Dirmstein
Kosten für Kita-Neubau: Stimmt die Rechnung des Architekten?
In der ersten Dirmsteiner Bauausschusssitzung im neuen Jahr befassten sich die Ausschussmitglieder im öffentlichen Teil fast ausschließlich mit dem Problem der Gemeindekita. Wurden Mitte Dezember vom Architekturbüro Kölsch drei mögliche Varianten für einen künftigen Standort lediglich vorgestellt, äußerten sich nun erstmals die Kommunalpolitiker dazu. Genau gesagt, zu zwei der gezeigten drei Varianten. Denn die vor ein paar Monaten aufgeworfene Idee, die kommunale Kita Himmelszelt via Gebäudetausch vom Spitalhof in das protestantische Gemeindehaus umziehen zu lassen, wurde direkt zu Beginn der Sitzung von Ortsbürgermeister Jens Schlüter (ID) ohne Gegenwehr aus dem Gremium von der Liste gestrichen.
Der Ausschuss befasste sich also nur mit der Frage, ob die Gemeinde für mindestens 2,8 Millionen Euro das Gelände des ehemaligen Edeka-Markts samt Gebäude kaufen und sanieren sowie ein nebenstehendes Grundstück für einen Parkplatz kaufen sollte, oder ob ein Neubau auf dem Bolzplatz des TuS Dirmstein für mindestens 1,9 Millionen Euro in Betracht gezogen wird. Für beide Szenarien gibt es von der Kommunalaufsicht jedoch noch keine feste Zusage, wie die Aufsichtsbehörde auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilt. Die Preise beziehen sich auf die Summe, die die Gemeinde nach Abzug der Förderung begleichen müsste.
Höherer Quadratmeterpreis erwartet
Eine große Portion Kritik erntete der Architekt, der im Ausschuss nicht anwesend war, für seine Kostenberechnung. „Ich bezweifle die Kosten massiv“, eröffnete Claudia Reiser (SPD) die Diskussionsrunde und verwies auf höhere Kosten pro Quadratmeter in der Edeka-Variante im Vergleich zur TuS-Dirmstein-Variante. Ihr zufolge habe der Architekt bei den angegebenen Baukosten für die vorgestellten Standorte den Quadratmeterpreis deutlich zu niedrig angesetzt. Es sei für sie nicht nachvollziehbar, warum die Kosten pro Quadratmeter für die Variante eines Umbaus auf dem Edeka-Gelände bei etwa 2600 Euro liegen, die für einen Neubau auf dem Gelände des TuS aber nur bei rund 2000 Euro. Sie fragte, ob ein Plausibilitätsabgleich beim Baukosteninformationszentrum (BKI) gemacht wurde. Bianca Albrecht (FWG) schloss sich dieser Kritik an. Sie rechne eher mit 3400 Euro pro Quadratmeter. Auch Claudia Sagnier (ID) bezeichnete die Kostenaufstellung zu einem späteren Zeitpunkt als „merkwürdig“.
Schlüter versprach, den Kritikpunkt beim Architekten anzubringen und eventuell nachbessern zu lassen. Offen ist weiterhin die Frage, wie teuer die Auflösung des Erbpachtvertrags für das Flurstück auf dem TuS-Gelände wird, wenn sich die Gemeinde für die Variante am Sportplatz entscheidet. Zu den geschätzten 1,9 Millionen Euro käme hier noch eine Summe in unbekannter Höhe hinzu. Zudem gehen mehrere Ausschussmitglieder, ausgehend von der Diskussion um den Quadratmeterpreis, für beide Szenarien von deutlich höheren Endpreisen aus, als sie in der Aufstellung des Architekten dargestellt wurden.
Uneins in der Standortfrage
In der restlichen Diskussion um einen der beiden Standorte kristallisierte sich heraus, was in vorangegangenen Sitzungen bereits durchschimmerte: Vor allem die SPD-Fraktion kann sich für den Standort auf dem ehemaligen Edeka-Gelände erwärmen, Vertreter der Initiative Dirmstein argumentieren oft eher in Richtung Sportplatz. Auch FWG-Mitglieder sehen derzeit mehr Vorteile bei der Lösung auf dem TuS-Gelände, unter anderem mangels Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Edeka-Areal. CDU-Mitglied Jan Storminger hat aus Gründen der Befangenheit nicht an der Diskussion teilgenommen.
Die Kita-Frage beschäftigt die Gemeindevertreter wieder am 22. Januar im Sozialausschuss, dann aus pädagogischer Sicht. Dass die Kita umziehen muss, liegt am rheinland-pfälzischen Kita-Gesetz, dessen Vorgaben unter anderem den Platzbedarf erhöhen. Der jetzige Platz reicht nicht mehr aus.
Hinweis
In einer früheren Version hatte es geheißen, Bürgermeister Schlüter zufolge habe die Kommunalaufsicht grünes Licht für beide Szenarien gegeben. Schlüter will das vor dem Ausschuss aber so nicht gesagt haben. Auf Anfrage bestätigt die Kommunalaufsicht, dass es derzeit für keine der beiden Varianten, die im Bauausschuss diskutiert wurden, eine mündliche Zusage seitens der Aufsichtsbehörde gibt.