foto von sich abgedruckt sehen. Wie Luisa wirklich heißt, wir wissen es nicht. Was wir wissen: Ganz hoch im Kurs steht bei den jungen Männern Fleisch. Und für gute Qualität geben sie gerne auch mal mehr Geld aus. Hier zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zu den weiblichen Einkäufern, die in der Mehrzahl sagen: „Die Lebensmittel müssen in erster Linie günstig sein.“ (ellb)